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Rise Against live: Heineken Music Hall, Amsterdam – 13.11.2014

November 14th, 2014 | By Gast Autor

Rise Against Amsterdamn! 13.11.2014, Heineken Music Hall

von Stefanie “Jackie” Schu

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Den Besuch des Amsterdam Konzertes von Rise Against habe ich gleich mit einem kleinen Urlaub in der schönsten Stadt der Welt verknüpft. Am Abend des 13.11. mache ich mich von der kleinen Pension in der ich untergekommen bin auf den Weg zur Heineken Music Hall. Ich reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln an und deren Handhabung unterscheidet sich etwas von der in Deutschland. Man muss mit seiner Fahrkarte beim Einsteigen in die Straßenbahn an der dafür vorgesehenen Vorrichtung einchecken (dies tut man, indem man die Karte einfach davor hält) und beim Aussteigen an einer eben solchen Vorrichtung wieder auschecken. Warum man das tun muss, habe ich allerdings trotz flüchtiger Recherche im Internet noch nicht herausfinden können. Jedenfalls hat diese Besonderheit an meiner Umsteigehaltestelle Lelylaan zu einer befremdlichen Situation geführt. Im Gegensatz zu den Trams (Straßenbahnen) bei denen man beim Einsteigen direkt in der Bahn eincheckt ist es bei der Benutzung der Metro (so was wie die S-Bahn bei uns) so, das man eincheckt bevor man den Bahnsteig überhaupt betreten kann. Wenn man dann so wie ich am falschen Eingang steht, nämlich dem für den Fernverkehr, dann kann man mit seiner schnöden Fahrkarte nicht einchecken und muss draußen stehen bleiben. Das ist umso peinlicher, wenn gerade viele Leute unterwegs sind. Zum Glück bemerke ich meinen Fauxpas nach einigen Minuten und begebe mich noch rechtzeitig an den richtigen Eingang um meine Metro noch zu erwischen.

Am ArenA Boulevard angekommen muss ich die Halle auch nicht lange suchen, direkt nach Verlassen der Haltestelle ist sie bereits zu sehen. Die meisten Leute sind bereits drin und so kann ich die Halle schnell betreten. Ein kurzer Blick aufs Handy verrät, es ist erst kurz vor sieben und somit habe ich noch ein wenig Zeit, bevor die erste Vorgruppe loslegt. Ich schaue mich am Merch-Stand um und entscheide mich für ein T-Shirt. Das ist mit 20 Euro ziemlich günstig und so sehe ich mich weiter um. Eine graue Sweatshirt-Jacke springt mir noch ins Auge und ich überlege gerade, ob mein Budget die 40 Euro auch noch hergibt, da fällt mir das Kartenlesegerät auf. Mit der Option auf Kartenzahlung verschiebe ich meine Kaufentscheidung auf nach dem Konzert. Continue reading »

Edguy live: Stadthalle, Langen – 11.10.2014

Oktober 12th, 2014 | By Gast Autor

Edguy – Die Weltraum Polizisten verteidigen in der Langener Stadthalle ihre Krone

von Stefanie „Jackie“ Schu

Ich freue mich seit Monaten auf das Edguy Konzert und heute ist es endlich soweit. Schon die Anfahrt entwickelt sich zu einem kleinen Abenteuer, als meine männliche Begleitung die Tickets aus der Hosentasche zieht und dabei entwertet. Ratlos schauen wir auf vier Karten und vier Abrissstreifen. Wird schon schiefgehen heißt die Devise, ein mulmiges Gefühl jedoch bleibt.

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credits: www.edguy.net

Vor der Halle treffen wir auf die dritte im Bunde und somit ist unsere Aufstellung für den Abend komplett. Es ist 19:00 Uhr, der Einlass sollte eigentlich beginnen, doch auf der Treppe in der Langener Stadthalle rührt sich nichts. Nicht so schlimm, wir haben noch eine Stunde, bis die erste von zwei Vorbands anfängt zu spielen. Gegen 19:30 ist der Einlass zwar immer noch nicht sonderlich weit fortgeschritten aber wir finden einen Käufer für unsere vierte Karte. Feierlich überreichen wir Karte und separaten Abrissstreifen und erfahren, dass der junge Mann und sein Kumpel eigentlich nur wegen der zweiten Vorband angereist sind. Für Edguy interessieren sie sich nicht, aber man ist großer Fan von Avantasia, dem Metal Opera Projekt von Edguy Frontmann Tobias Sammet.

Gegen 20:00 Uhr stehen wir zumindest schon auf der Treppe, die Türen zur Halle sind in greifbare Nähe gerückt und warum der Einlass so schleppend vorangeht ist immer noch nicht ersichtlich. Die Wartezeit wird uns nun jedoch von den Klängen der ersten Vorband versüßt. Man hört zwar nicht viel hier draußen aber es klingt nach Metal. Um 20:20 stehen wir endlich am Eingang. Ich werde zur Taschenkontrolle an eine missmutig blickende Frau verwiesen. Sie steht wohl nicht auf Metal. Nach Kontrolle meiner Tasche, welche eher Formsache als gründlich war kommt der spannende Augenblick. Sie möchte meine Karte entwerten. Unschuldig halte ich ihr die Karte samt Streifen entgegen, mein Herz schlägt schnell, jetzt geht es um alles oder nichts. Nur cool bleiben. Sie schaut mich skeptisch an. „Warum ist’n die schon abgerissen?“. Mist, sie hat es gemerkt. Hektisch erkläre ich ihr was passiert ist. Sie schaut weiterhin skeptisch. Ich beginne bereits, mich mit dem Gedanken anzufreunden das Konzert nicht miterleben zu dürfen, da winkt sie mich schließlich doch noch durch.

Durch den verzögerten Einlass begleiten uns noch ca zwei Lieder von Starchild, einer Melodic Power Metalband welche ohne Plattenfirma in der Szene unterwegs ist, während wir uns etwas zu trinken organisieren, bevor die Vorband die Bühne gegen 20:30 Uhr wieder verlässt. Den Blick durch das Publikum schweifen lassend stellen wir fest, dass der Altersdurchschnitt im Saal enorm hoch ist und sind gespannt, wie sich das auf die Stimmung auswirkt. Wir beschließen die zweite Vorband Unisonic noch aus den hinteren Reihen auf uns wirken zu lassen und sind in Gedanken kurz bei den beiden Jungs, die unsere Karte abgekauft hatten. Um 20:45 betritt dann die Band um den ehemaligen Halloween Sänger Michael Kiske die Bühne, um ein 45 minütiges, solides Metal-Set abzuliefern. Die Band kommt gut beim Publikum an und auch ich erwische mich dabei mit Kopf und Fuß im Takt zu wippen.

Nachdem Unisonic die Bühne verlassen haben, machen wir uns auf den Weg nach vorne. Innerlich schon auf Gedränge eingestellt sind wir überrascht, wie gut man durch die Menge kommt. Wir können bis fast ganz vorne bequem durchlaufen. Wir finden einen Platz mit Sicht auf die Bühne und entscheiden uns zu bleiben. Wir sind gespannt, was auf uns zukommt, haben Edguy doch auf ihrer Webseite die aufwendigste Bühnenshow, die sie uns jemals präsentiert haben angekündigt.

Um 22:10 gehen die Lichter im Saal aus und das Intro beginnt. Die Menge jubelt und plötzlich sind um mich herum nur noch Handybildschirme zu sehen. Ich versuche einen Blick auf Tobi zu erhaschen, der soeben die Bühne betreten hat, aber trotz abenteuerlichen Halsverrenkungen bekomme ich ihn nicht live zu Gesicht. Ich kann mir die Performance der aktuellen Single-Auskoppelung „Love Tyger“ jedoch mehrfach auf kleinen Bildschirmen ansehen. In HD. Live wäre mir ja lieber gewesen und mir schwant fürchterliches für den weiteren Verlauf des Konzertes. Ich werde jedoch eines besseren belehrt und für Space Police, das zweite Lied für diesen Abend, werden die Handys wieder eingepackt. Ist die Menge beim Opener noch ausgerastet ist die Stimmung nun etwas verhaltener. Nach dem Lied begrüßt Tobi das Publikum und legt gleich mit einem etwas älteren Stück, „Out of Vogue“, nach. Die Stimmung im Publikum steigt wieder und ich schöpfe neue Hoffnung. Tobi nutzt eine kurze Verschnaufpause nach dem Lied um das Publikum auf zwei Mikrofone hinzuweisen, welche dafür da sind, die Stimmung in der Halle festzuhalten. Jedes Konzert der Tour wird aufgenommen und es wird eine Veröffentlichung der besten Liveaufnahmen angedeutet. Mit dem Hinweis, dass es an uns läge, ob auch Langen auf der Veröffentlichung einen Platz findet, stimmt er den Hit „Superheroes“ an. Endlich rastet die Halle aus, die Stimmung ist nun so, wie man sie sich bei einem Konzert wünscht. Den nächsten Song kündigt Tobi mit einem Hinweis auf das aktuelle Album an; die etwas verhaltene Reaktion auf die Erwähnung von „Space Police“ lässt er nicht auf sich sitzen und erwähnt die Veröffentlichung gleich noch mal. Auch die folgende Reaktion ist ihm nicht frenetisch genug. Plötzlich der Zwischenruf aus dem Publikum, laut und deutlich zu hören „Vielleicht war‘s nicht so gut?!“. Ein Raunen geht durch die Menge. Der Edguy Sänger schaut fassungslos in Richtung des Kommentators. „Vielleicht war es nicht so gut?“ wiederholt er die Worte um dann gespielt empört zu rufen „Du Wurm! Vielleicht hörst du nicht so gut!“. Aller guten Dinge sind drei und so rastet die Halle nun nach erneuter Erwähnung des Albumtitels gebührend aus, Tobi streckt dem Kritiker noch die Zunge raus und stimmt dann mit „Defenders of the Crown“ den Untertitel des Albumnamens an. Als im Anschluss die epischen Takte zu „Vain Glory Opera“ erklingen geht wieder ein Jubel durch die Massen, doch auch bei diesem Lied ist die Stimmung eher mäßig. Bei der Band selbst hat man ebenfalls stellenweise das Gefühl, dass sie sich eventuell am Abend vorher beim Heimspiel in Fulda etwas verausgabt haben.

Wie immer darf auch das Drumsolo nicht fehlen und so bleibt nun Felix alleine auf der Bühne zurück. Es werden wieder viele Handys gezückt und der Schlagzeuger legt los. Wie immer bei Drumsolos denke ich mir zu Beginn „ach ja, klingt gut“. Die Menge klatscht mit und ist begeistert. Diese Begeisterung legt sich bei mir meist recht schnell und ich beginne eher Sachen wie „ja, war ganz nett aber jetzt ist auch mal gut“ zu denken. Die Menge scheint das ebenso zu sehen, die Klatscher werden weniger und auch die Handys werden nach und nach wieder weggepackt. Als Felix den imperialen Marsch anspielt wird klar, auch dieses Drumsolo wird es nicht auf eine Veröffentlichung schaffen. Ich bin glücklich, als Tobi, Jens, Dirk und Eggi (einigen vielleicht als Leih-Bassist bei Pes Solo Ausflug „Dreck und Seelenbrokat“ bekannt) die Bühne wieder betreten; Tobi stellt Felix noch einmal mit den Worten „Meine Damen und Herren, am Schlagzeug … kein geringerer als …. DER SCHLAGZEUGER!“ vor.

Die Jungs bringen mit „Ministry of Saints“ einen weiteren Klassiker und legen dann mit dem legendären „Babylon“ nach, was die Zuschauer mit Begeisterung würdigen. Zur Anmoderation des nächsten Stückes verschwindet Tobi kurz von der Bühne um gleich darauf in einer roten Pagenjacke wieder zu erscheinen. Er informiert uns, dass die Plattenfirma dagegen war, das nächste Stück für das aktuelle Album aufzunehmen. Es handle sich um einen Popsong und eine Metalband mache so etwas nicht. Edguy war das egal und so haben sie das Stück nicht nur aufgenommen sondern werden es auch live spielen und dann kracht das Falco-Cover „Rock me Amadeus“ aus den Boxen. Die Live-Performance dieses Songs war mein persönliches Highlight und ich sehe der Menge an, dass ich damit nicht alleine stehe. Die Halle rastet noch einmal komplett aus, die Stimmung ist gigantisch. Meine Befürchtungen, das Lied würde live nicht so gut rüberkommen sind wie weggeblasen. Die Stimmung wird dann noch einmal etwas ruhiger und zu „Land of the Miracle“ werden sogar Feuerzeuge statt Handys ausgepackt. Mit „Tears of a Mandrake“ kündigen Edguy dann den Abschluss des Abends an. Auf dieses Lied freue ich mich immer besonders, war es doch das erste Lied, das ich mitsingen konnte. Auf meinem ersten Edguy Konzert hatte meine Begleitung mir schon einen einfachen Trick hierzu beigebracht: wenn der Refrain kommt einfach mitmurmeln und am Ende ganz laut MAAAANDRAAAAKE singen. Klappt immer noch gut und ich stelle fest, dass ich nicht die einzige bin, die diese Lektion gelernt hat. Und so verlassen Edguy gegen 22:30 die Bühne.

Durch die viele Zugabe-Rufe noch einmal hervorgelockt kommen die Jungs ca 10 Minuten später noch einmal zurück und bringen die Halle mit „Lavatory Love Machine“ noch einmal zum Kochen, bevor mit „King of Fools“ das tatsächlich letzte Lied des Abends gespielt wird.

Laut Tobi haben Edguy die Halle in Langen dieses Jahr das erste Mal ausverkauft und sie versprechen, bei der nächsten Tour wieder zu kommen. Die Spielzeit war mir mit ca 1,5h Stunden etwas zu gering und die Stimmung in der Halle hätte wegen mir auch etwas besser sein können aber das hat Tobi durch seinen gewohnten Charme und Witz und seine ständige Interaktion mit dem Publikum zwischen den Songs auf jeden Fall wieder wettgemacht. Langen war das vorletzte Deutschlandkonzert der Tour und nachdem die Jungs bereits in Schweden, der Slowakei, Japan, England, Finnland und Italien unterwegs waren stehen ihnen jetzt noch die Schweiz, Frankreich, Spanien, Tschechien, Russland, Argentinien, Paraguay, Brasilien, Chile und Mexico bevor und ich spiele bereits mit dem Gedanken, nächste Woche Dienstag noch den Auftritt in Köln und damit das letzte Konzert in Deutschland mitzunehmen.

Live Review: Broilers – 07.09.2014 Zeltfestival Ruhr, Bochum

September 14th, 2014 | By Redaktion

von Jan M.

Die Bäume werden bunter, die Luft draußen kühler und die Tage kürzer. Der Sommer geht allmählich in den Herbst über und hinter uns liegen in diesem Jahr viele grandiose Konzerte der Broilers auf ihrer triumphalen Tour zum Nummer-1-Album „Noir“. Den kompletten Frühling hindurch verbreiteten die Jungs und Ines Frühlingsgefühle in den Konzertsälen der Republik und starteten direkt im Anschluss im Sommer mit ihren ersten eigenen Open-Air Shows sowie diversen Festivalauftritten weiter durch. Eine Woche nach meteorologischem Sommerende stand nun am 7. September das große Broilers-Sommerfinale an. Die Fünf verabschiedeten sich damit vorerst in den wohlverdienten Bandurlaub, bevor sie im Winter zur nächsten Konzertrutsche, inkl. der beiden 20 Jahre Jubiläumskonzerte in Düsseldorf, auf die Bühne zurückkehren.

„Das ist unser Jahr! Ich geb´ nichts auf den Rest. Das ist unser Jahr! Ich halt den Sommer fest.“, um es treffend mit einer Textzeile der Broilers zu formulieren. Und tatsächlich ließ sich der Sommer zum Finale nochmal festhalten und zeigte sich am Konzerttag nochmal von seiner besten Seite. Nach den Broilers Open Airs in Dresden, Berlin und Rostock gab es allerdings in Bochum innerhalb eines gigantischen Zeltes ein überdachtes Open Air „light“. Das Konzert fand im Rahmen des 17-tägigen „Zeltfestival Ruhr“ am Kemnader See in Bochum statt. Das Gelände umfasst eine komplette Zeltstadt mit vielen Verkaufsständen, kulinarischen Köstlichkeiten (Die Currywurst gehörte zu den besten, die ich je gegessen habe.), Biergärten, einem Beach-Areal mit Liegestühlen, einer kleinen Open Air Bühne und zwei großen Eventzelten. Hier lässt sich die Wartezeit zu einem Konzert großartig überbrücken und das Festival alleine wäre durchaus auch mal ohne Konzert einen Besuch wert. Nach dem Motto „nicht kleckern sondern klotzen“, waren die Broilers im großen Hauptzelt am Start und durften außerdem das Abschlusskonzert des Festivals spielen, um „die verf…. Drecksbude“ in Broilers Manier abzureißen.

Unterwegs von Essen nach Bochum wimmelte es in der S-Bahn erstmal nur so von Schottenröcken auf dem Weg zum parallel stattfindenden EM-Qualifikationsspiel Deutschland-Schottland. Sympathisches Völkchen und alle in bester Laune unterwegs. Erst am Bochumer Hauptbahnhof, beim Umsteigen in die Shuttlebusse zum Zeltfestival, wandelte sich die vorherrschende Bekleidung der Mitreisenden von Schottenröcken zu mehr und mehr Broilers-Shirts. Durchaus mal erwähnenswert, dass Broilers Anhänger eine wirklich beeindruckende Merchandise Begeisterung an den Tag legen. Fast schon vergleichbar mit Onkelz-Dimensionen. Dabei spielt es sicherlich auch keine geringe Rolle, dass Sänger Sammy höchstpersönlich die Designs entwirft. Auch die immer wieder wechselnden Motive lassen die Shirts nach wenigen Jahren zu begehrten Sammlerobjekten werden. So auch einige erfreute Blicke auf mein „Omerta“-Shirt aus dem Jahre 2004.

Kurz vor dem Konzert machten sich leider noch ein paar kleine Schwachstellen des Festivals bemerkbar. So stellten viele Leute nach langem Anstehen beim Einlass fest, dass es im Konzertzelt selber gar keine Toiletten gab, sondern diese am anderen Ende des Festivalgeländes lagen. Dies resultierte in vielen männlichen Wildpinklern direkt neben dem Zelteingang und vielen Mädels, die nochmal schnell übers Gelände rannten. Auch bei der Zeitplanung fragt man sich, warum ein Konzert erst für 20:30 Uhr angesetzt wird, wenn es klar definierte Auflagen gibt, dass nur bis 22 Uhr gespielt werden darf. Auch Vorbands gibt es bei den Konzerten im Rahmen des Zeltfestivals leider keine. Der Fairness halber muss man aber sagen, dass es absolut genug Möglichkeiten auf dem Festivalgelände gibt, um sich das Vorprogramm selber sehr spaßig zu gestalten. Auch wir waren schon nachmittags vor Ort und haben ausgiebig davon Gebrauch gemacht.

Um Punkt 20:30 Uhr war es dann aber endlich soweit und der schwarze Totenkopfvorhang fiel zu den Klängen von „Zurück Zum Beton“. Etwa 3.000 Broilers Verrückte hatten den Weg ins Zelt gefunden und gaben von Anfang an alles, was Stimme und Tanzbein hergaben. Links und rechts von der Bühne boten große Leinwände auch dem hinteren Teil der Halle beste Sicht. Durch wechselnde Kameraeinstellungen war dies auch vorne eine schöne Sache, um allen Bandmitgliedern abwechselnd in Nahaufnahme beim Musizieren auf die Finger schauen zu können.

credits: Kevin Supper

credits: Kevin Supper

Die ersten vier bis fünf Songs wurden wieder Vollgas durchgezockt, bevor ein gutgelaunter Sammy das Publikum begrüßte: „Auch wenn heute Sonntagabend ist und man dann für gewöhnlich lieber auf der Couch liegt, ist für uns jetzt einfach noch Samstagmitternacht. Couch gibt es dann am Montag, dafür aber verdient!“ Die Setlist in Bochum war größtenteils identisch mit der vom Open Air in Berlin (wir berichteten), allerdings fehlten, aufgrund der vom Veranstalter begrenzten Spielzeit, die Songs „Grau, grau, grau“, „Alles was ich tat“, „LoFi“, „Ich bin bei Dir“ und „Cigarettes & Whiskey“. Überraschenderweise gab es aber dafür Klassiker und Live-Rarität „Blaue Auster“ als Bonus. Gewidmet allen „Die Hards“, die fast die komplette Tour begleiten. Diverse inzwischen bekannte Fangruppierungen waren auch wieder mit großen Fahnen in der feiernden Menge vertreten.

Bei „Die letzten an der Bar“ gab es einen sympathischen Versinger, als Sammy die erste und die zweite Strophe verwechselte und danach jede Textzeile mit humorvollem selbstkritischem Gemurmel kommentierte. Zum „Held in unserer Mitte“ wurde dieses Mal kein einzelner Fan, sondern kurzerhand gleich mehrere der riesigen Pfeiler, die das komplette Zelt stützten, zum Mittelpunkt eines Circle Pits erklärt. Hat zwar nicht ganz so funktioniert wie es sollte, dennoch war auf jeden Fall ordentlich Bewegung in der Bude.

Zum letzten Song vor den Zugaben wurde bei „Nur nach vorne gehen“ das Zelt von rotem Bengalofeuer erleuchtet und der Song wurde nochmal als nächste Single für den 3. Oktober angekündigt. Zwischen den Zugaben gratulierte Sammy noch Lichttechniker Malte zum Nachwuchs, Keyboarder Christian zu einem überstandenen Halbmarathonlauf am selben Tag und Drummer Andi, mit einer guten Portion Ironie, zu einem Leistenbruch. Auch die von mir eingangs erwähnte Currywurst wurde von Sammy und Christian nochmal lobend erwähnt. Mit der Broilers Erstveröffentlichung „Blume“ gab es dann die letzten Klänge der Broilers für den Sommer 2014. Das für 22 Uhr vorgeschriebene Ende hat man dabei, wie es sich gehört, mit einem verschmitzten Grinsen um 10 Minuten überzogen. Ein definitiv würdiges Sommerfinale mit durchgehend großartiger Stimmung und vielen glücklichen Gesichtern in der Band und im Publikum.

Den noch relativ frühen Abend ließen wir dann in den Biergärten der Zeltstadt ausklingen, um dort noch mal das Konzert Revue passieren zu lassen. Als wir das Festivalgelände verließen, wurde um uns herum schon aufgeräumt und abgebaut, ganz so, wie es sich für die „Letzten an der Bar“ gehört…

Jetzt kann die Vorfreude auf einen heißen Konzertwinter beginnen und für das Schlusswort möchte ich mich bei der Online Redaktion der Tageszeitung WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) bedienen. Die schrieben abschließend über die 17 Tage Zeltfestival und die Broilers: „Bei diesem Konzert herrschte die wohl beste Party-Stimmung des Festivals.“ Und wer die Broilers schon live gesehen hat, weiß, dass das mit Sicherheit auch stimmt.

Review: Toxpack – Bastarde Von Morgen

September 2nd, 2014 | By Redaktion

von Jan M.

toxpackBald ist es also soweit! Der Release des neuen Toxpack Albums „Friss!“ steht kurz bevor (erscheint am 12.09.2014). Da lohnt sich doch zur Einstimmung nochmal ein Rückblick auf das Vorgängeralbum. „Bastarde Von Morgen“ erblickte im Spätsommer 2011 das Licht der Straßen, auf denen der „East Berlin Streetcore“ zuhause ist. Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der Band das vielversprechende musikalische Statement: „Ihr könnt es nicht ändern, uns gibt es immer noch und zehn Jahre sind uns längst noch nicht genug!“.

An den Reglern saß seinerzeit kein geringerer als Produzentenlegende Harris Johns, der bereits Musik für Punk- und Metalgrößen wie u.a. Slime, Einstürzende Neubauten, Helloween, Kreator, Sodom, Sepultura, Slipknot oder Grave Digger produzierte. Ein Who-is-Who, in das sich somit auch Toxpack einreihen konnte. Wie auf allen Alben seit seinem Einstieg in die Band 2002, zeichnete sich auch hier größtenteils Lead-Gitarrist Tommi Tox verantwortlich für Musik und Text. Und, was soll man sagen, mit dieser Scheibe ist der Band in der Tat ein großes Ding gelungen. Der Sound geht brutal nach vorne und auch die Texte haben so einiges zu sagen. Unverwechselbar vorgetragen von Sänger Schulle‘s gewaltigem Organ dröhnt hier druckvoll eine Energieschwall aus den Boxen, der seinesgleichen sucht.

Wer Musik zum Kuscheln sucht, ist bei „Bastarde von Morgen“ sowieso völlig an der falschen Adresse. Oder er sollte sich mit der Kuschelei lieber beeilen, denn das Akustikgitarren-Intro „Ludi Incipiant“, mit einer Länge von 1:17 Minuten bietet die einzigen ruhigen Klänge für die nächsten knapp 40 Minuten. Mich hat es ein wenig an das Onkelz Instrumental „Adios“ oder das Broilers Intro „Preludio Vanitas“ erinnert. Beides grandiose Stücke, die Emotionen transportieren. Danach kracht es aber direkt gewaltig mit dem Opener „Zehn“ in Toxpack Streetcore-Marnier los. Ein Song, in dem die Band ihr zehnjähriges Bestehen zelebriert und außerdem einen absoluten Ohrwurmrefrain liefert. Schon nach diesem Startschuss sollte dem Hörer klar sein: Toxpack sind zurück und kein bisschen leiser geworden.

Die Songs sind allesamt ein harter Rock `n Streetcore – Arschtritt und sind vor allem beim Anhören in würdiger Lautstärke einfach mitreißend. Man möchte mitsingen, mitgrölen, mittanzen. Besonders die Refrains der Songs „Zehn“, „Bastarde Von Morgen“, „Uhrwerk“ und „E.B.S.C.“ bekam ich zeitweise einfach nicht wieder aus dem Gehörgang. Und die anderen Songs haben keineswegs weniger Power und rocken ebenfalls gewaltig von Anfang bis Ende.

Auch die Texte sind alles andere als Einheitsbrei und haben thematisch einiges zu bieten. Großartig zum Wut ablassen, zur eigenen kleinen Rebellion, zum Feiern mit Freunden oder zum Schwelgen in Erinnerungen an wilde Zeiten. Eine fette Portion Straßenattitüde und Songs mit Message. Gerade mit Blick auf das aktuelle Weltgeschehen, das von schweren Krisen überschattet wird, könnte der Song „Das Problem sind wir selbst“ aktuell kaum passender sein. Am Ende eindrucksvoll unterstrichen von „abstürzenden“ Gitarren inklusive Explosion. Ebenfalls textlich großartig ist der Appell an die Individualität in „Wenn Sehnsucht stirbt“. Textlich hat sich hier Drummer Hinrich Schmidt überzeugend verwirklicht. Musikalisch äußerst energiegeladen, startet der Song direkt mit kraftvoll losbretternden Gitarren. Unbedingt laut anhören. Auch das Einsetzen der Basslinie groovt ungemein. Meine Lieblingsstelle im Song!

Wie bei Toxpack üblich, gibt es auch wieder zwei Gäste auf dem Album. In „Heute So, Morgen So“ ist Roi Pearce von der britischen Oi-Punkband „The Last Resort“ mit am Start. Ein Song über Mitläufer ohne klare Meinung, die sich stets nur am aktuellen Trend orientieren. Sehr gelungen sind die beiden dialogartigen Strophen von Schulle und Roi Pearce. In der ersten Strophe gibt Schulle textlich die „Fahne im Wind“ und bekommt dann von Roi in der zweiten, englischsprachigen Strophe den Gegenwind. Beim zweiten Gast handelt es sich um Paul Bearer, Sänger der New Yorker Hardcore-Band „Sheer Terror“. Er bekommt im Song „E.B.S.C.“ (East Berlin Street Core) seinen Einsatz. Eine Hymne von Toxpack an den quasi selbst kreierten Musikstil. Das Outro des Songs, von Paul Bearer‘s nach vielen Whiskys klingender Stimme gesprochen, ist an Coolness schwer zu überbieten.

Wer das Album bereits sein eigen nennt, wird wohl wissen wovon ich hier in meiner kleinen Laudatio rede. Wer es dagegen noch nicht kennt, sollte unbedingt mal reinhören. Bei Gefallen werdet Ihr definitiv auch nicht am Nachfolger „Friss!“ vorbeikommen, der für mich sogar noch eine Steigerung darstellt. Klare Kaufempfehlung für beide Alben! Und nicht vergessen: Volume bis zum Anschlag kommt am besten!

Tracklist:

01. Ludi Incipiant
02. Zehn
03. An All Die Dämonen
04. Bastarde Von Morgen
05. Das Problem Sind Wir Selbst
06. Wunden Der Zeit
07. Heute So, Morgen So (feat. Roi Pearce von The Last Resort)
08. Was Uns Verbindet
09. Wenn Sehnsucht Stirbt
10. Profilneurotiker
11. Uhrwerk
12. E.B.S.C. (feat. Paul Bearer von Sheer Terror)
13. Libertas

Label: Sunny Bastards
Release: 02.09.2011
Spieldauer: 43:28

REVIEW: Godsmack – 1000hp

August 18th, 2014 | By Tobias

Godsmack 1000hp album coverGODSMACK – In der bis Dato 19-jährigen Karriere der US Hard-Rock Band lieferten die Jungs um Sully Erna bislang 5 Studioalben ab. Nachdem im Jahr 2010 „The Oracle“ erschien, ist es danach ziemlich ruhig geworden. Von den Konzerten in den USA und einer, durch gesundheitliche Probleme abgebrochenen Europa-Tour abgesehen, hörte man nicht viel aus Boston. Sully brachte sein Solo-Projekt in die Läden und auf Tour aber um Godsmack herum blieb es still, was weitere Werke anging. 2012 kam mit „Live & Inspired“ ein schönes Live-Album in die Läden, was allerdings bis auf die vier im Studio eingespielten Coverversionen nichts Neues mit sich brachte. Da die Band sich allerdings immer schon Zeit gelassen hat, was neue Veröffentlichungen angeht ist natürlich bekannt, wenn man sich mit Godsmack beschäftigt hat. Umso erfreulicher ist es, dass jetzt vier Jahre nach „The Oracle“ das sechste Album mit dem Namen „1000hp“ an den Start gegangen ist.

Mit der gleichnamigen Single zeigt man in Boston auch direkt wo es lang gehen soll. Songs wie „1000hp“, „Locked And Loaded“ oder „What’s Next?“ lassen keinen Zweifel daran, dass man seinen Stil ganz klar weiterverfolgt. Vor einigen Tagen wurde ich folgendes gefragt: „Hören die sich denn immer noch so an oder werden die jetzt mit weiter steigendem Erfolg auch so weichgespült?“ – Mit Sully Erna’s Solo-Album im Hinterkopf sicherlich eine berechtigte Frage (Wenn e auch aus meiner Sicht ein grandioses Album war, ist es sicherlich für den gängigen Godsmack-Hörer eine Stufe zu ruhig). Aber um die Frage zu beantworten: NEIN! Godsmack gehen ihren Weg konsequent weiter. Auch wenn Tracks wie „Something Different“ doch an einigen Stellen etwas melodischer und eingängiger sind, verliert das Album nicht an Kraft. Es groovt sich richtig gut ein und selbst die doch vorhandenen ruhigen Songs wie „Turning To Stone“ lassen nie das Gefühl aufkommen man hätte sich der Massenindustrie verkauft. Gerade „Turning To Stone“ erinnert stark an „Serenity“ aus dem „Faceless“-Album. Das fast schon mystisch klingende Bassspiel gepaart mit den Percussions ergibt ein allzu vertrautes Gefühl. Generell fühlt man sich beim Hören sofort zu Hause und bekommt sogar das Gefühl, eine kurze Reise durch die bisherige Diskographie zu machen.

Die Summe macht’s und so entstand hier ein wirklich gutes Album. Modern, ohne aber „gewollt“ zu klingen. Aus den musikalischen Fähigkeiten eines Sully Erna oder auch Robbie Merrill hätte man sicherlich ein virtuoses, verspieltes und im Endeffekt kompliziertes Album entstehen lassen können. Man besinnt sich aber wieder auf das, was man gut kann und fügt dem ganzen eine dezente Note „Reife“ hinzu. So passt’s und so wollen wir Godsmack hören – gradlinig, bodenständig und ehrlich – kein ausproduzierter, massentauglicher angepasster Einheitsbrei. Dafür hat man gerne vier Jahre gewartet und darf sich nun umso mehr über „1000hp“ freuen. Gerne darf auch nochmal der Versuch gestartet werden, das Ganze Live in Deutschland zu präsentieren!

Godsmack – 1000hp
Veröffnetlichung: 29.08.2014
Amazon: LINK

Tracklist:

  • 1. 1000hp (Album Version)
  • 2. Fml
  • 3. Something Different
  • 4. What’s Next?
  • 5. Generation Day
  • 6. Locked & Loaded
  • 7. Living In The Gray
  • 8. I Don’t Belong
  • 9. Nothing Comes Easy
  • 10. Turning To Stone (Album Version) – Godsmack
  • 11. Life Is Good

 

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