Review: Donots – Karacho

Februar 7th, 2015 | By Sarah

donots_karacho_gro_ KopieZugegeben, ich habe mich zuvor nie wirklich mit den Donots beschäftigt. Einfach aus dem Grund, dass ich deutsche Bands die englisch singen, irgendwie doof finde. Meist sind die Texte nicht wirklich gehaltvoll und es wäre so viel einfacher in seiner eigenen Sprache ein fettes, lyrisches Statement zu setzen. Umso gespannter war ich also auf den ersten deutschsprachigen Versuch des nordrhein-westfälischen Fünfers.

Die erste Single-Auskopplung „Ich mach’ nicht mehr mit“, setzte schon mal ein beachtliches Ausrufezeichen hinter den neuen Stil der Band. Deutlich spürt man den erfrischenden Sound, der modern nach Vorne peitscht. Die Donots haben definitiv Bock auf ihren neuen Weg. All die Bedenken, dass die Single sicherlich der stärkste Song ist und die anderen Tracks auf dem Album nicht mithalten können, werden aber komplett ausgeräumt. „Karacho“, treffsicherer könnte der Titel nicht sein.

Besonders gut gefällt „Dann Ohne Mich“, der sich auf die aktuelle politische Lage in Deutschland rund um die ganzen Pegida-Deppen projizieren lässt. „Der Dumme hält die Flagge stets am Höchsten, ich kann den Irrsinn nicht mehr hören. Der Unmensch ist sicht selbst der Nächste, lasst uns die Penner doch blockieren. Denn kein Mensch ist illegal. Nein, kein Mensch ist illegal!“ Eines ist sicher, die Donots halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg und prangern mit modernem Punkrock-Sound die aktuellen Missstände in Deutschland an. Ein weiteres Highlight der Platte ist „Der junge Mann zum Mitleiden“. Frustration und Selbstmitleid werden in dem Song ironisch abgewatscht. „Es ist noch nie dein Tag gewesen, nicht dein Jahr, dein ganzes Leben!“

Gesanglich rotzig wird es in „Problem, kein Problem“, das fast schon zu den ruhigeren Liedern auf „Karacho“ gehört. Phasenweise erinnert die Stimme von Donot-Ingo einige Mal auf dem Album an die von Farin Urlaub. Ein Beispiel ist hierfür der Refrain von „Kaputt“. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, muss jeder Hörer für sich selbst beurteilen. Für mich unterstreicht es die Vielseitigkeit des Albums. So schafft es also fast auch ein schon balladeskes Stück mit „Weiter“ auf den Silberling. Im Intro duellieren sich Akustik-Gitarre und Ingos Stimme und lassen nach und nach weitere Instrumente und Facetten in den Song gleiten. Textlich ein ganz starker Track, der die verlorenen Seelen dieser Welt aufsammelt und zu Mut und Tatendrang aufruft. Definitiv ein Song, der auch im Mainstream Anklag finden dürfte.

„Das Ende der Welt ist längst vorbei“ beschlagnahmt den Titel der „Gute-Launenummer“ auf dem Album für sich. Elegant leicht tänzeln Drums, Gitarre und Bass gepaart mit „Yeah, Yeah, Yeah“- Hymnen durch den Track. Inhaltlich bleibt jetzt nicht so viel hängen, aber muss ja vielleicht auch nicht. Hauptsache der Ohrwurm mit „Yeah, Yeah, Yeah“ funktioniert. Mit knappen vier Minuten ist „Immer noch“ der längste Track der Platte, der sich mit Westernklängen durch das Intro schiebt. Ein textliches Resümee über vergangene Beziehungszeiten mit einem versöhnlichen Blick zurück. „Es ist beinah‘ so traurig wie Satire zu erklären, wir beide stehen uns näher, immer wenn wir uns entfernen. Und ich mag dich trotzdem noch.“.Wer bis dato noch das Gefühl auf dem Album sehnlichst vermisst hat, wird hier definitiv fündig. Und so leitet der Track auch direkt in den Abschluss der Platte ein. „Hansaring“, eine pure Akustiknummer, doch leider etwas zu kurz geraten. Das abrupte Ende der Platte verleitet aber die Synapsen sofort eine neue Handlung auszuführen. Und zwar den Knopf erneut des Play-Button zu betätigen. Ziemlich charmant gelöst liebe Donots.

Tracklist:

01. Ich mach nicht mehr mit
02. Dann ohne mich
03. Junger Mann zum Mitleiden gesucht
04. Problem kein Problem
05. Du darfst niemals glücklich sein
06. Kaputt
07. Weiter
08. Kopf bleibt oben
09. Hier also weg
10. Straßenköter
11. Das Ende der Welt ist längst vorbei
12. Besser als das
13. Immer noch
14. Hansaring, 2:10 Uhr

Label: Universal Music
Release: 20.02.2015

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