CD Review: Verlorene Jungs – Verlorene Jungs

April 9th, 2015 | By Jan

CD Review: Verlorene Jungs – Verlorene Jungs

Fast hätte man annehmen können, die „Verlorenen Jungs“ hätten ihren Namen zu wörtlich genommen und wären verloren gegangen. Sechs Jahre war Funkstille bei der Band aus Düsseldorf / dem Ruhrgebiet. Nun aber melden sie sich mit dem selbstbetitelten Longplayer „Verlorene Jungs“ wieder zurück.

1996 als unpolitische Oi-Skinband gegründet, gelang es den Jungs, sich in der Szene einen gewissen Kultstatus zu erspielen. Im Jahre 2007 erfolgte dann nach dem Ausstieg des früheren Sängers Peter „Zoni“ Niemann eine komplette Reformierung der Band. Mit neuem Sänger und musikalischem Mastermind Adrian „Schwefel“ Gnyp, der vorher bereits einige Jahre als Gitarrist mit an Bord war, erschien dann 2009 das achte und bisher letzte Album „Runde 8“. Lt. eigener Aussage der Band steht jetzt mit dem neuen Album noch einmal alles auf Neuanfang. Und so wurde in kompletter Eigenregie und unter dem neuen, eigenen Label „Schema F Records“ die kommende Platte in der Homebase Düsseldorf produziert. Wir haben uns für Euch einen Eindruck davon gemacht, ob wie bei unseren diversen Favorites aus Düsseldorf, den „Hosen“, den „Broilers“, „Massendefekt“ oder den „Rogers“, auch hier die Stadt am Rhein das Geheimrezept für guten Punkrock ist. Dieses merkwürdige Altbier wird es ja wohl nicht sein…

Gleich der Opener „Wahn und Lüge“ (https://www.youtube.com/watch?v=N9cW7kikB6w&feature=youtu.be) prescht nach einem langsamen und düster klingenden Gitarrenintro in klassischem Punkrockgewand mit einer Ladung Gesellschaftskritik nach vorne. Auch die zweite Nummer „Leben auf Zeit“ schlägt musikalisch in dieselbe Kerbe und beschäftigt sich thematisch mit der Vergänglichkeit des Lebens. Auch bei Songs wie „Komm wir feiern“, 48 Stunden“ (https://www.youtube.com/watch?v=43houeE6naQ), „Wenn Du Dir alles nimmst“, „Niemand sagt Dir es wird leicht“ oder „Du fragst mich“ wird klar, dass man es hier mit einer soliden und melodiösen Punkrockscheibe zu tun hat. Dabei finden sich jedoch viele unterschiedliche Stilrichtungen in den Liedern wieder. In „Komm wir feiern“, dem absoluten Überohrwurm des Albums, klingt ein sehr tanzbarer Ska Offbeat durch, „Niemand sagt Dir es wird leicht“ hat etwas von kalifornischem Skatepunk, „Wieder Kinder sein“ ist im Grunde ein fröhlicher Popsong, „Du fragst mich“ hat einen englischsprachigen Mittelteil und mit „Menschenfresser“ findet man sogar eine Coverversion eines Rio Reiser Songs auf dem Album. Freunde von Balladen werden mit den beiden Songs „Monoton“ und „Die letzten sterbenden Herzen“ (https://www.youtube.com/watch?v=hLH5qZnr9Yk) bedient. Letzterer weiß mit seinem metalartigen Gitarrenintro und gelungenem Refrain durchaus zu überzeugen. Mit „Monoton“ wiederum tue ich mich als einzigem Song auf der Platte echt schwer. Hier ist leider der Name Programm (was evtl. sogar Absicht war) und das Lied will so gar nicht zum Rest der Platte passen. Etwas zu sehr „Tomte“- oder „Virginia Jetzt!“ Style für mich. Aber Geschmäcker sind ja verschieden. Gelungenes Finale des Albums ist dann die Szeneabrechnung und der Song zum Neuaufbruch „Neue Wege“ mit gesprochenen Strophen und sehr coolen Gitarrenparts.

Meine persönlichen Highlights und Anspieltipps sind auf jeden Fall der Ohrwurm „Komm wir feiern“ (https://www.youtube.com/watch?v=we-QUzOuvqg), die Ballade „Die letzten sterbenden Herzen“, der Gute-Laune-Motivationssong „Niemand sagt Dir es wird leicht“ und der schön finster klingende Song über Selbstreflektion „Der Typ im Spiegel“ mit einer an Metallica erinnernden Bassline.

Meiner Meinung nach ist der Neustart ist wirklich geglückt. Zwar gibt es weniger Oi!, dafür aber mehr lockeren Punkrock, sehr melodiöse Songs und viel Experimentierfreude. Fans der alten Sachen werden möglicherweise, wie bei so vielen Bands aus der Punkszene, Probleme mit der Veränderung haben, aber wer bereit ist sich darauf einzulassen oder gar völlig unvorbelastet reinhört, kann mit dieser Platte absolut Spaß haben. So wie ihn die Band lt. ihrer Homepage auch bei den Aufnahmen hatte, weil die Jungs einfach gemacht haben, worauf sie Bock hatten. Und das Ergebnis kann sich definitiv hören lassen. Unbedingt mal reinhören!

 

VJCover

 

Verlorene Jungs – Verlorene Jungs

1. Wahn und Lüge (https://www.youtube.com/watch?v=N9cW7kikB6w&feature=youtu.be )
2. Leben auf Zeit
3. Komm wir feiern (https://www.youtube.com/watch?v=we-QUzOuvqg)
4. Monoton
5. 48 Stunden (https://www.youtube.com/watch?v=43houeE6naQ )
6. Die letzten sterbenden Herzen   (https://www.youtube.com/watch?v=hLH5qZnr9Yk)
7. Wieder Kinder sein
8. Wenn Du Dir alles nimmst
9. Menschenfresser (Rio Reiser Cover)
10. Niemand sagt Dir es wird leicht
11. Du fragst mich
12. Der Typ im Spiegel
13. Neue Wege

 

Releasedatum: 10.04.2015

Spieldauer: 45:57 Min.

Label: Schema F Records

 

Homepage: www.verlorenejungs.com

 

 

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