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Interview Laust Sonne (Mai 2015)

Mai 20th, 2015 | By Redaktion

credits: Morten rygaard

credits: Morten rygaard

Einigen wird Laust Sonne vielleicht als Drummer der dänischen Rockband D-A-D bekannt sein. Neu für viele dürfte die Information sein, dass Laust auch seit geraumer Zeit als Solokünstler unterwegs ist. Nun ist der Zeitpunkt für Laust gekommen, seine Musik in Deutschland vorzustellen, abseits seiner Heimat Dänemark.

Wir haben mit Laust anlässlich seiner vorab EP-Veröffentlichung „Classic Relations“ ein Interview geführt und sind schon ganz gespannt auf das eigentliche Album-Release „Relations“ im Sommer 2015.

1.) First congratulations to your new release „classic relations“.

Laust Sonne: Thank You!

I was wondering that you had the time to work on your own solo stuff, because you were a lot on the road with your other band during the last year. When did you find the time for that?

Laust Sonne: I like to work a lot. I live and breathe music, and music is constantly spinning around in my head, so sometimes it´s actually a relief to get it out of my head and make it real! 

2.) This month you released a small ep with the title „classic relations“. Is there any reason, why you chose this three songs for unplugged versions?

Laust Sonne: All three songs on the EP are going to be singles taken from the forthcoming album “Relations”, and I use the EP as a sort of appetiser for what´s to come. I think all three songs are very strong in their own way, and I thought it was nice to show them in a different light than on the original production.

3.) Was it the first time for you to work with a string quartet?

Laust Sonne: It was. And it was a total joy! The string arranger and cello player on the EP, Pete Morrisson, is a very gifted arranger and player, and he caught the right vibe immediately. I´m very happy with the result.

4.) On may 22nd you’ll release your album „Relations“. What is the difference between your first cd „Laust Sonne“ and „Relations“ ?

Laust Sonne: The date has been changed. The album is due after summer. The new album has greater focus on the songwriting, whereas the first was more club-oriented. The lyrics are more personal this time, and there are more guitar and piano on the new album as well. It´s still very electronic, but I mixed it up with some more organic instruments as well. But the main difference is the songwriting. It´s more personal.

5.) The video of your song „on the radio“ was produced in Berlin. Why did you choose the german capital for the video shoot? Did you know director Dino Fetzer before? 

Laust Sonne: Berlin has always had a special place in the heart of the artists, I think. So many great things has come out of that place. It´s a place where you go and realise your dreams as an artist, where you find yourself. Bowie, Iggy Pop… That´s the myth anyway… And I love the energy of the city! All sorts of people live there, side by side, and it creates this special feeling for me. Berlin is Europe´s  London.

I hooked up with the amazing Dino Fetzer through a mutual friend. I never actually met him before we started planning the video, but I immediately liked his approach and his ideas. He has the mind of a true artist! I´m a big fan of his. We have plans for the future, for sure!

6.) Why it’s so important for you to make your own solo stuff beside the band stuff with D-A-D ?

Laust Sonne: To me, music is like food, in a way. If you keep eating the same food every day, even though you love that kind of food, eventually you´ll get bored with that food and start craving for something else. I feel that way with music. And I find it very inspiring to dive into different musical worlds. I always find something that I can bring back to my other musical worlds.

7.) A friend of mine, who’s musician too, said that „happiness is writing with white ink“. For him it’s difficult to write positive songs.

Is it easier to write about lovesickness, problems or doubts? What do you think?

Laust Sonne: Well, I think it´s difficult to write great songs, period. Whether happy or sad, you need to really hit the right spot, in order to make it appeal to other people than yourself. Sad songs can sometimes have a tendency to be too personal and not invite the listener in on the experience. Happy songs, on the other hand, can be just totally ridiculous! It´s not too easy, really… 

8.) Beside Denmark your focus is at the german music market. What’s the difference between the both markets in your opinion?

Laust Sonne: First of all, the German market is the 3rd biggest music market in the world. I can say without a shadow of a doubt, that Denmark is NOT in the top 10 of that list!!! That gives the German market a big advantage in my mind:-) It means that there is room for many more artists, and many more different types of music in Germany. Denmark is very narrow in that respect, the different “niches” in music are so small in Denmark and the pop-market is overcrowded, so it feels like there´s too little space, too little money, not enough people etc…

9.) Any chances to hear Laust Sonne with „relations“ live in 2015? 

Laust Sonne: Yes! Hopefully I will go on a german tour during the fall of 2015, when the album is out. That is definitely my plan.

10.) How would you describe the music of Laust Sonne in only three words?

Laust Sonne: Modern Pop w Heart

Wer noch nicht in die Solokünste von Laust Sonne reingehört hat, sollte sein Video zu „On the Radio“ checken.

Wie Laust Sonne unplugged in Begleitung eines String-Orchesters klingt? Hört und seht selbst:

Interview Donots (April 2015)

April 1st, 2015 | By Sarah

Zugegeben die Donots sind einige Jahre einfach an mir vorbei gegangen, sie haben mich schlichtweg nicht interessiert. Ich kannte nur sehr oberflächlich ihre Musik, hatte sie auch schon mal als Support-Act gesehen, aber mir fehlte einfach die Geduld mich wirklich mit ihrer Musik auseinanderzusetzen. Das änderte sich dieses Jahr schlagartig, als die Donots ihr erstes Album auf deutsch ankündigten. Der Stream lief bei mir auf und ab und ich feierte „Karacho“ dermaßen, so dass ich mich entschloss auch den englischsprachigen Songs eine Chance zu geben. Und hey, so schlecht finde ich sie gar nicht. Das war für uns Grund genug eine Interview-Anfrage zu starten und wir hatten Glück. Ingo-Donot stellte sich unseren Fragen, obwohl er Anfangs bedenken über „Mindfuck Society“ und die Verbindung zu den Böhsen Onkelz hatte. Unsere Meinungen mögen sicherlich zu diesem Thema stark auseinander gehen und unserer Standpunkt zu B.O. ist natürlich ein ganz anderer, auf Grund jahrelanger Verbundenheit. In einem Punkt sind wir uns aber mit den Donots einig: Nazis finden wir alle scheiße!
Und Mindfuck Society ist auch weiterhin keine Anlaufstelle für Fans aus dem braunen Lager.

Das Interview:

credits: Patrick Runte (KKT Press Kit)

credits: Patrick Runte (KKT Press Kit)

Mindfuck Society: Hallo Ingo, erst einmal noch verspäteten Glückwunsch zur Veröffentlichung von „Karacho“. Für uns ist die Platte jetzt schon eines der Top-Alben 2015, einfach weil sie enorm ins Ohr geht und nicht langweilig wird. Wie erlebst du die Reaktionen auf „Karacho“?

Ingo Donot: Hey, vielen lieben Dank für die Blumen! Das Album ist jetzt einen guten Monat draußen und wir kriegen täglich echt tolles Feedback von allen möglichen Seiten. Die Reviews waren fast ausnahmslos der Oberhammer und es scheint wirklich so, als hätten viele Leute darauf gewartet, dass wir auch mal ein deutsches Album rausbringen. Und jene, die skeptisch waren, scheinen wir aber auch irgendwie mit „Karacho“ abgeholt zu haben. Die Platte scheint ein echter Ohrenöffner für viele Leute gewesen zu sein. Das freut uns natürlich, wenn man sowas im 21sten Bandjahr sagen darf! Und ehrlich gesagt, hatten wir auch mit eine Menge mehr Gegenwind und Kritik gerechnet im Vorfeld…

Mindfuck Society: Hand aufs Herz, habt ihr euch schon Gedanken gemacht ob die nächste Platte auch auf deutsch erscheinen wird?

Ingo Donot: Wir haben dieser Tage „Karacho“ auch nochmal in Englisch aufgenommen für internationale Veröffentlichungen in Japan und Amerika. Das englische Texten macht mir, genau wie die deutschen Lyrics, weiterhin eine Menge Spaß, weshalb ich am liebsten von nun an immer zwei Alben aufnehmen würde. Das ist zwar doppelte Arbeit, macht aber auch doppelt stolz, wenn man die Texte zweisprachig geknackt bekommt.

Mindfuck Society: Was hat sich durch den Sprachwechsel beim Texten verändert? Spricht man in seiner Muttersprache andere Themen an, die man mit englischen Texten nicht tun würde?

Ingo Donot: Ich glaube, man erreicht die Leute hierzulande einfach direkter. Es gibt echt einige Stimmen, die uns rückkoppeln, dass sie zum ersten Mal wirklich total angesprochen werden von unseren Songs. Das scheint also wirklich an der Sprache an sich zu liegen, denn das Album klingt ja ansonsten nicht komplett nach einer anderen Band. Ich glaube, das Songwriting als solches ist auch ein wenig rauer und direkter geworden, aber besonders die Texte heben natürlich das Album aus der restlichen Donots Diskographie heraus. Mir war es extrem wichtig, dass man unsere Texte eben nicht falsch interpretieren oder positionieren kann. Ich wollte Lyrics, die Haltung und Richtung haben, weil es gesichtlose Zeilen zur Genüge in der Pop-Format-Radio-Landschaft gibt.

Mindfuck Society: Musst du dich jetzt für die Live-Konzerte noch intensiver vorbereiten? Textpatzer auf deutsch fallen ja nun mehr auf 😉

Ingo Donot: Ach, im Grunde ist das doch das allerbeste, wenn man sich verhaspelt oder Zeilen vergisst. Da muss man dann erfinderisch werden. Das finde ich immer großartig, wenn das bei Bands passiert. Traurig wird das erst, wenn die Band trotzdem den Text auf einem Teleprompter hat und den nicht mal mehr richtig lesen kann.

Mindfuck Society: In einigen Texten von „Karacho“ thematisiert ihr die brodelnde „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“ – Stimmung im Land. Wir sind uns wahrscheinlich einig darüber, dass dieses Denken ziemlich gefährlich ist und man dem entgegenwirken sollte. Seht ihr euch als Band in der Pflicht dagegen ein Zeichen zu setzen, da ihr einfach ein größeres Sprachrohr habt?

Ingo Donot: Ich sehe uns da ein wenig in der Tradition von Bands wie den Hosen oder den Ärzten, die damals für mich in früher Jugend Türen geöffnet und mir Themenbereiche näher gebracht haben, die Popmusik so nicht ansprechen wollte. Ich würde mich freuen, wenn wir eine der Bands für die Kids da draußen sein können, die zumindest grundsätzlich sensibilisiert für gewisse Themen. Deshalb schauen wir auch schon sehr genau darauf, wo wir wie stattfinden. Ich hab zum Beispiel keinen Bock darauf, bei Shows aufzutreten, wo diese komischen Grauzonen-Bands spielen oder die Veranstalter sich Deutschrock oder Deutschtümelei auf die Fahnen schreiben. Genauso sehr haben wir auch erst diskutiert, ob es Sinn macht, auf Eurer Seite stattzufinden, weil ihr ja zumindest früher auch ziemlich Onkelz-offen berichtet habt. Das ist eigentlich kein Umfeld, wo wir uns wohlfühlen, aber irgendwie ist es auch wichtig, in gewissen Medien aufzutauchen, wo sich wahrscheinlich auch Grauzonen-Publikum herumtreibt, und dort einen Gegenpol zu setzen. Das soll jetzt keine Ansauge sein, denn ihr macht ja schon auch sehr klar, dass Ihr Euch strikt von rechten Tendenzen abgrenzt, aber wir haben halt grundsätzlich nicht viel übrig für Heckscheibenaufkleber-Bands und deren Gestus, für Deutschtümelei, Stammtisch-Meyerei usw.

Mindfuck Society: Themawechsel: Wie sehr lebt ihr das Klischee „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“? Ist dieser Slogan ein weit verbreitetes Ammenmärchen oder hat er doch seine Berechtigung in der Branche?

Ingo Donot: Ach, wir sind als Westfalen im Glas und am Brett natürlich schon zuhause, klar. Aber dieser übertriebene Flatscreen-aus-dem-Hotelfenster-schmeißen-Gestus ist völlig bescheuert und Koksen etc. sollen auch mal lieber andere… Meistens sind es die Newcomer-Bands, die auf einmal voll aufdrehen und sich beweisen müssen. Die älteren Bands haben glaube ich verstanden, dass man nicht künstlich auf den Putz hauen muss.

Mindfuck Society: Habt ihr eigentlich ein besonderes Ritual bevor ihr auf die Bühne geht?

Ingo Donot: Wir schwören auf den mighty Knusperfelix, aber um das Ritual zu erklären, müsste man den Lesern wahrscheinlich doch Klebstoff zum Schnüffeln geben, hehe!

Mindfuck Society: Mal ehrlich: Wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte – was wäre euer Traumjob gewesen?

Ingo Donot: Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich wäre wahrscheinlich in der Videospiele-Industrie tätig oder würde eine Hundepension leiten, weil ich Zock- und Wuff-Nerd bin. Das Schöne ist, dass wir mit den Donots seit Jahren ein 24-Stunden-Hobby haben und irgendwie nie groß über die Zukunft nachdenken. Das ist so wunderbar blauäugig. Würde ich gar nicht anders haben wollen…

Mindfuck Society: Kommt man als Musiker eigentlich noch zum Lesen oder intensiven Filme schauen? Was sind deine geheimen Lese- oder Filmtipps?

Ingo Donot: Buchempfehlungen meinerseits sind u.a. „Tiere Essen“ von Jonathan Safran-Foer – tolle Lektüre zum Thema Vegetarismus – oder auch „Neue Nazis“ vom guten Herrn Radke. Letzteres befasst sich mit der Radikalisierung der neuen Rechten. Sehr informativ. Als Filmtipp hole ich immer gerne „Mann Beisst Hund“ raus – ultrabissige Satire über Medien. Ist schon ein paar Jahre alt, aber immer noch der helle Wahnsinn. Den Film zitieren wir übrigens auch in „Das Ende Der Welt Ist Längst Vorbei“…

Mindfuck Society: Rock am Ring, Deichbrand, Highfield, Open Flair, Vainstream…dieses Jahr gebt ihr festivalmäßig richtig Gas. Im Herbst dann noch eure eigene Headliner-Tour. Kann man sagen, dass 2015 das Donots-Jahr überhaupt wird?

Ingo Donot: Für uns ist jedes Jahr das Donots-Jahr überhaupt! Man sollte sich schließlich in jedem Moment auf der absoluten Höhe fühlen. Wir freuen uns tierisch auf die Shows, klar! Und wir sind doppelt gespannt, wie die neuen Songs auf Deutsch live knallen… Wahrscheinlich hast Du während des ganzen Interviews hier ein Trampeln im Hintergrund gehört, gell? Das waren unsere nervösen Füsse… Es muss jetzt mal endlich losgehen!!!

Dankeschön für das Interview!
Ingo Donot

 

 

 

Daniel Wirtz im Interview

Januar 22nd, 2015 | By Tobias

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credits: Sabrina Feige

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Daniel Wirtz. Er nahm sich die Zeit, um mit uns darüber zu reden, über seinen persönlichen Eindruck und was in 2015 noch zu erwarten ist.


Hallo Daniel, erst mal Glückwunsch zu einem erfolgreichen Jahr 2014.
Sowohl Unplugged-Album wie auch die darauf folgende Tour sind sehr gut angekommen bei deinen Fans. Wie hast du das letzte Jahr erlebt und woran möchtest du im nächsten Jahr anknüpfen?

Daniel: In etwa habe ich es genau so erlebt, wie du es sagst: Es war ein großes Experiment für uns, das aber auf ganzer Linie gelungen zu sein scheint. Tolle Tour gehabt, das Album ist sehr gut angekommen und die Leute scheinen auch verstanden zu haben, warum wir das Unplugged-Ding überhaupt gemacht haben. Wir haben das Jahr alle zusammen ganz gut abgefeiert. Mit der DVD machen wir ganz würdig den Deckel drauf und wenden uns wieder was Neuem zu: Ein kompromissloses Rock´n´Roll-Album 2015!

Gibt es Dinge die eventuell auch nicht so gut gelaufen sind an denen man im neuen Jahr unbedingt arbeiten sollte?

Daniel(lacht) Nö!

Es war bei den Unplugged-Konzerten sicherlich ungewohnt für dich, deine Songs im Sitzen vorzutragen. Ist dir das schwer gefallen oder hast Du den Hocker in Zukunft immer dabei?

DanielDen Hocker werde ich jetzt erstmal wieder in die Ecke stellen. Es war aber eine schöne Generalprobe für die Zeit Ü60, um zu sehen, dass es im Sitzen auch noch funktionieren wird. Im Sitzen das Konzert zu spielen, war kein Zwang, sondern ein Wunsch von mir, deshalb war es auch gar nicht so komisch. Es war dem Anlass angemessen und während der ruhigen Songs auf der Bühne rumzuspringen, hätte einfach nicht gepasst. Es war bequem und es hat sich einfach von Anfang an gut und richtig angefühlt.

Was hat für dich die größten Unterschiede zwischen Unplugged- und Rockshows ausgemacht? Konntest du neue Erfahrungen auf deinen Unplugged-Gigs sammeln, die du für künftige Konzerte nutzen kannst?

DanielDie schönste Erfahrung war zu sehen, dass wir alle – auf und vor der Bühne – mit dieser neuen Situation wunderbar klar gekommen sind. Für die Leute war das ja auch mal neu: Ein Konzert eines Rockmusikers auf Stühlen und Bänken sitzend abzufeiern. Es war toll zu sehen, dass man Fans am Start hat, die diese Konstellation nicht nur akzeptieren, sondern sich auch voll drauf einlassen wollen und können. Wir haben uns ja für die „Unplugged“-Rutsche eine ganz besondere Atmosphäre gewünscht: Ruhig, wenn es sich richtig anfühlt. Das hätte man ja ganz locker durch die falschen Zwischenrufe zur falschen Zeit kaputt machen können. Aber das kam nie vor. Die Leute haben die Konzerte genau so erlebt und mitgestaltet, wie wir uns das erhofft hatten.

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Die Broilers im Interview auf Mindfuck Society

Dezember 31st, 2014 | By Redaktion

credits: Mindfuck Society

credits: Mindfuck Society

Wir trafen Ines und Ron von den Broilers in der Jahrhunderthalle in Frankfurt zum Interview. Im Catering bei Tee und massig Crew-Trubel nahmen sich die Beiden ausführlich Zeit und stellten sich unseren Fragen.

Erst einmal Glückwunsch für das erfolgreiche Broilers-Jahr 2014. Gold für Noir, Platz 1 der Charts, fast alle Konzerte ausverkauft und ein Auftritt in Rock’n’Heim. Wie war das Jahr für euch, wenn ihr es kurz Revue passieren lasst?

Ron: Es war super, wie du schon sagst ein Jahr der Superlative irgendwie für uns. Klar, Nummer 1 mit dem Album war ja schon so ein Superstart ins Jahr und dann halt die ganzen Konzerte bis jetzt, quasi bis zum 31.Dezember unterwegs, das ist schon großartig.

Ines: Wir können uns nicht und dürfen uns nicht beschweren…

Ron: Genau.

Ines: ..wollte ich noch abschließend sagen.

Gab es Momente in dem Jahr die vielleicht nicht so gut gelaufen sind, z.B. deine Rückenprobleme Ines?

Ines: Ja, ääh habe ich sogar schon verdrängt… (Gelächter). Als du mich gerade gefragt hast, habe ich überlegt „was gibt es für schlimme Dinge?“, ist mir also nicht auf Anhieb eingefallen, habe ich also sehr verdrängt. Ja, aber das war schon blöd. Das war so was, was die Band betrifft echt beschissen, ist aber auch alles wieder gut. Es passiert Mal, glaube ich, dass man mal ein Wehwehchen hat aber ansonsten muss ich sagen…nöö…

Ron: Also das war wirklich schon so ein Schreckmoment für alle, weil wir ja auch nicht wussten was los ist. Aber ansonsten sagen wir immer gerne, dass wenn man dann klagt, es auf hohem Niveau ist. Es ist also nicht der Rede wert.

Ines: Ne, sonst ist bisher eigentlich alles gut gegangen dieses Jahr. Fast schon zu gut. (lacht) Continue reading »

Interview: Toxpack (Tommi)

Dezember 27th, 2014 | By Sarah

credits: Christian Thiele

credits: Christian Thiele

Vor einigen Wochen hattet ihr die Chance eure Fragen an Toxpack uns zu schicken. Gitarrist Tommi nahm sich trotz Berlin-Show-Vorbereitungen die Zeit und beantwortete ausführlich von uns ausgewählte Fragen. Viel Spaß beim Lesen!

1.) Hallo Tommi, erst einmal noch späte Congratulations von uns zum nicht mehr ganz so neuen Album „Friss!“. Die Platte wurden von uns allen im Mindfuck-Team mit sehr gut bewertet und der Kollege Jan hat auch eine feine Review dazu verfasst (http://www.mindfuck-society.de/2014/08/14/review-toxpack-friss/) . Wie ist dein Blick ca. zwei Monate nach Release auf das Album? 

Tommi: Vielen Dank! Wir sind immer noch sehr zufrieden mit der Produktion. Klar gibt es hier und da Sachen die wir jetzt vielleicht etwas anders gemacht hätten, aber das ist normal und so ein Album ist ja auch immer eine Momentaufnahme. 

2.) „Friss“ ist ja nun schon spürbar weicher als eure Vorgänger-Alben. Hattet ihr bewusst vor einen neuen Weg einzuschlagen oder passierte es einfach im Rahmen der Produktion mit Micha Mainx in Frankfurt?

Tommi: Ich finde das Album musikalisch gar nicht großartig weicher. Vom Songwriting hat sich da gar nicht viel verändert zur Scheibe davor. Was wir anders gemacht haben dieses Mal im Studio ist einfach das wir die Gitarren mal etwas dezenter eingestellt haben und auch mal 2-3 Stücke mit cleanem Gesang aufgenommen haben. Und natürlich haben wir mit einem neuen Produzenten zusammengearbeitet, das wirkt sich schon alles auf die Produktion aus. Aber einen neuen Weg einschlagen, finde ich die falsche Wortwahl. Nennen wir es lieber etwas neues probieren, Veränderung schaffen. Das fängt ja schon mal damit an, dass wir uns nach einem neuen Produzenten umgesehen hatten im Vorfeld. Das macht man ja nicht einfach so. Ich für meinen Teil war da nie so richtig zufrieden, es war immer ok, aber ich war immer der Meinung da geht noch was in Sachen Produktion. Michael Mainx hat sich natürlich auch in die Produktion mit eingebracht und das war auch gut so, denn wir wollten ja dieses Mal etwas anders machen. Dann kommt dazu das sich mit der Zeit ja auch der eigene Anspruch an der Musik oder den Texten ändert, wir machen das ja nun auch schon fast 14 Jahre inzwischen. Solche Songs wie „Aggressive Kunst“ zum Beispiel kann ich heute irgendwie nicht mehr schreiben. Das war ne coole Zeit, aber heute ist halt eine andere. Ich sehe heute auch viele Dinge aus einer anderen Sicht und natürlich wirkt sich das alles auch auf das Songwriting aus. Wie ich vorhin schon sagte ist eine Album Produktion immer eine Momentaufnahme und jedes Album von uns hatte immer seinen eigenen Charakter und so soll es auch bleiben. Vielleicht wird die nächste Scheibe auch wieder härter, wer weiß das schon.

3.) Für den Song „Nichts hören, sehen,sagen“ habt ihr euch Support von Stephan Weidner an den Vocals geholt. Dies sorgte schon im Vorfeld zu gespaltenen Meinungen in eurem Fanlager. Willst du kurz erzählen, wie es zur Zusammenarbeit mit Stephan kam und wieso ihr ihn bewusst für diesen Song haben wolltet?

Tommi: Wir waren ja im letzten Jahr mit Stephan bereits gemeinsam auf Tour. Seitdem sind wir ab und an mal im Kontakt und wir haben die Platte ja auch im Studio23 aufgenommen. Da ist man sich während der Aufnahmen auch mal über den Weg gelaufen und ich möchte meinen es hat sich inzwischen eine Freundschaft zwischen ihm und uns entwickelt. Wir verstehen uns jedenfalls sehr gut, hehe. Als wir den Song geschrieben haben, haben wir zuerst gar nicht daran gedacht ihn zu fragen. Eigentlich war der Plan gewesen, eine Platte ohne Gastsänger einzuspielen. Aber als der Text stand hatte ich Michael Mainx und auch die Jungs gefragt, was sie denn von der Idee halten würden das wir Stephan fragen bei dem Song mitzusingen. Alle haben gesagt klar coole Idee und das Ergebnis kennst Du ja. Wieso wir gerade ihn bei dem Song dabei haben wollten, liegt klar auf der Hand. Gerade er hat was das Thema betrifft in der Vergangenheit viel Einsatz gezeigt und Aufklärungsarbeit geleistet. Er steht als Person für das was wir mit dem Song ausdrücken wollten. Courage zeigen, nicht wegsehen. Gemeinsam ein Zeichen setzen, gegen Rassismus und Gewalt. Und ihm hören die Leute zu, ob sie wollen oder nicht. Es ist nicht so das uns sonst niemand zuhören würde, aber mit einer Person wie Stephan erreichst Du natürlich viel mehr Leute. Und je mehr Leute auf diese Problematik um die es in dem Song geht aufmerksam gemacht werden können, desto besser ist es doch. 

4.) Habt ihr mit solch einer Aufruhr unter euren Fans gerechnet?

Tommi: Das der Song nicht jedem schmeckt und es nicht nur positive Kommentare regnen wird, wussten wir im Vorfeld. Manche Kommentare oder E-Mails waren dann aber doch schon manchmal unter der Gürtellinie. Wenn jemand mit Stephan oder mit dem Song nicht klar kommt, dann ist es ein Ding. Wenn man dann aber beleidigend wird, da hört es dann irgendwann auf. Da haben wir dann auch kein Verständnis mehr für. Auch haben einige Leute nach Veröffentlichung des Songs ihr wahres Gesicht gezeigt mit Kommentaren wie zum Beispiel „Ihr wart mal geil, aber jetzt seid Ihr für mich gestorben“. Na endlich! Solche Leute wollten wir auch nie in unserem Publikum haben und traurig noch dazu, das solche Leute überhaupt unsere Musik hören bzw. gehört haben. Den Song hätten wir meiner Meinung nach viel früher schreiben müssen. Oder wenn ich da Kommentare gelesen habe wie „Das ist doch gar nicht mehr aktuell“ oder „Wo lebt Ihr denn / 22 Jahre zu spät“ , da bekomme ich das kotzen. Ich wohne in Berlin-Marzahn seit Ewigkeiten und ich bekomme sehr wohl mit, was hier vor meiner Haustür oder Umgebung passiert. Und das Problem gibt es nicht nur in Berlin-Marzahn oder Hellersdorf, sondern überall. Man muss nur mal die Augen richtig auf machen. Oder guck Dir die Scheiße in Dresden an was da derzeit abgeht, da soll nochmal einer sagen dieses Thema ist nicht aktuell?

5.) Ihr habt ja nicht nur den W auf seiner Tour dieses Jahr als Support-Act begleitet sondern auch die werten Broilers. Wie waren diese Shows für euch? Gibt es einen Unterschied zur Fancrowd? Wie würdest du beide Erfahrungen im Nachhinein beschreiben?

Tommi: Die W-Tour im Sommer diesen Jahres war großartig. Wir und die ganze W-Band/Crew Belegung kannten uns ja schon von der letzten Tour und die Shows waren wirklich durchwegs alle top, wie auch die Stimmung unter allen Beteiligten. Von uns aus hätte das ganze ruhig noch etwas länger gehen können. Auch die ganze Crew um Michael Mainx, Peter Falke usw. sind einfach echt coole Typen. Das läuft da alles so easy und professionell ab, da kann man gar keine schlechte Laune bekommen. Da hat man einfach richtig Bock auf die Show, jeden Abend. Bei den Broilers ist das eigentlich ähnlich, wir kennen uns ja nun auch schon sehr lange und sind sehr gut befreundet. Auch da hat man hat nicht das Gefühl irgendwie nur Vorband XYZ zu sein. Auf der W-Tour waren wir ja in Clubs unterwegs und bei der Broilers Show in Dresden standen wir plötzlich Open Air auf ner Bühne vor 10.000 Leuten. Das war schon ne dicke Nummer und hat echt Spaß gemacht. Leider war es aber auch nur die eine Show mit den Düsseldorfern, dafür war die Aftershow Party aber ziemlich intensiv danach, haha. Was die Fancrowd betrifft, gibt es eigentlich gar nicht so große Unterschiede bei beiden Bands. Ich habe viele beim W gesehen im Publikum, die sehe ich auch bei den Broilers in der ersten Reihe stehen oder andersrum. Bei den Broilers ist das Publikum vielleicht hier und da etwas jünger, aber ansonsten nimmt sich das nicht viel. Was beide Fanlager auf jeden Fall sehr gut drauf haben ist Stimmung machen und das macht dann auch dementsprechend Spaß auf der Bühne.

6.) Im Herbst stand ja dann auch endlich eure eigene „Friss“-Headline-Tour an. Wie war die Resonanz der Fans auf die neuen Songs? Gab es bestimmte Perlen, die live besonders zündeten?

Tommi: Die Resonanz war erstaunlich gut auf die neuen Stücke, damit hatten wir noch gar nicht so gerechnet. Wir hatten immerhin acht Songs von der neuen Scheibe im Set und das obwohl die Platte gerade mal eine Woche veröffentlicht war als die Tour losging. Das hätte auch böse nach hinten losgehen können, ist es aber nicht. Man kennt das ja sonst normalerweise so, bei neuen Stücken hören die Leute einfach nur zu und wippen vielleicht mal mit dem Fuß. Aber das war halt nicht so, was uns natürlich gefreut hat. Klar sind auch immer Leute dabei die eher auf die älteren Nummern fixiert sind und das ist auch vollkommen ok für uns. Aber auch die müssen den neuen Songs mal ne Chance geben, wir bleiben ja nun mal auch nicht stehen. Welche neuen Stücke live besonders zünden kann man jetzt noch nicht zu 100 Prozent sagen, das ist ja alles gerade am Anfang. Das wird sich noch raus kristallisieren mit der Zeit. Aber zwei, drei Dinger sind da schon dabei gewesen wo wir gemerkt haben, wow da geht was.

7.) Ende Dezember erwartet euch noch euer großes Heimspiel im Berliner Huxleys. Was bedeutet dieser Jahresabschluss für dich?

Tommi: Was soll ich groß dazu sagen, das ist halt Berlin. Da kommen wir her und diese Show ist für uns alle jedes Jahr aufs neue etwas ganz besonderes. Unsere Familien sind vor Ort, unsere engsten Freunde, Fans kommen von überall angereist für diese Show, es ist einfach wie ein großes Familientreffen was einmal im Jahr stattfindet. Die ganze Planung dafür geht meistens schon Monate vor der Show los und wir organisieren das ganze Ding komplett im Alleingang zusammen mit unserer Crew. Von der ersten Lampe auf der Bühne, bis zum letzten Mann am Einlass. Das kann zwar manchmal ziemlich nervend aufreibend sein, aber wenn am Ende die Leute zufrieden nach Hause gehen dann haben wir alles richtig gemacht. Ich kann das schlecht in Worten beschreiben, da muss man einfach mal dabei gewesen sein. 

8.) Mal angenommen ihr dürftet mit zwei weiteren Bands auf große Deutschland-Tour gehen, welche Künstler hättet ihr gerne mit an Bord?

Tommi: Ich würde die Frage eher umdrehen wollen, also bei wem wir gerne mal an Board sein würden. Da fallen mir spontan Motörhead ein, da hätten wir voll Bock drauf. Rose Tattoo stand auch schon immer auf unserer Wunschliste, aber ich glaube das ist beides leider wohl eher unrealistisch. 

09.) Bislang gibt es noch keine Live Veröffentlichungen von euch. Habt Ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt, ein Live Album oder eine DVD zu veröffentlichen?

Tommi: Da haben wir schon ziemlich oft drüber nachgedacht und sogar auch schon ein paar Sachen über die Jahre mitgeschnitten. Aber irgendwie waren wir nie so richtig zufrieden. Irgendwann haben wir uns dann gesagt wenn wir eine DVD machen, dann machen wir die entweder richtig oder gar nicht. Das muss dann schon ein richtig dickes Ding sein und nicht einfach nur irgendeine Aufnahme von einer beliebigen Show. Also wenn wir so eine Produktion raus hauen sollten, dann sicher nicht vor 2016.

10.) In der in den letzten zehn Jahren entstandenen „Deutschrock“-Szene haben viele Bands einen etwas zweifelhaften Ruf. Stichwort „Grauzonen-Bands“. Auch musikalisch und textlich gibt es hier oft wenig Innovatives. Wie steht Ihr zu dieser Szene bzw. gibt es eine Szene, der Ihr Euch zugehörig fühlt?

Tommi: Wir kommen alle ursprünglich aus der Punk/Oi, Hardcore Szene. Das sind unsere Wurzeln und da fühlen wir uns auch heute noch wohl. Auf diesen ganzen Grauzonen Mist haben wir keinen Bock. Entweder hat man einen klaren Standpunkt, oder nicht. Es gibt ja auch Bands da draußen die ganz bewusst mit diesem Thema spielen, die finden das halt lustig damit zu provozieren. Allerdings brauchen die sich dann auch nicht wundern, wenn dann plötzlich ein Haufen Idioten in ihrem Publikum steht oder es Leute gibt, die keinen Bock auf sie haben. Es ist ja auch so das man uns die ganzen Jahre vorgeworfen hat, wir wären rechtsoffen und was weiß ich alles. Was natürlich Bullshit ist, wenn man sich mal etwas mehr mit uns befasst oder einige Interviews in der Vergangenheit gelesen hätte. Was jetzt diese allgemeine Deutschrock Szene betrifft, da gibt es Bands die machen ihre Sache vielleicht gar nicht mal so schlecht, andere sind ziemlich unterirdisch. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir ist das alles irgendwie zu aufgeblasen.

11.) Was kann man im Jahr 2015 von Euch erwarten? Schon irgendwelche musikalischen Pläne? 

Tommi: Wir werden uns ab Januar 2015 verstärkt wieder mit dem Songwriting beschäftigen, da unser eigentlicher Plan ist im Spätsommer / Herbst wieder ins Studio zu gehen für ein neues Album. Dann wollen wir noch ein paar ausgewählte „Friss!“ Shows spielen im Frühjahr in Städten wo wir noch nicht waren mit der aktuellen Platte, sowie haben wir Russland und Spanien auf dem Zettel für ein paar Shows. Ja und natürlich „Grüne Hölle“, Rockavaria und noch zwei, drei andere Festivals im Sommer. Mal sehen was noch so reinkommt in der nächsten Zeit. Also es wird uns auf jeden Fall nicht langweilig werden denke ich, hehe.

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