CD Review: Auf die Plätze, fertig, los! – Daniel Wirtz

Juni 9th, 2015 | By Jan

CD Review: Auf die Plätze, fertig, los! – Daniel Wirtz

 

Wirtz CoverVon vielen, und dabei schließe ich mich selbst definitiv mit ein, schon mit großer Vorfreude und Spannung erwartet, steht das neue Wirtz Album in den Startlöchern und wartet auf seinen Startschuss am 19.06.2015, um auf Euch losgelassen zu werden. Alles steht auf „Go!“ im Hause Wirtz und in nicht einmal zwei Wochen werden 12 neue Songs unter dem passenden Titel „Auf die Plätze, fertig, los!“ ins Rennen geschickt. Hiermit erscheinen die ersten komplett neuen Wirtz-Songs seit dem 2011er Vorgängeralbum „Akustik Voodoo“. Dabei war Daniel auch in den vier vergangenen Jahren alles andere als untätig und legte ein grandioses Unplugged Album inkl. nachfolgender Tour und Live-CD/DVD vor. Hier konnten seine bisherigen Songs in stillerem Gewand in ganz neuem Licht erstrahlen. Doch nach diesem musikalisch eindrucksvoll geglückten Ausflug in die besinnlichen Klänge von klassischen Instrumenten und in Konzerte mit andächtigem Lauschen in bestuhlten Sälen, ist nun für Daniel die Zeit gekommen, um zu seinen Wurzeln zurückzukehren und wieder mit lauten Stromgitarren diesen großartigen, dreckigen Krach namens Rock `n Roll in die Clubs des Landes zu tragen und dort den Schweiß seines Publikums an die Hallendecken zu rocken.

Wir hatten die Ehre und das Vergnügen, uns vorab einen Eindruck davon machen zu dürfen, was der „Artist, der primatversichert ist“ für neue musikalische und lyrische Perlen am Start hat. Im Songtext des Openers wird schonmal versprochen: „Das Material gewohnt grandios, mit Gütesiegelgarantie für die Galerie“.

Bei besagtem Opener handelt es sich um den bereits bekannten Titelsong „Auf die Plätze, fertig, los!“ (https://www.youtube.com/watch?v=Gk5wtThbHf0). Ein gute Laune Song, der entspannt beginnt und im weiteren Verlauf dann durchstartet und das Tempo anzieht. Ich muss zugeben, dass ich anfangs ein paar Anläufe gebraucht habe, um mit diesem Song warm zu werden. War man doch bisher einfach eine ganze Portion mehr Schwermut von Daniel gewöhnt und reine Partytexte waren selten bis gar nicht auf seinen Werken vertreten. Doch hier zeigt sich: Daniel kann eindeutig auch fröhlich. Mittlerweile gefällt mir der Song richtig gut, hat sich hartnäckig im Gehörgang verankert und ich bin mir sicher, dass er auf den kommenden Konzerten seinen Zweck als Opener mit Bravour erfüllen wird.

Wer nach diesem Einstieg jetzt erstmal besorgt sein sollte, dass der wirtz‘sche Tiefgang eventuell an Tiefenmetern verloren haben könnte, wird direkt durch den zweiten Song versöhnlich gestimmt. Das ruhiger gehaltene, sehr melodiöse „Mantra“ stellt für mich das Highlight der Platte dar und ich würde diesen Song sogar jetzt schon als einen meiner liebsten Wirtz-Songs überhaupt bezeichnen. Nie die Hoffnung verlieren, immer weitermachen und sein Leben selbst in die Hand nehmen, anstatt sich auf Zufall oder Schicksal zu verlassen. Lieblingszeile: „Das ist … meine letzte Instanz, die niemals vergisst, dass es wenn‘s noch nicht gut ist, auch noch nicht zuende ist.“ Bislang konnte ich mir bei keinem Durchlauf des Albums verkneifen, den Song ein zweites oder drittes Mal hintereinander zu hören. Und jedes Mal reißt er mich aufs Neue mit und lässt mich breit grinsen.

Weiter geht es mit „Regentropfen“, einer schnellen Rocknummer mit stampfendem Bass, deren Refrain auf zukünftigen Liveshows definitiv gewaltig einschlagen wird. Man sieht beim Hören einfach sofort eine springende Menge vor sich. „Wir steigen auf, alles leuchtet in Rot. Der Himmel brennt und alle Götter sind tot. Hart am Wind, bis zum jüngsten Gericht. Wir fliegen auf Sicht.“ Wort und Klang sind hier gleichermaßen energiegeladen. Textlich eine Ode an die Individualität eines jeden Einzelnen. Jeder Mensch kann metaphorisch die Art und Form von (Regen-)Tropfen sein, die er selbst aus sich macht. Witzig im Tropfen-Kontext kommt die Textzeile: „Bist Du einer von denen, die aus Versehen manchmal auch in die Hose gehen?“. Klasse Song und nach „Mantra“ meine Nummer Zwei auf dem Album. Allerdings Kopf an Kopf mit einem anderen Lied, zu dem ich später noch komme.

Der nächste Track, „Du fährst im Dunkeln“, hätte für mich vom Sound her (besonders wenn man ihn sich mit englischsprachigem Text vorstellt) genauso ein „Sub7even“ Song (Daniels frühere Band von 1999 bis 2007) sein können. Thematisch eine schallende, wachrüttelnde Ohrfeige für eine nahestehende Person, die im Leben den falschen Weg eingeschlagen hat. „Du ziehst die Lines, anstatt der Lehre. Du hängst am Glas, Du kannst es nicht lassen und Du bist nicht mehr zu fassen.“

„Aus Versehen“ rechnet mit einem Menschen aus der eigenen Vergangenheit ab, der einem einmal sehr viel bedeutet, aber einen dann schwer enttäuscht hat. Eigentlich hat man diese Zeit fast verdrängt, aber „…wenn ich aus Versehen an Dich denke, dann kommt’s mir direkt wieder hoch. Dann seh ich nicht klar, dann seh ich rot.“ Im Refrain entlädt sich kraftvoll die Wut und Enttäuschung, die sich in den Textzeilen der ruhigeren Strophen aufgebaut hat. Unterstrichen wird der Refrain von einem Techno-Synthesizer Sound, der inmitten des sonst so erdigen Sounds von Wirtz zunächst etwas fremd klingt. Nach und nach fügt sich dieses Element aber ins Gesamtbild des Songs ein und gehört irgendwann einfach dazu.

„Wir“ kommt ebenfalls experimentell mit einem funkigen 70’s Groove daher und erzählt von Streifzügen durch dunkle Nächte. Vermutlich bezogen auf Daniel und Band auf Tour, denn im Großen und Ganzen greift der Song immer wieder diese ganz besondere Atmosphäre und Energie auf, die zwischen einer Band und ihrem Publikum auf Konzerten entstehen kann. Zeilen wie „Wir zählen Lichter, schauen in Gesichter. Wir werfen Blicke aus leeren Augen – weit in glitzernde Dunkelheit.“ oder „Wir bleiben hier, wir treiben auf dem Lichtermeer. Wir bleiben hier, die Wogen toben hin und her“ klingen nach magischen Konzertmomenten.

„Viel Glück“ ist textlich im Grunde das Gegenteil von „Aus Versehen“. Ist letzteres eher die enttäuschte Abrechnung nach einer Trennung, so wird in „Viel Glück“ versöhnlich Frieden gemacht. Ein sehr trauriger und bewegender, aber auch sehr hoffnungsvoller Song über den Abschied von einem geliebten Menschen, den man gefunden und wieder verloren hat. Viel Herzschmerz, aber ohne negative Gefühle dem Anderen gegenüber. Man weiß die gemeinsam erlebte Zeit zu schätzen und wünscht einander alles Glück der Welt fürs weitere Leben. Ebenso könnte es sich im Text um letzte, loslassende Worte an einen sterbenden Menschen handeln, die man ihm mit auf seine Reise ins Ungewisse gibt. Aber an manchen Songtexten ist es ja eben genau das Besondere, dass sich jeder Hörer die Bedeutung daraus ziehen kann, die für ihn selbst am besten passt.

In „Freitag Abend“ war mir anfangs, wie auch beim Opener, etwas zu viel Party für einen Wirtz Song. Dennoch habe ich mich irgendwann immer wieder beim Mitwippen erwischt und feiere den Song inzwischen z.B. sehr beim Autofahren an einem sonnigen Tag. Es muss ja auch nicht immer alles bierernst sein. Gerade auf den Konzerten sind wir doch zum Feiern und nicht zum traurig Gucken, oder? Da machen solche Songs absolut Sinn und Spaß. Trotzdem bleibt diese Nummer für mich aber die schwächste auf dem Album. Keine Sorge, nur Jammern auf hohem Niveau.

Der nachfolgende Song „Ich weiß es nicht“ bleibt gleich beim Thema Party, allerdings eher bezogen auf eine Schattenseite – einen Totalabsturz mit völligem Filmriss. Ein Augenzwinkern lässt sich allerdings im Text nicht verleugnen. Jedenfalls ein feiner, schneller Punkrocksong mit sehr livetauglichem Mittelteil zum Mitsingen und Mitklatschen.

„Wenn Du Willst“ ist dann ein weiterer gute Laune Track, der, um meine Top 3 des Albums zu komplettieren, eigentlich erstmal mit „Regentropfen“ vor die Tür gehen müsste, um Platz Zwei meiner Favoriten zu ermitteln. In diesem nicht abzuschüttelnden Ohrwurm zeigt sich Daniel von einer sehr humorvollen Seite. Im Text sind eine ganze Reihe lustiger Zeilen enthalten, die mich echt zum Schmunzeln gebracht haben. Ein Song darüber, was für bekloppte Dinge man manchmal aus Liebe tut und welche Kraft einem dieses Gefühl verleihen kann.

„Sehnsucht“ lässt es dann wieder etwas ruhiger und tiefgründiger angehen. Ein Song über die Sehnsucht ganz allgemein, ohne einen konkreten Bezug. Ob es nun die Sehnsucht nach einem lieben Menschen, nach einem fernen Ort oder nach einem bestimmten Gefühl ist: „Sehnsucht geht nie ganz“. So tickt der Mensch wohl einfach. Doch sind Sehnsüchte nicht auch unser Antrieb und unsere Motivation zum Leben?

Den Abschluss des Albums bildet „Das nächste Mal“, eine stimmungsvolle Ballade über den Umgang mit Niederlagen und Krisen. Sich nicht unterkriegen lassen, wieder aufstehen, den Dreck abklopfen und weitermachen. Und so lässt einen Daniel mit optimistischen Worten zurück, während die letzten Töne des Albums verklingen: „Es gibt immer ein nächstes Mal und morgen wissen wir wie’s geht. Das ist nun mal der Vorteil daran, dass die Welt sich im Kreise dreht. Wir ließen ein paar Federn – klar – dumm gelaufen, scheißegal. Wir stecken es weg und warten auf das nächste Mal.“

Fazit:

„Auf die Plätze, fertig, los!“ ist insgesamt um einiges beschwingter, lebensbejahender, fröhlicher und weniger düster und melancholisch als die bisherigen Wirtz-Alben. Das könnte langjährige Wirtz-Hörer erstmal irritieren (Oder vielleicht hat man ganz im Gegenteil genau diese Seite bisher vermisst?), aber stellt auf jeden Fall einen Zugewinn für das Wirtz-Gesamtwerk dar. Dieses ist nämlich hiermit ganz klar um einige Facetten reicher geworden, ohne die früheren, die mich für diesen Künstler begeistert haben, dabei zu verlieren. Vielleicht ist diese neue Leichtigkeit eine musikalische Weiterentwicklung, vielleicht ist es auch einfach eine Art Seelenspiegel von Daniel Wirtz, der sich als Familienvater angekommen fühlt und eine gewisse Zufrieden- und Gelassenheit gefunden hat.

Neue Hörer werden die Platte wahrscheinlich sowieso auf Anhieb mögen. Fans die länger dabei sind, könnten, wie gesagt, vielleicht einige Durchläufe brauchen. Mir ging es so, aber ich kann Euch nur empfehlen: Hört rein, und hört intensiv rein, denn es lohnt sich wirklich, sich auf dieses Teil einzulassen. Klar, das Album ist etwas anders als die Vorgänger, aber dabei gewohnt großartig und macht mit jedem Hören mehr Spaß. Mich hat es auf jeden Fall erreicht und es läuft seit Tagen rauf und runter. Natürlich immer mit Extrarunde „Mantra“versteht sich.

Und wer zuerst vielleicht etwas skeptisch bzgl. Daniels Teilnahme an der TV-Show „Sing meinen Song“ war, den kann Daniel sehr wahrscheinlich mit seinem neuen Sound genauso eines Besseren belehren, wie mit seinen Auftritten in der Show. Denn, mal ehrlich, wie gekonnt Daniel diversen Radio-Pop-Songs aktuell Woche für Woche mit seiner geheimen Ge„Wirtz“Mischung nachträglich die fehlende Schärfe verpasst, macht ihm so leicht keiner nach. Und dabei kommt der Typ nicht nur talentiert, sondern einfach auch noch äußerst sympathisch und authentisch rüber.

Zum Abschluss bleibt nur zu sagen: Egal ob alte oder neue Fans, habt einfach Spaß mit diesem schönen Stück Musik! 2015 verspricht das Jahr von Daniel Wirtz zu werden. Nachdem er im Januar mit seinem Unplugged Live-Release ins Jahr gestartet ist und sich aktuell bei „Sing meinen Song“ einem völlig neuen Publikum zeigt, wird sein neues Werk sicher verdient einschlagen und spätestens im Spätsommer/Herbst auf großer Clubtour sein volles Potenzial entfalten. Denn wenn die „Gütesiegelgarantie für die Galerie“ auf eines sicher gegeben werden kann, dann darauf, dass die neuen Songs live rocken werden wie Sau!

 

Tracklist:

  1. Auf die Plätze, fertig, los! (https://www.youtube.com/watch?v=Gk5wtThbHf0)
  2. Mantra
  3. Regentropfen
  4. Du fährst im Dunkeln
  5. Aus Versehen
  6. Wir
  7. Viel Glück
  8. Freitag Abend
  9. Ich weiss es nicht
  10. Wenn du willst
  11. Sehnsucht
  12. Das nächste Mal

 

Release: 19.06.2015

Spieldauer: 49:16 Min.

Label: Wirtz Musik (Tonpool)

Homepage: www.wirtzmusik.de

 

Tourdaten:

01.09.2015 Dortmund | FZW
02.09.2015 Krefeld | KuFa
04.09.2015 Hannover | Capitol
05.09.2015 Bielefeld | Ringlokschuppen/klein
06.09.2015 Hamburg | Docks
08.09.2015 Flensburg | Roxy
09.09.2015 Kiel | Die Pumpe
11.09.2015 Bremen | Aladin
12.09.2015 Osnabrück | Rosenhof
13.09.2015 Dresden | Alter Schlachthof
15.09.2015 Magdeburg | Factory
16.09.2015 Rostock | Mau Club
18.09.2015 Berlin | Huxleys
19.09.2015 München | Muffathalle
20.09.2015 Stuttgart | LKA
22.09.2015 Nürnberg | Hirsch
23.09.2015 Würzburg | Posthalle
25.09.2015 Augsburg | Kantine
26.09.2015 Ulm | Roxy
27.09.2015 Mannheim | Capitol
29.09.2015 Frankfurt | Batschkapp
02.10.2015 Kaiserslautern | Kammgarn
03.10.2015 Karlsruhe | Tollhaus
04.10.2015 Köln | E-Werk

2 Responses to “CD Review: Auf die Plätze, fertig, los! – Daniel Wirtz”

  1. Katta sagt:

    Da schau ich mal wieder TV und sehe Herrn Wirtz auf Vox und bekomm direkt wieder Lust drauf. Da freu ich mich doch aufs neue Album 🙂

  2. Sarah sagt:

    Ja, das ist schon ganz witzig den Daniel auf VOX jetzt zu sehen, was? 😉

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