Böhse Onkelz vs. TAZ – Berlin (2001)

Juli 21st, 2014 | By Sarah

Böhse Onkelz vs. TAZ – Berlin
veröffentlicht auf www.onkelz.de am 28.05.2001

Der Hintergrund: Die Taz Berlin veröffentlichte am 23.10.2000 die Kritik des Theaterstücks „Death Valley Junction“ von Albert Ostermaier, in dem auch Musik der Böhsen Onkelz verwendet wurde. In diesem Artikel von Esther Slevogt heißt es unter anderem: „Zu allem Überfluß gibt es dann noch ein Lied der der berüchtigten rechtsradikalen Band Böhse Onkelz…“

Die Anwälte der Onkelz haben darauf hin beim Landgericht Berln eine Einstweilige Verfügung eingereicht, der vom Landgericht Berlin bei einem Streitwert von 50.000,–DM stattgegeben wurde. Das Landgericht hat also in einem Eilverfahren der Taz untersagt diese Behauptung aufzustellen, wogegen die Taz Berlin dann Widerspruch eingelegt hat. Sie hat daraufhin einen 28seitigen Schriftsatz ihres Anwaltes eingereicht, der aus unserer Sicht eher an eine journalistische Hetzschrift erinnert, als an einen juristischen Schriftsatz. Wir verzichten darauf, hier auf die vielen aus unserer Sicht faktischen und inhaltlichen Fehler hinzuweisen. Der Schriftsatz kann auf der Homepage der Taz nachgelesen werden. Nur soviel, wer Daniel Cohn-Bendit, einen bekennenden Linken und den ehemaligen Ausländerbeauftragten der Stadt Frankfurt als Rechtsradikalen bezeichnet, nur weil er sich für die Böhsen Onkelz eingesetzt hat, hat sich eigentlich schon selbst disqualifiziert. Dazu die schon fast reflexartigen Aufzählungen der schlimmen Titel „Türken raus“ etc.etc.etc. Das „Gegen den Hass“-Benefizfestival der Onkelz in Bremen vom 09.03.01. trug in diesem Schriftsatz dann auch den Untertitel „Gegen die Opfer rechter Gewalt“. Irrtum? Blödheit? Absicht? Bezeichnenderweise hat es die Taz dann auch unter fadenscheinigen Copyrightausreden unterlassen den Schriftsatz der Onkelzanwälte auf ihrer Homepage zu veröffentlichen. Auf recht geschickte Art wurde dann auch schon vor der Verhandlung mehr oder weniger gedroht, wenn die Entscheidung zu Gunsten der Onkelz ausfallen würde, dann würde sich die Kammer eben zum „Helfershelfer eines Musikunternehmens“, also letztendlich zum willfährigen Instrument des imperialistischen Schweinesystems machen.
Das Landgericht Berlin hat sich sodann auch prompt nicht getraut, das zu bestätigen, was es kurz zuvor eigentlich schon beschlossen hatte, nämlich der Taz Berlin zu untersagen, die Böhsen Onkelz eine „berüchtigte rechtsradikale Band“ nennen zu dürfen.
Es ist wichtig zu verstehen, daß das Landgericht nicht bestätigt hat, daß die Böhsen Onkelz eine „berüchtigt rechtsradikale Band“ sei, sondern nur, daß die Band es der Taz gerichtlich nicht verbieten könne, aufgrund der grundsätzlich geschützten Pressefreiheit (Artikel 5 GG) zu untersagen, sie so zu bezeichnen auch wenn diese Behauptung nicht den Tatsachen entspricht. Ferner ist es wichtig zu verstehen, daß das was die Taz gerade als Sieg feiert und auch so darstellt, noch lange nicht das Ende des Liedes ist. Dies war nur das Eilverfahren, in dem es um die Einstweilige Verfügung ging. Die Hauptverhandlung wird in einigen Wochen wieder vor dem Landgericht Berlin stattfinden und zu dieser Hauptverhandlung sind dann auch Beweismittel zugelassen und es können Zeugen geladen und Plädoyers gehalten werden. Die Antragsgegnerin Taz Berlin will versuchen den ganzen Fall in eine ausschließlich politisch motivierte Diskussion abgleiten zu lassen, sagt jetzt, daß sie eigentlich nur von uns endlich in Ruhe gelassen werden möchte, aber genau diesen Gefallen, werden wir Ihnen nicht tun. Im Gegenteil. Man darf also gespannt sein. Wir werden Euch weiterhin an dieser Stelle auf dem Laufenden halten. Bis dahin habt Ihr ja noch viel Zeit Euch einmal das Forum der Taz anzuschauen. Und der Taz selber, möchten wir hiermit ein paar freundliche Grüße aus Frankfurt ausrichten: Ihr sollt den Tag nicht vor dem Abend loben…

Die Onkelz

 

Abschiedsgruß von Stephan Weidner (04.07.2005)

Juli 21st, 2014 | By Sarah

Stephan Weidners persönlicher Abschiedsgruß an die Fans

(geschrieben am 04.07.2005 auf www.onkelz.de)

Neffen und Nichten!

ich versuche über etwas zu schreiben für das es keine Worte gibt. Aus Gegenwart wurde Geschichte. Ich will uns aber nicht selbst beweihräuchern, deshalb reduziere ich diesen Eintrag darauf, mich aus tiefstem Herzen bei Euch zu bedanken. Wie hart der Abschied war, werdet Ihr uns angesehen haben. Ich für meinen Teil habe die 2. Hälfte des Konzerts in einer Art Trance verbracht, kann mich an so manches nicht mehr erinnern. Die Gesten, das Meer aus Armen, die „wir danken Euch“ Rufe, haben sich aber tief in mein Innerstes gebrannt. Nichts kann das Gefühl beschreiben, das ich hatte als Ihr Euch hingekniet, gesetzt was auch immer getan habt. Eine Respektsbekundung die wohl keinem Künstler jemals widerfahren ist oder widerfahren wird. Ich gestehe, dass so etwas kaum zu verarbeiten ist. Wie soll man das jemandem erklären der es selbst nicht gesehen hat? Ich hatte sicher nicht in jeder Hinsicht meinen besten Tag, unter den Umständen und dem Druck und den kaum zu kontrollierenden eigenen Emotionen finde ich es jedoch legitim, mal daneben zu greifen. Die Stimmung, die Hingabe und Eure Gesänge haben mich getragen und das bis zum Schluss. Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, von der ersten bist zur letzten Reihe ein Gefühl zu transportieren, das mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Ihr wart an diesem Tag der fünfte Onkel. Ihr habt Euch selbst übertroffen und uns, vor allem aber mich damit von Lied zu Lied gepeitscht. Ich wollte euch an diesem Abend noch soviel sagen, aber ich kann mich nicht einmal mehr an ein einziges Wort meiner Schlussansage erinnern. Ich habe aber mit jeder Faser meines Körpers Eure Dankbarkeit und von Herzen kommende Begeisterung gespürt. Ich bin wahnsinnig stolz, das erlebt haben zu dürfen. Wir sind eine Familie, vielleicht sogar mehr als das, etwas das einem immer zur Seite steht. Mit VCT schrieben wir Geschichte und schlossen das Buch. Ein Buch, auf das wir Tausend Jahre gewartet haben. Pure Alchemie. Ich gehe, und das mit erhobenen Haupt und dem Wissen, dass es vorbei, doch nicht vergessen ist . Erzählt es Euren Kindern. Vaya con Tios und träumt so lange Ihr könnt. Bleibt frei. Danke für alles!!

Es tut W

Stephan

B.O.S.C. Gründungsschreiben (1993)

Juli 21st, 2014 | By Sarah

credits: Nina Stier

credits: Nina Stier

Offener Brief der Onkelz an MTV

Juli 20th, 2014 | By Sarah

Betr. MTV-Masters –“Böhse Onkelz“ am 21.07.01 um 17:00 Uhr auf MTV

Bevor wir auf das Thema „MTV-Masters“ eingehen, wollen wir alle, denen nach der Sendung der Kragen geplatzt ist, darum bitten, nicht , die Gästebücher anderer Bands mit unqualifizierten Bemerkungen vollzuschmieren. Sicherlich sind wir alle wütend über diesen Beitrag, aber Ihr disqualifiziert Euch selbst, wenn Ihr unreflektiert, auf diesen Homepages, Eure Wut ablasst. Wenn Ihr einen Beitrag zum Thema leisten wollt, dann bleibt cool und erklärt der Programmleitung von MTV, was Ihr von dem Beitrag haltet.

Offener Brief der Böhsen Onkelz und der B.O. Management AG and die Programmleitung von MTV

Wie wir alle wissen, ist es kein Hexenwerk, ein heikles Thema in der klassischen Tradition des dokumentarischen Journalismus anzugehen. Wie die Musikdokumentation „Pop 2000“, wie die Doku „Böhse Onkelz – gute Onkelz“ von Erika Kimmel oder die jüngst ausgestrahlte ARD-Reihe „Nach Hitler – Rechtsradikale rüsten auf“ von Jan Peter und Yuri Winterberg gezeigt haben, ist es sehr wohl möglich, brisante Fakten ohne Wertung darzustellen, um somit der Kernaufgabe, nämlich der Aufklärung, gerecht zu werden. Bei dem Thema „Böhse Onkelz“ kann es für einen Sender wie MTV keinen anderen Auftrag geben, als den, die Jugendlichen mit handfesten Informationen zu versorgen und so einen positiven Einfluß auf diejenigen auszuüben, die in dieser gewalttätigen Zeit nach rechts abzurutschen drohen. Um zu wissen, daß Ausgrenzung, Polemik und Polarisierung genau das Gegenteil bewirken, muß man nicht zwingenderweise Pädagogik studiert haben. In dieser Hinsicht hat Ihr Sender auf das Kläglichste versagt. Ohne nun auf die Onkelzdiskussion an sich eingehen zu wollen – dazu kommen wir später – muß hier einmal in aller Deutlichkeit geschildert werden, wie diese Dokumentation im MTV-Masters Format zustande gekommen ist.

Die mehr oder weniger sporadische Zusammenarbeit zwischen den Böhsen Onkelz und MTV geht bis in den Spätherbst 1993 zurück, als eine zickige und hoffnungslos uninformierte Birgit Herlidtschke von MTV während eines Interviews von Stephan Weidner aus der Garderobe geworfen wurde. Steve Blame, von Natur aus schon ein wenig lässiger, hatte mehr Glück, und somit entstanden einige durchaus erwähnenswerte Beiträge im Jahre ’94, als Stephan von Blame zu einer Diskussion über „Hate Rock“ während der MTV-Reihe „Free your mind“ eingeladen wurde. Nicht nur war dies der richtige Ansatz, als Stephan neben Campino und Nina Hagen über Hate Rock sprach, auch wurde damals bereits ein Onkelzstatement auf MTV eingeblendet, wie es deutlicher nicht sein konnte. Zur Erinnerung: „Wir wissen, daß die Geschichte der Onkelz, ihre Anfänge und ihre Weiterentwicklung in der Öffentlichkeit auf Skepsis und Mißtrauen stößt. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und weisen den Vorwurf ab, rechtsextremem Gedankengut zu folgen oder zu propagieren. Wir verurteilen: Rechten wie linken Terror, Gewalt gegen Minderheiten, Rassismus und Intoleranz. Die Böhsen Onkelz“. Das war vor 8 Jahren!!

Seit 1998 nun versuchte sich MTV den Böhsen Onkelz zu nähern. Ein weiteres Interview mit eindeutigen Aussagen wurde für MTV-Bulletin zusammengeschnitten, und zögernd begannen die Arbeiten am MTV-Masters, das ursprünglich bereits für das Frühjahr 2001 geplant war. Vereinbart war eine „redaktionelle Annäherung“, wobei der Focus auf der Kernchance liegen sollte, nämlich ein real existierendes, positives Beispiel für Veränderung klar und deutlich zu dokumentieren, ohne den gleichen ausgelatschten Pfaden der anderen Redaktionen zu folgen, heißen sie nun Viva, Spiegel, TAZ, Tip oder FAZ.
Daraus wurde leider nichts.

Fangen wir also an, Ihre mehr als peinliche und faktisch katastrophal falsche Off-Moderation zu analysieren.

„Von den Skins als Verräterband beschimpft, sieht die Öffentlichkeit trotz auffälliger Distanzierungsversuche, trotz Teilnahme an Konzerten zugunsten der Opfer rechter Gewalt, in ihnen noch immer die dumpfen, rechstradikalen Rocker. Wer wie die Böhsen Onkelz mit Songs wie „Türken Raus“ oder dem „Deutschlandlied“ bekannt geworden ist, wer auch heute noch in der Skinheadszene einen Kultstatus genießt, wie keine andere deutsche Band, der muss mit Vorwürfen leben und sich ihnen stellen.“
Gerade daß wir unseren Namen nicht geändert haben, bedeutet, daß wir uns den Vorwürfen stellen. Jeden Tag. Bitte entscheiden Sie sich für eine Variante, werden wir nun als „Verräterband“ beschimpft oder genießen wir einen „Kultstatus“, wie keine andere? Benjamin Reding, der „Oi-Warning“-Regisseur, über dessen Auftreten in Ihrem Beitrag wir uns sehr gewundert haben, spricht von „ziemlich hochgeschätzt“ 10.000 Skinheads in Deutschland, (der Verfassungsschutzbericht gibt 5000 Skinheads in der BRD an) von denen ungefähr 2/3, also rund 6000 mindestens eine Onkelz CD im Schrank stehen haben sollen. Da wir von jeder Neuveröffentlichung ca. 500.000 Einheiten verkaufen, und bereits 17 Alben veröffentlicht haben, stimmen hier die Verhältnismäßigkeiten nicht. Fast alle unsere Fans haben es satt, von den Medien immer und immer wieder in die rechte Prollschublade gestoßen zu werden. Wie Sophie Rosentreter in ihrer Anmoderation so eloquent behauptete, würden auch Fans zu Wort kommen. Nun, auf die haben wir vergeblich gewartet.
Stattdessen befragen Sie „die Ärzte“, anscheinend in einer Panikaktion (Micros vergessen? Treffen wir uns schnell im Keller und Ihr sagt etwas zu den Onkelz), die behaupten dürfen, sie hätten die Onkelz „während einiger „Szenerien“ 1983 auf den Chaostagen in Hannover gesehen. Rodrigo, der so plakativ und peinlich das Ärztebuch in die Kamera hält, mag ja bei den Chaostagen gewesen sein, denn Bela und Farin waren wohl noch zu klein, aber eins ist sicher, die Onkelz waren nie dort und wenn schon solche Dinge behauptet werden, dann sollten auch die entspechenden Belege folgen, auf die wir allerdings sehr gespannt sind.

Sie hielten es anscheinend nicht für nötig, auch nur ansatzweise auf das soziale Engagement der Band hinzuweisen. Sie haben es weiterhin versäumt, die vielen Distanzierungen der Band von der rechten Szene zu kommentieren, obwohl Sie von uns mit ausreichend Material zu dem Thema versorgt worden sind. Eine integre Persönlichkeit wie Frau Dr. Dagmar Lill, die Ausländerbeauftragte des Landes Bremen, unter deren Schirmherrschaft die Onkelz während Ihres Benefizkonzertes zusammen mit Sub 7even, Megaherz, Kreator und Destruction weit über 130.000,– DM für die Opfer rechter Gewalt einspielten, wurde nicht nur nicht erwähnt, sondern man hat ihre positiven und intelligenten Statements rausgeschnitten.

Bei der Auswahl der Songs legten Sie gezielt Wert darauf, möglichst viele Songs mit derben Texten einzubauen, ohne sich jedoch auf die vielen sozialkritischen Texte zu beziehen, die heute das Faszinosum Böhse Onkelz bei Jugendlichen aller Schichten ausmachen. Aber Regisseur Benjamin Reding, der, wie auch „die Ärzte“, Afrob und D-Flame, noch nie ein Wort mit den Onkelz gesprochen hat, darf weiterhin frei drauflos quatschen: „Die Ärzte sagen: Das was Du machst ist nicht OK ? und die Onkelz sagen: Das was Du machst ist OK, mach weiter so…“ Hat Reding die Texte der vielen Songs zu genau diesem Thema, wie z.B. „Nenn mich wie Du willst“, „Das Wunder der Persönlichkeit“, „Wer nichts wagt, kann nichts verlier’n“, „Entfache dieses Feuer“ oder „Schöne neue Welt“ noch nie gehört? Die Onkelz haben in ihrer zwanzig jährigen Karriere mehr kritische Songs abgeliefert, als irgend eine andere Band. Diesen Fakt einfach zu ignorieren, ist mehr als billig. Weiterhin erleutert Reding die Entstehung der Skinheadszene durchaus richtig und verweist auf die Verbindung der Londoner „Ur-Skins“ zur schwarzen Musikszene. Aber hatten nicht gerade die Onkelz als erste Skinheadband in Deutschland 1984/85 auf Ihren ersten beiden Alben zwei Ska-Stücke? Und sagt Kevin Russell in seiner Interviewsequenz nicht ganz eindeutig, wie er die Einmischung der rechten Szene damals empfunden hat?

Kommen wir nun zu einem weiteren groben Schnitzer:
„Der Labelchef von Aggressive Rock Produktionen (heute Noise) Karl Walterbach nahm die Böhsen Onkelz angesichts der zunehmenden Kritik von seiner Compilation „Soundtracks zum Untergang. Prompt stand die versammelte Band bei Walterbach vor der Wohnungstür und drohte diese einzutreten, wenn Walterbach sich nicht gesprächsbereit zeigte. Die Böhsen Onkelz erschienen nie wieder auf seinem Label.“
Dürfen wir das an dieser Stelle einmal kurz aufklären? Karl Walterbach hat die Compilation 1982 zusammengestellt, und die Onkelz waren mit zwei Tracks vertreten. Karl Walterbach hatte damals alle beteiligten Punkbands auf’s Übelste über den Tisch gezogen. Die Onkelz sind nicht etwa nach Berlin gefahren, weil Karl Walterbach sie womöglich von der Compilation genommen hat, was ja auch nicht der Fall war, sondern, weil er sich nicht an die finanziellen Absprachen hielt. Und zu Ihrer Information: Seit die Onkelz mit Ihren Verkaufszahlen die 250.000er Marke überschritten haben, hat Walterbach die Compilation in CD-Form neu aufgelegt. Der Name Böhse Onkelz steht zwar nicht in dem Booklet oder auf dem Cover, des guten Eindrucks wegen, dennoch sind die beiden Titel nach wie vor darauf zu hören. Eine Lizenzabrechnung liegt uns allerdings bis zum heutigen Tage nicht vor.

Nächstes Stichwort: „Der nette Mann“
„Ob aus Naivität oder aus taktischen Gründen: Die Botschaft der Böhsen Onkelz ging eindeutig nach hinten los. Die Provokation forcierte keine Diskussion über ein brisantes Thema. Was blieb, war allein der Skandal“
Nun auch noch auf eine verknöcherte Alt-Herren-Riege, wie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften eingehen zu wollen, würde den Rahmen sprengen. Aber Ihnen bei MTV sei gesagt, daß Sie froh sein können, daß diese alten Männer kein Englisch sprechen, denn sonst wären die bei Ihnen täglich rotierenden gewaltverherrlichenden Texte der Gangsta-Rap-Videos schon längst Gegenstand eines schleunigst einberufenen Treffens. Wer im Glashaus sitzt… Belassen wir es also dabei, daß die Böhsen Onkelz mit diesem derben Song „Der nette Mann“ an einem Tabu gerüttelt haben, und keiner es hören wollte, weil man bis heute lieber die Augen verschließt, als der Sache auf den Grund zu gehen.

„Da die Kritik an ihren Inhalten und ihrem Verhalten die Böhsen Onkelz eher nervt, als zum Nachdenken anregt, stösst auch die immer wieder geforderte Namensänderung als Zeichen der Abkehr vom alten Image auf rigorose Ablehnung.“
Stephans Aussagen zu diesem Punkt sprechen wohl für sich. Wir können uns gut vorstellen, daß sich im Falle einer Namensänderung genau die gleichen Medien, sofort zu Wort melden würden, um genau diesen Schritt als Heuchelei zu kritisieren. Was uns nervt ist übrigens nicht die Kritik an unseren Inhalten, denn Sie hören sich die Songs ja gar nicht erst an. Was uns nervt ist, daß Sie behaupten, Sie würden wissen, was in unseren Köpfen vorgeht. Was uns weiterhin nervt ist Ihre maßlose Arroganz mit der Sie hier, entgegen allen Absprachen, den Weg des geringsten Widerstandes gehen.

„Dennoch stellt sich die Frage, warum gerade die Böhsen Onkelz so grosse Resonanz in der rechten Szene finden.“
Wie groß ist denn diese Resonanz und wie würde sie sich messen lassen? Wir sind uns bewußt, aufgrund unserer Historie eine gewisse Attraktivität auf diese Szene auszuüben. Wir sind uns ebenfalls bewußt, vor 18 Jahren zwei Songs mit ausländerfeindlichen und zwei Songs mit übertriebenen patriotischen Inhalten geschrieben zu haben. Wir sind uns ferner bewußt, Teil einer Szene gewesen zu sein, die sehr schnell in eine falsche Richtung abgerutscht ist, die sich politisch hat vereinnahmen lassen und die ihre ureigensten Werte innerhalb kürzester Zeit verleugnete. Wir hätten uns vielmehr gewünscht, daß Sie den Reifeprozess, den wir durchlebt haben anerkennen, daß Sie die Möglichkeit, einen positiven Einfluß auf Jugendliche auszuüben erkannt hätten, und daß Sie endlich damit aufhören, jugendliche Subkulturen gegeneinander aufzuhetzen.
Sie erhielten von uns Material, daß sich klipp und klar mit der Distanzierung der Böhsen Onkelz von jeglichem rechten Gedankengut beschäftigt, Material, daß bis in die Mitte der achtziger Jahre zurückreicht. Warum haben Sie diese Informationen den Zuschauern vorenthalten? Warum treiben Sie stattdessen mit Ihrer defizitären Berichterstattung die gefährdeten Jugendlichen weiterhin in die rechte Ecke und nehmen ihnen jede Chance, dort rauszukommen.

„Ihre Vergangenheit, die eigene Stilisierung als Opfer und auch die selbstgerechte Art ihrer neueren Texte sind daran nicht unschuldig.“
Ein Opfer ist jemand, der sich nicht wehren kann. Das trifft auf uns nicht zu. Wir können uns wehren und werden das auch weiterhin tun. Wenn von 9000 Presseartikeln über einen Zeitraum von 20 Jahren, 8800 Artikel falsch, schlecht oder gar nicht recherchiert worden sind und sich die Diskussion um die Böhsen Onkelz 15 Jahre (!) lang im Kreis dreht, kann wohl kaum von „Stilisierung“ die Rede sein. Wenn es die Definition von „Selbstgerechtikeit“ neuerdings beinhaltet, daß man sich gegen Verleumdung zur Wehr setzt und sich nicht alles gefallen läßt, dann sind wir gerne selbstgerecht und haben kein Problem damit, wenn man uns so nennt. Anders ausgedrückt: Sie hatten die Chance, ein einzigartiges Phänomen in der deutschen Musikgeschichte zu beleuchten und haben versagt.

Sie haben ausschließlich Personen interviewt, die noch nie Kontakt zur Band hatten. Wenn Sie schon Protagonisten aus anderen Szenen brauchen, warum fragen Sie nicht Moses Pelham, Marc Spoon oder Sven Väth, die die Onkelz seit 13 Jahren persönlich kennen? Wo blieben die Interviews mit Alice Schwarzer oder Daniel Cohn-Bendit, mit Sub7even oder Megaherz, die sich alle mit dem Thema auseinandergesetzt haben und zu ganz anderen Ergebnissen gekommen sind?

Ziehen wir also nun das Fazit Ihrer mehr als armseligen Berichterstattung.

Die im heutigen Klima dringend benötigte Chance, Jugendlichen ein Beispiel zu geben, sie in den Prozess von Integration und Toleranz mit einzubeziehen, eine Brücke auch innerhalb der Musikzene zu schlagen, wurde von Ihnen mit Füßen getreten. Alle Statements der Böhsen Onkelz in diesem Beitrag sind eindeutig und sprechen ein deutliche Sprache, werden jedoch bei jeder nur denkbaren Gelegenheit durch Ihre Off-Moderation als unglaubwürdig und verlogen dargestellt. Ihrer Redakteurin, die vor 1,5 Jahren begonnen hat, diesen Beitrag zusammenzustellen, die von uns mit Informationen, Interviews, Ton- und Bildmaterial versorgt wurde, haben Sie zwei Tage vor der Ausstrahlung die gesamte Kontrolle über die Sendung entzogen. Das braucht man eigentlich nicht mehr zu kommentieren. Mögliche positive Aussagen Dritter wurden aus dem Beitrag geschnitten und Wahrheiten wurden weggelassen, und jetzt behauptet Ihr stellvertretender Musikchef unverschämterweise, der Beitrag sei ok, MTV hätte sich „weit aus dem Fenster gelehnt“. Glauben Sie ernsthaft, wir hätten eine Promotion wie diese Sendung nötig gehabt? Wir sind ohne die Hilfe von MTV und VIVA bis an die Spitze der deutschen Charts gelangt, und letztendlich sind Sie auf uns zugekommen. Uns ging es von Anfang an, um die Aktzeptanz unseres Reifeprozesses, darum, weiterhin unseren Fans vermitteln zu können, daß Gewalt und Hass nicht der Weg sind, darum, daß sich jeder auf einen Weg der Annäherung und der Toleranz begibt. Das Geltenlassen anderer Ansichten sind die Grundprinzipien der von den Medien ständig geforderten Demokratie. Sie konnten sich nicht einmal redaktionsintern auf eine klare Linie einigen. Sie machen eine junge Angestellte für ihre internen Uneinigkeiten verantwortlich und liefern eine verlogene Propaganda ab, die vor lauter erbärmlicher Selbstgerechtigkeit und opportunem Billigstjournalismus schon fast stinkt. Der letztendlich ausgestrahlte Beitrag trägt zur Lösung der Probleme innerhalb der jugendlichen Subkulturen jedenfalls nicht bei. Unnötig zu erwähnen, daß die Zusammenarbeit zwischen den Böhsen Onkelz und MTV hiermit beendet ist. Um es mit einem ganz einfachen und vulgären Satz auf einen Punkt zu bringen:
Lecken Sie uns am Arsch!

Die Onkelz
Das Management
und die Fans

Stephan Weidner – Wenn ich heute so zurückblicke…

Juli 20th, 2014 | By Sarah

„Wenn ich heute so zurückblicke…“

credits: onkelz.de

credits: onkelz.de

von Stephan Weidner
(erschienen im #1 BOSC-Fanzine, 1994)

Wenn ich heute so zurückblicke und mir unseren Werdegang betrachte, kann ich es mir nicht verkneifen, ein wenig stolz auf das Erreichte zu sein. Besonders, da ich weiß, dass wir nicht dort stehen, wo wir jetzt sind aufgrund der Tatsache, dass wir jemals Kompromisse eingegangen wären, sondern weil wir konsequent unseren Weg verfolgt haben!

Alles was wir taten, taten wir aus Überzeugung. Jeder Fehler, jeder Treffer ins Schwarze kam aus dem Bauch, aus unserem Herzen, und war nicht lange geplant oder von irgendwem inszeniert. Wir haben mehr als einmal vor unseren Abgründen gestanden und lernen müssen, dass sich im Dreck zu wälzen nicht die beste Art ist, „rein“ zu werden.

Aber am Ende war es vielleicht wichtiger und größer, diese Fehler zu begehen und ihre Folgen zu tragen, statt abseits der Welt mit gewaschenen Händen ein sauberes Leben zu führen. Schließlich haben all unsere Erfahrungen uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Es waren wir selbst, unser eigenes Verlangen, dass uns dorthin führte, wo wir jetzt sind. Denn ich glaube nicht an Zufälle. Klar war es auch Glück, aber Glück ist meiner Meinung nach eine Art Belohnung für eine besondere Tugend.

Natürlich ist das meine subjektive Ansicht, ich weiß, dass viele unter Euch uns vorwerfen, kommerziell geworden zu sein. Ich denke mit diesem Vorwurf müssen viele Bands leben, die es auf irgendeine Weise geschafft haben, „erfolgreich“ zu sein. Auf manche mag das zutreffen, auf manche nicht.

Wenn kommerziell zu sein, wie in unserem Fall, heißt bessere Songs zu schreiben, wenn es kommerziell ist, wenn man „erwachsen“ wird und Texte mit einer Aussage schreibt, anstatt über Saufgelage zu singen und Gewalt zu predigen, dann nehmen wir es gerne auf uns, kommerziell zu sein, auch wenn ich diesem Wort eine andere Bedeutung beimesse.

Jeder unserer Songs kam aus unserem Herzen, die meisten beruhen auf persönliche Erfahrungen, jeder ist oder war ein Teil unseres Lebens. Unsere Lieder waren immer ein Ventil. Wir konnten durch sie Aggressionen abbauen, Missstände aufzeigen, Gefühle verarbeiten. Wir haben nie einen Text oder einen Song für andere gemacht. Immer waren wir unsere größten Kritiker und vor allem einzigstes Kriterium.

Schön für uns, dass vielen von Euch gefällt, was wir machen, dass viele von Euch sich mit dem identifizieren, was wir in unseren Texten besingen, und natürlich verdienen wir mittlerweile eine Menge Kohle damit, nur war das nie ein Auslöser für uns, ein Lied zu schreiben und das wird in Zukunft auch so bleiben. Wir haben keine Lust, die „Vorzeige Rocker“ der Nation zu werden, wir wollen weiterhin kontrovers sein und Musik machen, die uns berührt, die Reaktionen auslöst, Emotionen weckt, nicht aber blinden Hass schürt, der uns jahrelang begrenzte.

Die Zeit hat sich um uns gekümmert, hat unsere Ansichten mehr als einmal geändert, und wir behalten uns vor, dass sie dies auch in Zukunft tut. Wir kommen immer wieder an Punkte, wo wir von Neuem anfangen, wo wir umdenken müssen und das ist gut so, sonst wäre das Leben beschissen langweilig. Wir verzeihen uns jeden Fehler, solange wir ihn nur einmal machen.

Was sind auch schon „Fehler“, für mich sind es Erfahrungen, die jeder von uns macht, jeder. Ich kenne genug unserer Kritiker persönlich und weiß wie viel „Dreck“ diese Leute mit sich herumschleppen. Ich kenne die Motivation der meisten Journalisten, die weiterhin Lügen über uns verbreiten, ich erkenne ihre Unfähigkeit, Selbstkritik zu üben. Ich erkenne die Krankheit und doppelte Moral unserer Gesellschaft, die, bevor sie vor ihrer eigenen Haustür kehrt, mit dem Finger auf andere deutet und verurteilt und ich scheiß auf sie alle! Wir sind der lebende Beweis dafür, dass es andere Wege gibt, dass man erfolgreich sein kann, ohne ein Fähnchen im Wind zu sein, dass man Mensch sein kann.

Menschlich zu sein bedeutet, Fehler zu machen und trotzdem zu sich zu stehen. Diese Leute verbringen soviel Zeit damit, im Müll anderer zu wühlen, dass sie gar nicht merken, wie sie in ihrem eigenen ersticken.