Die Broilers im Interview auf Mindfuck Society

Dezember 31st, 2014 | By Redaktion

credits: Mindfuck Society

credits: Mindfuck Society

Wir trafen Ines und Ron von den Broilers in der Jahrhunderthalle in Frankfurt zum Interview. Im Catering bei Tee und massig Crew-Trubel nahmen sich die Beiden ausführlich Zeit und stellten sich unseren Fragen.

Erst einmal Glückwunsch für das erfolgreiche Broilers-Jahr 2014. Gold für Noir, Platz 1 der Charts, fast alle Konzerte ausverkauft und ein Auftritt in Rock’n’Heim. Wie war das Jahr für euch, wenn ihr es kurz Revue passieren lasst?

Ron: Es war super, wie du schon sagst ein Jahr der Superlative irgendwie für uns. Klar, Nummer 1 mit dem Album war ja schon so ein Superstart ins Jahr und dann halt die ganzen Konzerte bis jetzt, quasi bis zum 31.Dezember unterwegs, das ist schon großartig.

Ines: Wir können uns nicht und dürfen uns nicht beschweren…

Ron: Genau.

Ines: ..wollte ich noch abschließend sagen.

Gab es Momente in dem Jahr die vielleicht nicht so gut gelaufen sind, z.B. deine Rückenprobleme Ines?

Ines: Ja, ääh habe ich sogar schon verdrängt… (Gelächter). Als du mich gerade gefragt hast, habe ich überlegt „was gibt es für schlimme Dinge?“, ist mir also nicht auf Anhieb eingefallen, habe ich also sehr verdrängt. Ja, aber das war schon blöd. Das war so was, was die Band betrifft echt beschissen, ist aber auch alles wieder gut. Es passiert Mal, glaube ich, dass man mal ein Wehwehchen hat aber ansonsten muss ich sagen…nöö…

Ron: Also das war wirklich schon so ein Schreckmoment für alle, weil wir ja auch nicht wussten was los ist. Aber ansonsten sagen wir immer gerne, dass wenn man dann klagt, es auf hohem Niveau ist. Es ist also nicht der Rede wert.

Ines: Ne, sonst ist bisher eigentlich alles gut gegangen dieses Jahr. Fast schon zu gut. (lacht) Continue reading »

Die Broilers zu Gast in Frankfurt

Dezember 29th, 2014 | By Tobias

Die Frankfurter Jahrhunderthalle … Ein akustisches Sahnestück, welches mit Auftritten von Größen wie Johnny Cash in den 70ern, fast schon zu heiligem Boden geworden ist. Im Dezember 2014 hat man dort nun auch endlich die Broilers zu Gast gehabt. Man muss sich aber nicht hinter solch großen Namen verstecken, denn was unsere Düsseldorfer dort abgeliefert haben, war mehr als amtlich. Der Boden hat gebebt, das Trommelfell vibriert und die Kehle konnte nur durch Äppler ordentlich geölt werden.

 

Ein für uns würdiger Jahresabschluss! Bilder vom Abend gibts hier:

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Interview: Toxpack (Tommi)

Dezember 27th, 2014 | By Sarah

credits: Christian Thiele

credits: Christian Thiele

Vor einigen Wochen hattet ihr die Chance eure Fragen an Toxpack uns zu schicken. Gitarrist Tommi nahm sich trotz Berlin-Show-Vorbereitungen die Zeit und beantwortete ausführlich von uns ausgewählte Fragen. Viel Spaß beim Lesen!

1.) Hallo Tommi, erst einmal noch späte Congratulations von uns zum nicht mehr ganz so neuen Album „Friss!“. Die Platte wurden von uns allen im Mindfuck-Team mit sehr gut bewertet und der Kollege Jan hat auch eine feine Review dazu verfasst (http://www.mindfuck-society.de/2014/08/14/review-toxpack-friss/) . Wie ist dein Blick ca. zwei Monate nach Release auf das Album? 

Tommi: Vielen Dank! Wir sind immer noch sehr zufrieden mit der Produktion. Klar gibt es hier und da Sachen die wir jetzt vielleicht etwas anders gemacht hätten, aber das ist normal und so ein Album ist ja auch immer eine Momentaufnahme. 

2.) „Friss“ ist ja nun schon spürbar weicher als eure Vorgänger-Alben. Hattet ihr bewusst vor einen neuen Weg einzuschlagen oder passierte es einfach im Rahmen der Produktion mit Micha Mainx in Frankfurt?

Tommi: Ich finde das Album musikalisch gar nicht großartig weicher. Vom Songwriting hat sich da gar nicht viel verändert zur Scheibe davor. Was wir anders gemacht haben dieses Mal im Studio ist einfach das wir die Gitarren mal etwas dezenter eingestellt haben und auch mal 2-3 Stücke mit cleanem Gesang aufgenommen haben. Und natürlich haben wir mit einem neuen Produzenten zusammengearbeitet, das wirkt sich schon alles auf die Produktion aus. Aber einen neuen Weg einschlagen, finde ich die falsche Wortwahl. Nennen wir es lieber etwas neues probieren, Veränderung schaffen. Das fängt ja schon mal damit an, dass wir uns nach einem neuen Produzenten umgesehen hatten im Vorfeld. Das macht man ja nicht einfach so. Ich für meinen Teil war da nie so richtig zufrieden, es war immer ok, aber ich war immer der Meinung da geht noch was in Sachen Produktion. Michael Mainx hat sich natürlich auch in die Produktion mit eingebracht und das war auch gut so, denn wir wollten ja dieses Mal etwas anders machen. Dann kommt dazu das sich mit der Zeit ja auch der eigene Anspruch an der Musik oder den Texten ändert, wir machen das ja nun auch schon fast 14 Jahre inzwischen. Solche Songs wie „Aggressive Kunst“ zum Beispiel kann ich heute irgendwie nicht mehr schreiben. Das war ne coole Zeit, aber heute ist halt eine andere. Ich sehe heute auch viele Dinge aus einer anderen Sicht und natürlich wirkt sich das alles auch auf das Songwriting aus. Wie ich vorhin schon sagte ist eine Album Produktion immer eine Momentaufnahme und jedes Album von uns hatte immer seinen eigenen Charakter und so soll es auch bleiben. Vielleicht wird die nächste Scheibe auch wieder härter, wer weiß das schon.

3.) Für den Song „Nichts hören, sehen,sagen“ habt ihr euch Support von Stephan Weidner an den Vocals geholt. Dies sorgte schon im Vorfeld zu gespaltenen Meinungen in eurem Fanlager. Willst du kurz erzählen, wie es zur Zusammenarbeit mit Stephan kam und wieso ihr ihn bewusst für diesen Song haben wolltet?

Tommi: Wir waren ja im letzten Jahr mit Stephan bereits gemeinsam auf Tour. Seitdem sind wir ab und an mal im Kontakt und wir haben die Platte ja auch im Studio23 aufgenommen. Da ist man sich während der Aufnahmen auch mal über den Weg gelaufen und ich möchte meinen es hat sich inzwischen eine Freundschaft zwischen ihm und uns entwickelt. Wir verstehen uns jedenfalls sehr gut, hehe. Als wir den Song geschrieben haben, haben wir zuerst gar nicht daran gedacht ihn zu fragen. Eigentlich war der Plan gewesen, eine Platte ohne Gastsänger einzuspielen. Aber als der Text stand hatte ich Michael Mainx und auch die Jungs gefragt, was sie denn von der Idee halten würden das wir Stephan fragen bei dem Song mitzusingen. Alle haben gesagt klar coole Idee und das Ergebnis kennst Du ja. Wieso wir gerade ihn bei dem Song dabei haben wollten, liegt klar auf der Hand. Gerade er hat was das Thema betrifft in der Vergangenheit viel Einsatz gezeigt und Aufklärungsarbeit geleistet. Er steht als Person für das was wir mit dem Song ausdrücken wollten. Courage zeigen, nicht wegsehen. Gemeinsam ein Zeichen setzen, gegen Rassismus und Gewalt. Und ihm hören die Leute zu, ob sie wollen oder nicht. Es ist nicht so das uns sonst niemand zuhören würde, aber mit einer Person wie Stephan erreichst Du natürlich viel mehr Leute. Und je mehr Leute auf diese Problematik um die es in dem Song geht aufmerksam gemacht werden können, desto besser ist es doch. 

4.) Habt ihr mit solch einer Aufruhr unter euren Fans gerechnet?

Tommi: Das der Song nicht jedem schmeckt und es nicht nur positive Kommentare regnen wird, wussten wir im Vorfeld. Manche Kommentare oder E-Mails waren dann aber doch schon manchmal unter der Gürtellinie. Wenn jemand mit Stephan oder mit dem Song nicht klar kommt, dann ist es ein Ding. Wenn man dann aber beleidigend wird, da hört es dann irgendwann auf. Da haben wir dann auch kein Verständnis mehr für. Auch haben einige Leute nach Veröffentlichung des Songs ihr wahres Gesicht gezeigt mit Kommentaren wie zum Beispiel „Ihr wart mal geil, aber jetzt seid Ihr für mich gestorben“. Na endlich! Solche Leute wollten wir auch nie in unserem Publikum haben und traurig noch dazu, das solche Leute überhaupt unsere Musik hören bzw. gehört haben. Den Song hätten wir meiner Meinung nach viel früher schreiben müssen. Oder wenn ich da Kommentare gelesen habe wie „Das ist doch gar nicht mehr aktuell“ oder „Wo lebt Ihr denn / 22 Jahre zu spät“ , da bekomme ich das kotzen. Ich wohne in Berlin-Marzahn seit Ewigkeiten und ich bekomme sehr wohl mit, was hier vor meiner Haustür oder Umgebung passiert. Und das Problem gibt es nicht nur in Berlin-Marzahn oder Hellersdorf, sondern überall. Man muss nur mal die Augen richtig auf machen. Oder guck Dir die Scheiße in Dresden an was da derzeit abgeht, da soll nochmal einer sagen dieses Thema ist nicht aktuell?

5.) Ihr habt ja nicht nur den W auf seiner Tour dieses Jahr als Support-Act begleitet sondern auch die werten Broilers. Wie waren diese Shows für euch? Gibt es einen Unterschied zur Fancrowd? Wie würdest du beide Erfahrungen im Nachhinein beschreiben?

Tommi: Die W-Tour im Sommer diesen Jahres war großartig. Wir und die ganze W-Band/Crew Belegung kannten uns ja schon von der letzten Tour und die Shows waren wirklich durchwegs alle top, wie auch die Stimmung unter allen Beteiligten. Von uns aus hätte das ganze ruhig noch etwas länger gehen können. Auch die ganze Crew um Michael Mainx, Peter Falke usw. sind einfach echt coole Typen. Das läuft da alles so easy und professionell ab, da kann man gar keine schlechte Laune bekommen. Da hat man einfach richtig Bock auf die Show, jeden Abend. Bei den Broilers ist das eigentlich ähnlich, wir kennen uns ja nun auch schon sehr lange und sind sehr gut befreundet. Auch da hat man hat nicht das Gefühl irgendwie nur Vorband XYZ zu sein. Auf der W-Tour waren wir ja in Clubs unterwegs und bei der Broilers Show in Dresden standen wir plötzlich Open Air auf ner Bühne vor 10.000 Leuten. Das war schon ne dicke Nummer und hat echt Spaß gemacht. Leider war es aber auch nur die eine Show mit den Düsseldorfern, dafür war die Aftershow Party aber ziemlich intensiv danach, haha. Was die Fancrowd betrifft, gibt es eigentlich gar nicht so große Unterschiede bei beiden Bands. Ich habe viele beim W gesehen im Publikum, die sehe ich auch bei den Broilers in der ersten Reihe stehen oder andersrum. Bei den Broilers ist das Publikum vielleicht hier und da etwas jünger, aber ansonsten nimmt sich das nicht viel. Was beide Fanlager auf jeden Fall sehr gut drauf haben ist Stimmung machen und das macht dann auch dementsprechend Spaß auf der Bühne.

6.) Im Herbst stand ja dann auch endlich eure eigene „Friss“-Headline-Tour an. Wie war die Resonanz der Fans auf die neuen Songs? Gab es bestimmte Perlen, die live besonders zündeten?

Tommi: Die Resonanz war erstaunlich gut auf die neuen Stücke, damit hatten wir noch gar nicht so gerechnet. Wir hatten immerhin acht Songs von der neuen Scheibe im Set und das obwohl die Platte gerade mal eine Woche veröffentlicht war als die Tour losging. Das hätte auch böse nach hinten losgehen können, ist es aber nicht. Man kennt das ja sonst normalerweise so, bei neuen Stücken hören die Leute einfach nur zu und wippen vielleicht mal mit dem Fuß. Aber das war halt nicht so, was uns natürlich gefreut hat. Klar sind auch immer Leute dabei die eher auf die älteren Nummern fixiert sind und das ist auch vollkommen ok für uns. Aber auch die müssen den neuen Songs mal ne Chance geben, wir bleiben ja nun mal auch nicht stehen. Welche neuen Stücke live besonders zünden kann man jetzt noch nicht zu 100 Prozent sagen, das ist ja alles gerade am Anfang. Das wird sich noch raus kristallisieren mit der Zeit. Aber zwei, drei Dinger sind da schon dabei gewesen wo wir gemerkt haben, wow da geht was.

7.) Ende Dezember erwartet euch noch euer großes Heimspiel im Berliner Huxleys. Was bedeutet dieser Jahresabschluss für dich?

Tommi: Was soll ich groß dazu sagen, das ist halt Berlin. Da kommen wir her und diese Show ist für uns alle jedes Jahr aufs neue etwas ganz besonderes. Unsere Familien sind vor Ort, unsere engsten Freunde, Fans kommen von überall angereist für diese Show, es ist einfach wie ein großes Familientreffen was einmal im Jahr stattfindet. Die ganze Planung dafür geht meistens schon Monate vor der Show los und wir organisieren das ganze Ding komplett im Alleingang zusammen mit unserer Crew. Von der ersten Lampe auf der Bühne, bis zum letzten Mann am Einlass. Das kann zwar manchmal ziemlich nervend aufreibend sein, aber wenn am Ende die Leute zufrieden nach Hause gehen dann haben wir alles richtig gemacht. Ich kann das schlecht in Worten beschreiben, da muss man einfach mal dabei gewesen sein. 

8.) Mal angenommen ihr dürftet mit zwei weiteren Bands auf große Deutschland-Tour gehen, welche Künstler hättet ihr gerne mit an Bord?

Tommi: Ich würde die Frage eher umdrehen wollen, also bei wem wir gerne mal an Board sein würden. Da fallen mir spontan Motörhead ein, da hätten wir voll Bock drauf. Rose Tattoo stand auch schon immer auf unserer Wunschliste, aber ich glaube das ist beides leider wohl eher unrealistisch. 

09.) Bislang gibt es noch keine Live Veröffentlichungen von euch. Habt Ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt, ein Live Album oder eine DVD zu veröffentlichen?

Tommi: Da haben wir schon ziemlich oft drüber nachgedacht und sogar auch schon ein paar Sachen über die Jahre mitgeschnitten. Aber irgendwie waren wir nie so richtig zufrieden. Irgendwann haben wir uns dann gesagt wenn wir eine DVD machen, dann machen wir die entweder richtig oder gar nicht. Das muss dann schon ein richtig dickes Ding sein und nicht einfach nur irgendeine Aufnahme von einer beliebigen Show. Also wenn wir so eine Produktion raus hauen sollten, dann sicher nicht vor 2016.

10.) In der in den letzten zehn Jahren entstandenen „Deutschrock“-Szene haben viele Bands einen etwas zweifelhaften Ruf. Stichwort „Grauzonen-Bands“. Auch musikalisch und textlich gibt es hier oft wenig Innovatives. Wie steht Ihr zu dieser Szene bzw. gibt es eine Szene, der Ihr Euch zugehörig fühlt?

Tommi: Wir kommen alle ursprünglich aus der Punk/Oi, Hardcore Szene. Das sind unsere Wurzeln und da fühlen wir uns auch heute noch wohl. Auf diesen ganzen Grauzonen Mist haben wir keinen Bock. Entweder hat man einen klaren Standpunkt, oder nicht. Es gibt ja auch Bands da draußen die ganz bewusst mit diesem Thema spielen, die finden das halt lustig damit zu provozieren. Allerdings brauchen die sich dann auch nicht wundern, wenn dann plötzlich ein Haufen Idioten in ihrem Publikum steht oder es Leute gibt, die keinen Bock auf sie haben. Es ist ja auch so das man uns die ganzen Jahre vorgeworfen hat, wir wären rechtsoffen und was weiß ich alles. Was natürlich Bullshit ist, wenn man sich mal etwas mehr mit uns befasst oder einige Interviews in der Vergangenheit gelesen hätte. Was jetzt diese allgemeine Deutschrock Szene betrifft, da gibt es Bands die machen ihre Sache vielleicht gar nicht mal so schlecht, andere sind ziemlich unterirdisch. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir ist das alles irgendwie zu aufgeblasen.

11.) Was kann man im Jahr 2015 von Euch erwarten? Schon irgendwelche musikalischen Pläne? 

Tommi: Wir werden uns ab Januar 2015 verstärkt wieder mit dem Songwriting beschäftigen, da unser eigentlicher Plan ist im Spätsommer / Herbst wieder ins Studio zu gehen für ein neues Album. Dann wollen wir noch ein paar ausgewählte „Friss!“ Shows spielen im Frühjahr in Städten wo wir noch nicht waren mit der aktuellen Platte, sowie haben wir Russland und Spanien auf dem Zettel für ein paar Shows. Ja und natürlich „Grüne Hölle“, Rockavaria und noch zwei, drei andere Festivals im Sommer. Mal sehen was noch so reinkommt in der nächsten Zeit. Also es wird uns auf jeden Fall nicht langweilig werden denke ich, hehe.

Talco Live: Bahnhof Langendreer, Bochum 05.12.2014

Dezember 19th, 2014 | By Redaktion

Talco, Bahnhof Langendreer, Bochum 05.12.2014

von Jan M.

Was fängt man am besten am Vorabend des Nikolaustages mit seinen Stiefeln an? Stimmt genau, man steigt hinein, um damit auf einem feinen Konzert das Tanzbein zu schwingen. Beste Gelegenheit dazu bot die sechsköpfige Ska-Punk Kapelle Talco aus der italienischen Romantik-Hochburg Venedig, die an diesem Abend im Bahnhof Langendreer in Bochum zu Gast war.

Mit einer Tour und einem sehr gelungenen Doppelpaket aus Live-Album und Doku-DVD namens 10 Years (https://www.youtube.com/watch?v=RceRHka7l6Y) zelebriert die Band aktuell ihr 10jähriges Jubiläum, 2004-2014. Talco wurde zwar eigentlich bereits im Jahre 2000 gegründet, das Debut-Album Tutti Assolti erschien allerdings erst 2004. Die Jubiläumstour führte die Band im Laufe des Jahres auf viele europäische Club- und Festivalbühnen, darunter auch eine ganze Reihe Termine in Deutschland.

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credits: Benjamin Scheller

Musikalisch stehen Talco für eine Mischung aus äußerst tanzbaren und gute Laune verbreitenden Ska-Rhythmen, Punkrockeinflüssen, mitreißenden Trompeten- und Saxophon Einsätzen, italienischem Folkloresound sowie politischen, antifaschistischen und vom Lebensgefühl der italienischen Arbeiterklasse beeinflussten Texte. Ihren selbstkreierten Musikstil bezeichnen Talco gerne als Patchanka, benannt nach dem Debut-Album der französischen Kult-Band Mano Negra, von der sich Talco inspirieren ließen. Ihr Sound ist außerdem recht gut mit dem der Spanier von Ska-P vergleichbar.

Obwohl Talco aus Italien stammen, ihre Karriere dort begann und ihre Songs durchgängig auf Italienisch getextet sind, so können sie dennoch ihre bislang größten Erfolge eher in Spanien und Deutschland vorweisen. Seit mehreren Jahren haben Talco einen deutschen Manager und sind seit 2009 beim Berliner Label Destiny Records unter Vertrag. Insbesondere zur Stadt Hamburg entwickelte man eine enge Verbundenheit, nicht zuletzt bedingt durch Talco‘s Engagement für die Punkrocker unter den Fußballvereinen, den FC St. Pauli. Der Mannschaft wurde der Song St. Pauli gewidmet und 2010 hatten Talco einen ihrer bislang größten Auftritte anlässlich des 100 jährigen Vereinsjubiläums im Millerntor Stadion, wo sie sich die Bühne mit Bands wie Fettes Brot, Slime, Kettcar oder Bela B. teilten.

Wie es der Zufall wollte, insofern es denn überhaupt ein Zufall war, spielte der FC St.Pauli ausgerechnet am Abend des Talco Gigs in Bochum wenige Kilometer entfernt ein Auswärtsspiel gegen den Gastgeber VfL Bochum. Um den Fans zu ermöglichen, beides miteinander zu verbinden, gab der Veranstalter im Vorfeld bekannt, dass die Supportband, später als gewöhnlich, erst um 20:30 Uhr und Talco um 21:30 Uhr auf der Bühne stehen würden. Wer weiß, vielleicht wollte auch einfach die Band selbst vorher noch im Stadion vorbeischauen. Gegen 21 Uhr strömten dann auch nicht wenige Nachzügler aus dem Stadion in die alte Bahnhofshalle und füllten deren letzte Kapazitäten aus. Continue reading »

Böhse Onkelz: „Nichts ist für die Ewigkeit“ – DVD-Releaseparty (11.12.2014, Berlin)

Dezember 13th, 2014 | By Sarah

Die Onkelz hatten zur DVD-Premiere in die Mutterstadt geladen und selbstverständlich nahmen wir mit Freude diese Einladung an. Fast die gesamte Mindfuck-Riege trudelte zur groß angekündigten digitalen Zelebration des Hockenheim-Events aus sämtlichen Regionen in Deutschland ein. Verpassen wollten wir dieses Spektakel ganz bestimmt nicht und nahmen dafür viel Reisestress und wenig Schlaf in Kauf.bobabylon

Für die Feierlichkeit wurde das Babylon-Kino in Mitte ausgewählt. Direkt umgarnt von der historischen Volksbühne und dem Kosmopoliten-Sammelpunkt, auch genannt Alexanderplatz – strahlte das Babylon am vergangenen Donnerstag einen ganz besonderen Glanz aus.  Die Premiere war mit „Nichts ist für die Ewigkeit“-Lettern bereits an der Fassade des Kinos ausgeschrieben und wir huschten mit weiteren Besuchern an der Gästeliste vorbei. Im Foyer erwartete uns erst einmal ein kühles Bier und diverses Finger Food, das uns den Einstieg in einen erlebnisreichen Abend leicht machte.

Nach und nach füllte sich das Foyer mit weiteren geladenen Gästen und es war wirklich eine große Freude, so viele Menschen, die man teils über Jahre nicht gesehen hatte, wieder zu sehen. Seien es Teile der BO-Crew, Tour-Bekanntschaften aus ganz Deutschland,  die Berliner-Mischpoke oder sogar Leute aus dem alten GUSD-Forum, es waren nun wirklich alle auf diesem ganz besonderen Familienfest vertreten. Eine Umarmung hier, ein Küsschen da und ein Plausch dort, so vertrieben wir uns die Zeit bis die Gastgeber endlich eintrudelten. Pe hatte gleich seine Familie aus der Schweiz mitgebracht. Gonzo, Stephan und Kevin kamen mit Frau und Freundinnen und bemühten sich jedem Gast zumindest kurz persönlich „Hallo“ zu sagen.IMG_1736

Ziemlich schnell wurde in den edlen Samtkinosesseln Platz genommen, damit die Onkelz auf der kleinen Bühne vorab das Wort ergreifen konnten. Man bedankte sich für das Erscheinen und ließ noch einmal kurz den Hockenheimring Revue passieren, bevor mit voller Freude das digitale Ergebnis ankündigt wurde. Die Vier waren sichtlich stolz und ließen auch sofort die bewegten Bilder sprechen.

Die Dokumentation „Wieder E.I.N.S.“ begann ohne langes Drumherum mit den einzelnen Gedanken der Onkelz zu den vergangenen Jahren. Aussagen wie „Ich war es satt, das Kindermädchen für Kevin zu spielen“ oder „Ich hab nur auf den Tag gewartet, auf einen Telefonanruf..ja Kevin ist tot.“, zeigten noch einmal deutlich, wie verzweifelt die Band selbst dabei zusehen musste, wie ihr Freund und Kollege dem Abgrund unausweichlich entgegen segelte. Doch genauso sprachen sie von diesem fast absurden Wunder, Kevin wieder bei sich zu haben. Vier Minuten scheintot, Metallplatten im Kopf, unzählige Drogeneskapaden all das brauchte es leider, um Kevin nun hoffentlich wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Er beschrieb das Comeback der Onkelz als eine persönliche Reunion und ich musste mehrmals zustimmend nicken, als ich gebannt seine Äußerungen auf der Kinoleinwand verfolgte. Zugegeben ich habe Kevin verteufelt, verurteilt und konnte wirklich nur noch den Kopf über sein Verhalten in der Vergangenheit schütteln. Er war für mich kein Vorbild, ich hatte nicht mal mehr Mitleid – ich war einfach zu enttäuscht und zu traurig über die Ereignisse in den letzten Jahren.  Doch in diesen Minuten, als Kevin das Kino betrat und eine Freundlichkeit ausstrahlte, die ich nicht erwartet hatte, fiel es mir immer schwerer an dem Gedanken festzuhalten, ihn nicht zu mögen. Seine Erklärungen in der Dokumentation kamen für mich ziemlich klar und reflektierend rüber und ebneten mir einen neuen Zugang zum Mensch Kevin Russell. Ich war wirklich sprachlos.

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credits: Onkelz.de

 

Die Sprachlosigkeit wich der Begeisterung. Die Onkelz wieder beim Proben zu erleben, zu wissen, dass all das kein Traum sondern Realität war, bescherte mir die ein oder andere Gänsehaut-Attacke. Stephan saß drei Reihen vor mir und schaute ebenfalls gebannt der Doku zu. Positiv erfrischend waren vor allem Pe’s Sprüche. Wenn man bedenkt, dass der Gute vor Jahren oftmals nicht mehr als ein „pff“, „weiss nicht“ oder „mir egal“ in Interviews rausgehauen hat, ist es beinahe umfassbar, dass sein Wortschatz mittlerweile immens groß geworden ist. Die Lacher waren definitiv auf Pe’s Seite.

Es folgte eine kurze Pause auf die Doku und so blieb Zeit, um schnell Bier zu holen oder noch ein leckeres Häppchen zwischen die Kauleiste zu schieben. Schnell wieder rein, man wollte nicht den zweiten Teil des Films verpassen. Die Band hatte sechs Live-Songs ausgewählt und natürlich durfte auch nicht die populäre Rede von Ben Becker fehlen. Dieser war übrigens auch einer der Gäste am Abend.

Der Bass wummerte durch die Boxen des Kinos und es fiel uns allen schwer stillzusitzen, als es mit „Hier sind die Onkelz“ losging. Es wurde leise mit gesummt und im Takt gewippt, zu gerne wäre man aufgesprungen und hätte den Saal mit ordentlich Pogo und Headbangen zerlegt. Doch wir beherrschten uns alle und saugten voller Genuss die Emotionen des Hockenheim-Spektakels auf. Es war gut, dass es dunkel war – denn mit Sicherheit hatten einige feuchte Augen und eine ziemlich dicke Gänsehaut. Die vorgestellten Songs wie „Der Himmel kann warten“, „Nichts ist für die Ewigkeit“ und „Koma“ mit dem Gastauftritt von Moses Pelham, machten den Emotionsschub perfekt.

Nach der Vorstellung lud die Band noch zum „All-you-can-drink“ in eine nahgelegene Bar, in der wir noch bis tief in die Nacht zusammen feierten und auf die Zukunft der Onkelz ordentlich die Gläser klingen ließen.

Danke Onkelz! Wir freuen uns auf 2015 mit euch!