Interview Donots (April 2015)

April 1st, 2015 | By Sarah

Zugegeben die Donots sind einige Jahre einfach an mir vorbei gegangen, sie haben mich schlichtweg nicht interessiert. Ich kannte nur sehr oberflächlich ihre Musik, hatte sie auch schon mal als Support-Act gesehen, aber mir fehlte einfach die Geduld mich wirklich mit ihrer Musik auseinanderzusetzen. Das änderte sich dieses Jahr schlagartig, als die Donots ihr erstes Album auf deutsch ankündigten. Der Stream lief bei mir auf und ab und ich feierte „Karacho“ dermaßen, so dass ich mich entschloss auch den englischsprachigen Songs eine Chance zu geben. Und hey, so schlecht finde ich sie gar nicht. Das war für uns Grund genug eine Interview-Anfrage zu starten und wir hatten Glück. Ingo-Donot stellte sich unseren Fragen, obwohl er Anfangs bedenken über „Mindfuck Society“ und die Verbindung zu den Böhsen Onkelz hatte. Unsere Meinungen mögen sicherlich zu diesem Thema stark auseinander gehen und unserer Standpunkt zu B.O. ist natürlich ein ganz anderer, auf Grund jahrelanger Verbundenheit. In einem Punkt sind wir uns aber mit den Donots einig: Nazis finden wir alle scheiße!
Und Mindfuck Society ist auch weiterhin keine Anlaufstelle für Fans aus dem braunen Lager.

Das Interview:

credits: Patrick Runte (KKT Press Kit)

credits: Patrick Runte (KKT Press Kit)

Mindfuck Society: Hallo Ingo, erst einmal noch verspäteten Glückwunsch zur Veröffentlichung von „Karacho“. Für uns ist die Platte jetzt schon eines der Top-Alben 2015, einfach weil sie enorm ins Ohr geht und nicht langweilig wird. Wie erlebst du die Reaktionen auf „Karacho“?

Ingo Donot: Hey, vielen lieben Dank für die Blumen! Das Album ist jetzt einen guten Monat draußen und wir kriegen täglich echt tolles Feedback von allen möglichen Seiten. Die Reviews waren fast ausnahmslos der Oberhammer und es scheint wirklich so, als hätten viele Leute darauf gewartet, dass wir auch mal ein deutsches Album rausbringen. Und jene, die skeptisch waren, scheinen wir aber auch irgendwie mit „Karacho“ abgeholt zu haben. Die Platte scheint ein echter Ohrenöffner für viele Leute gewesen zu sein. Das freut uns natürlich, wenn man sowas im 21sten Bandjahr sagen darf! Und ehrlich gesagt, hatten wir auch mit eine Menge mehr Gegenwind und Kritik gerechnet im Vorfeld…

Mindfuck Society: Hand aufs Herz, habt ihr euch schon Gedanken gemacht ob die nächste Platte auch auf deutsch erscheinen wird?

Ingo Donot: Wir haben dieser Tage „Karacho“ auch nochmal in Englisch aufgenommen für internationale Veröffentlichungen in Japan und Amerika. Das englische Texten macht mir, genau wie die deutschen Lyrics, weiterhin eine Menge Spaß, weshalb ich am liebsten von nun an immer zwei Alben aufnehmen würde. Das ist zwar doppelte Arbeit, macht aber auch doppelt stolz, wenn man die Texte zweisprachig geknackt bekommt.

Mindfuck Society: Was hat sich durch den Sprachwechsel beim Texten verändert? Spricht man in seiner Muttersprache andere Themen an, die man mit englischen Texten nicht tun würde?

Ingo Donot: Ich glaube, man erreicht die Leute hierzulande einfach direkter. Es gibt echt einige Stimmen, die uns rückkoppeln, dass sie zum ersten Mal wirklich total angesprochen werden von unseren Songs. Das scheint also wirklich an der Sprache an sich zu liegen, denn das Album klingt ja ansonsten nicht komplett nach einer anderen Band. Ich glaube, das Songwriting als solches ist auch ein wenig rauer und direkter geworden, aber besonders die Texte heben natürlich das Album aus der restlichen Donots Diskographie heraus. Mir war es extrem wichtig, dass man unsere Texte eben nicht falsch interpretieren oder positionieren kann. Ich wollte Lyrics, die Haltung und Richtung haben, weil es gesichtlose Zeilen zur Genüge in der Pop-Format-Radio-Landschaft gibt.

Mindfuck Society: Musst du dich jetzt für die Live-Konzerte noch intensiver vorbereiten? Textpatzer auf deutsch fallen ja nun mehr auf 😉

Ingo Donot: Ach, im Grunde ist das doch das allerbeste, wenn man sich verhaspelt oder Zeilen vergisst. Da muss man dann erfinderisch werden. Das finde ich immer großartig, wenn das bei Bands passiert. Traurig wird das erst, wenn die Band trotzdem den Text auf einem Teleprompter hat und den nicht mal mehr richtig lesen kann.

Mindfuck Society: In einigen Texten von „Karacho“ thematisiert ihr die brodelnde „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“ – Stimmung im Land. Wir sind uns wahrscheinlich einig darüber, dass dieses Denken ziemlich gefährlich ist und man dem entgegenwirken sollte. Seht ihr euch als Band in der Pflicht dagegen ein Zeichen zu setzen, da ihr einfach ein größeres Sprachrohr habt?

Ingo Donot: Ich sehe uns da ein wenig in der Tradition von Bands wie den Hosen oder den Ärzten, die damals für mich in früher Jugend Türen geöffnet und mir Themenbereiche näher gebracht haben, die Popmusik so nicht ansprechen wollte. Ich würde mich freuen, wenn wir eine der Bands für die Kids da draußen sein können, die zumindest grundsätzlich sensibilisiert für gewisse Themen. Deshalb schauen wir auch schon sehr genau darauf, wo wir wie stattfinden. Ich hab zum Beispiel keinen Bock darauf, bei Shows aufzutreten, wo diese komischen Grauzonen-Bands spielen oder die Veranstalter sich Deutschrock oder Deutschtümelei auf die Fahnen schreiben. Genauso sehr haben wir auch erst diskutiert, ob es Sinn macht, auf Eurer Seite stattzufinden, weil ihr ja zumindest früher auch ziemlich Onkelz-offen berichtet habt. Das ist eigentlich kein Umfeld, wo wir uns wohlfühlen, aber irgendwie ist es auch wichtig, in gewissen Medien aufzutauchen, wo sich wahrscheinlich auch Grauzonen-Publikum herumtreibt, und dort einen Gegenpol zu setzen. Das soll jetzt keine Ansauge sein, denn ihr macht ja schon auch sehr klar, dass Ihr Euch strikt von rechten Tendenzen abgrenzt, aber wir haben halt grundsätzlich nicht viel übrig für Heckscheibenaufkleber-Bands und deren Gestus, für Deutschtümelei, Stammtisch-Meyerei usw.

Mindfuck Society: Themawechsel: Wie sehr lebt ihr das Klischee „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“? Ist dieser Slogan ein weit verbreitetes Ammenmärchen oder hat er doch seine Berechtigung in der Branche?

Ingo Donot: Ach, wir sind als Westfalen im Glas und am Brett natürlich schon zuhause, klar. Aber dieser übertriebene Flatscreen-aus-dem-Hotelfenster-schmeißen-Gestus ist völlig bescheuert und Koksen etc. sollen auch mal lieber andere… Meistens sind es die Newcomer-Bands, die auf einmal voll aufdrehen und sich beweisen müssen. Die älteren Bands haben glaube ich verstanden, dass man nicht künstlich auf den Putz hauen muss.

Mindfuck Society: Habt ihr eigentlich ein besonderes Ritual bevor ihr auf die Bühne geht?

Ingo Donot: Wir schwören auf den mighty Knusperfelix, aber um das Ritual zu erklären, müsste man den Lesern wahrscheinlich doch Klebstoff zum Schnüffeln geben, hehe!

Mindfuck Society: Mal ehrlich: Wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte – was wäre euer Traumjob gewesen?

Ingo Donot: Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich wäre wahrscheinlich in der Videospiele-Industrie tätig oder würde eine Hundepension leiten, weil ich Zock- und Wuff-Nerd bin. Das Schöne ist, dass wir mit den Donots seit Jahren ein 24-Stunden-Hobby haben und irgendwie nie groß über die Zukunft nachdenken. Das ist so wunderbar blauäugig. Würde ich gar nicht anders haben wollen…

Mindfuck Society: Kommt man als Musiker eigentlich noch zum Lesen oder intensiven Filme schauen? Was sind deine geheimen Lese- oder Filmtipps?

Ingo Donot: Buchempfehlungen meinerseits sind u.a. „Tiere Essen“ von Jonathan Safran-Foer – tolle Lektüre zum Thema Vegetarismus – oder auch „Neue Nazis“ vom guten Herrn Radke. Letzteres befasst sich mit der Radikalisierung der neuen Rechten. Sehr informativ. Als Filmtipp hole ich immer gerne „Mann Beisst Hund“ raus – ultrabissige Satire über Medien. Ist schon ein paar Jahre alt, aber immer noch der helle Wahnsinn. Den Film zitieren wir übrigens auch in „Das Ende Der Welt Ist Längst Vorbei“…

Mindfuck Society: Rock am Ring, Deichbrand, Highfield, Open Flair, Vainstream…dieses Jahr gebt ihr festivalmäßig richtig Gas. Im Herbst dann noch eure eigene Headliner-Tour. Kann man sagen, dass 2015 das Donots-Jahr überhaupt wird?

Ingo Donot: Für uns ist jedes Jahr das Donots-Jahr überhaupt! Man sollte sich schließlich in jedem Moment auf der absoluten Höhe fühlen. Wir freuen uns tierisch auf die Shows, klar! Und wir sind doppelt gespannt, wie die neuen Songs auf Deutsch live knallen… Wahrscheinlich hast Du während des ganzen Interviews hier ein Trampeln im Hintergrund gehört, gell? Das waren unsere nervösen Füsse… Es muss jetzt mal endlich losgehen!!!

Dankeschön für das Interview!
Ingo Donot

 

 

 

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