Der W – „IV“ – Mindfuck Society Track Attack – Part III

März 18th, 2016 | By Redaktion

mfswiv..und der letzte Teil unserer Track Attack. Wir haben die Lieder “ Welt ohne Farben“, „Vorhaut, Kopftuch, Kruzifix“, „Der Schmerz verlangt gespürt zu werden“ und „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ auf Herz und Nieren geprüft.

09.Welt ohne Farben

Sarah: Ich bin ja Dirk-Fan. Eine coole Socke und zurecht am kreativen Schaffensprozess von W IV beteiligt. Da hat Stephan schon ein geniales Mastermind neben sich gefunden. Umso cooler ist, dass sich Dirk nun endlich seinen eigenen Song im Repertoire verdient hat. Darauf haben wir fast schon zu lange gewartet, oder? Eine Hommage an all die notorischen Schlechtdenker, Schwarzseher und Selbstbemitleider dieser Zeit.

Tobias: Da wird der Protagonist zum Nebendarsteller oder „Dirk Czuya feat. Stephan Weidner“. Harte Gitarrenriffs, gefolgt von einem positiven Schock. Das kann nicht Stephan sein?! – Worauf das hinaus läuft sollte spätestens jetzt klar sein. Cool! Erfrischend! Neuland! Ich erwische mich grinsend den Song zu benicken weil es einfach sowas komplett Neues ist. Textlich dreht sich der Song um Menschen die wir alle kennen. Den Einen oder die Eine, die einfach niemals glücklich sein werden, weil sie sich in ihrem Klagen verrennen. Der Schlag von Menschen bei denen es immer etwas schlimmer und schlechter ist. Nervt! Der Song ist aber auf jeden Fall eine Perle!

Jan: Nein, tatsächlich nicht verhört. Da singt wirklich Dirk die Strophen, bevor dann  im Refrain Stephan mit einsteigt. Ungewohnt, aber gut. Feines Duett vom dynamischen Duo. Richtet sich textlich an  permanente Dauernörgler, die selbst nicht bereit sind irgendetwas zu riskieren, um ihr Leben zu verändern und mit etwas Farbe zu füllen.

10.Vorhaut, Kopftuch, Kruzifix

Tobias: Musikalisch ist VKK ein echtes Brett und hämmert nur so drauf los. Gesangstechnisch finde ich es ziemlich schwer zugänglich – da wirkt es für mich Anfangs etwas sperrig. Es brauchte ein paar Durchläufe bis es bei mir endlich gezündet hat. Ansonsten eine sehr W-typische Art ein solch düsteres Thema anzugehen. Haltet euch an den gesunden Menschenverstand und weniger an fragwürdige Auslegungen von Religionen.

Kevin: Intro mit Geräuschen aus einer Kriegsszene, danach setzen Kirchentöne ein.  Anschließend tiefe, groovende Gitarren, vermutlich das düsterste und metallastischste was bisher als DER W veröffentlicht wurde. Der Song handelt, keine Überraschung vom extremen Glauben. Töten und beten für die Gunst des Propheten. Schwere dunkle Kost, aber äußerst hörenswert.

Jan: Das Intro steigt ein mit Sirenengeheule, einem Hubschrauber, marschierenden Soldaten, Schüssen, Bombenticken und einem Hallelujah-Gesang, in den dann brachial der Gitarreneinsatz hineinkracht. Thematisiert den Missbrauch von Glauben und Religionen zur Rechtfertigung von Gewalt und Kriegen. „Sie töten und beten für die Gunst des Propheten. In Gottes Namen, habt Erbarmen“.

Sarah: Sirenen, durchgezogene Maschinengewehre gepaart mit mahnendem Kirchengesang dirigieren das Intro, bis die knallharten Gitarrenriffs und Bässe einsteigen. Wir leben in einer Zeit in der Truppen wie ISIS Angst und Schrecken und zugleich eine enorme Anziehungskraft ausstrahlen. Wie tückisch kann ein vermeintlicher Glaube sein, der das eigene Hirn manipuliert? Und ich frage mich: Wie konnte es eigentlich soweit kommen? Der Track ist düster, wie die Realität.

11.Der Schmerz verlangt gespürt zu werden

Jan: Nach einem tiefen basslastigen Intro offenbart sich ein Song, der weitaus weniger finster klingt als sein Text. Beschreibt die dunkelsten, schwermütigsten Momente des Lebens, denen man sich von Zeit zu Zeit stellen muss, um gestärkt und gereinigt aus ihnen hervorzugehen. „Manische Gedanken,  hinter Mauern der Ironie, die Ermordung einer schönen Theorie“.

Sarah: Der Titel sprach mich im Vorfeld am meisten an und ich war ziemlich gespannt, was sich dahinter wohl verbergen würde: Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich ist nie angenehm. Die größten Enttäuschungen bereitet man sich mit seinen eigenen Erwartungen. Eine dunkle, zähe Nummer die einen in die Selbstoffenbarung treibt. Du musst aushalten dich selbst im Spiegel zu betrachten.

Tobias: Vorweg: Ich liebe es wenn ein Song mit einem schön tiefen Basspart beginnt.
Textlich nicht ganz einfach zu durchschauen aber definitiv mit hohem Interpretationsfaktor. Der Schmerz verlangt gespürt zu werden. Der Fall in Sentimentalität ist ausgeschlossen und kann nur durch Schmerz aufgefangen werden. Sich selbst zu hinterfragen ist schwer und schmerzt. Nutzen wir den Schmerz um uns aufzurichten und an uns zu arbeiten. Egal in welcher Situation und zu welchem Zweck.

12. Wie wirklich ist die Wirklichkeit

Tobias: Woher wissen wir was echt ist? Gefühle, dass Sein, alles was wir sind? Gibt es einen Weg da raus? Ein anderes Ich, eine andere Sicht aller Dinge? Kann ich mehr erreichen, mehr sein als ich es jetzt bin oder mir gar zutraue? Mit der unbeschreiblich einzigartigen tiefen Stimme des W werden wir, untermalt durch hallende Gitarren, durch einen düsteren surrealen Traum geführt. Ein schwereloser Zustand den man in den Strophen fühlt, während der Refrain einen textlich wie musikalisch gegen die Wand schlägt und man versucht ist, seine Mauern zu durchbrechen um über den Tellerrand des Jetzt hinaus zu blicken und uns dem Morgen und unserem Gefühl hinzugeben.

Sarah: Ein typischer letzter Track auf einem W-Album. Hier wird noch mal vollends aus der weidner’schen Lyrikader geschöpft. Schwer getragene Gedanken und die Frage aller Fragen: „Ist es wahr, dass es die Wahrheit gar nicht gibt? Nichts Bestand hat und alles fließt?“ Teilweise erinnert mich der erste Teil an „Der Hafen“, bevor die Gitarren den deutlich härteren Part einleiten. Weidner taucht hier abschließend noch mal ziemlich tief und lässt mit den letzten verklingenden Noten, ein beklemmendes Gefühl zurück. Darauf ein Bier im Hier und Jetzt.

Jan: Wie Justitia eine Halbballade, die im Refrain und im Schlussteil einen Gang zulegt. So herrlich tief und dunkel wie in den Strophen klang des W‘s Stimme selten. Unbedingt mal auf Kopfhörern zur Geltung kommen lassen! Schön tiefgründiger Text mit vielen philosophischen Ansätzen. Schmunzeln musste ich, dass hier der metaphorische Gott im Song das Bier holt, während er auf dem Vorgängeralbum in „Vergissmeindoch“ noch weinend im Bett lag.

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