Daniel Wirtz im Interview

Januar 22nd, 2015 | By Tobias

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credits: Sabrina Feige

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Daniel Wirtz. Er nahm sich die Zeit, um mit uns darüber zu reden, über seinen persönlichen Eindruck und was in 2015 noch zu erwarten ist.


Hallo Daniel, erst mal Glückwunsch zu einem erfolgreichen Jahr 2014.
Sowohl Unplugged-Album wie auch die darauf folgende Tour sind sehr gut angekommen bei deinen Fans. Wie hast du das letzte Jahr erlebt und woran möchtest du im nächsten Jahr anknüpfen?

Daniel: In etwa habe ich es genau so erlebt, wie du es sagst: Es war ein großes Experiment für uns, das aber auf ganzer Linie gelungen zu sein scheint. Tolle Tour gehabt, das Album ist sehr gut angekommen und die Leute scheinen auch verstanden zu haben, warum wir das Unplugged-Ding überhaupt gemacht haben. Wir haben das Jahr alle zusammen ganz gut abgefeiert. Mit der DVD machen wir ganz würdig den Deckel drauf und wenden uns wieder was Neuem zu: Ein kompromissloses Rock´n´Roll-Album 2015!

Gibt es Dinge die eventuell auch nicht so gut gelaufen sind an denen man im neuen Jahr unbedingt arbeiten sollte?

Daniel(lacht) Nö!

Es war bei den Unplugged-Konzerten sicherlich ungewohnt für dich, deine Songs im Sitzen vorzutragen. Ist dir das schwer gefallen oder hast Du den Hocker in Zukunft immer dabei?

DanielDen Hocker werde ich jetzt erstmal wieder in die Ecke stellen. Es war aber eine schöne Generalprobe für die Zeit Ü60, um zu sehen, dass es im Sitzen auch noch funktionieren wird. Im Sitzen das Konzert zu spielen, war kein Zwang, sondern ein Wunsch von mir, deshalb war es auch gar nicht so komisch. Es war dem Anlass angemessen und während der ruhigen Songs auf der Bühne rumzuspringen, hätte einfach nicht gepasst. Es war bequem und es hat sich einfach von Anfang an gut und richtig angefühlt.

Was hat für dich die größten Unterschiede zwischen Unplugged- und Rockshows ausgemacht? Konntest du neue Erfahrungen auf deinen Unplugged-Gigs sammeln, die du für künftige Konzerte nutzen kannst?

DanielDie schönste Erfahrung war zu sehen, dass wir alle – auf und vor der Bühne – mit dieser neuen Situation wunderbar klar gekommen sind. Für die Leute war das ja auch mal neu: Ein Konzert eines Rockmusikers auf Stühlen und Bänken sitzend abzufeiern. Es war toll zu sehen, dass man Fans am Start hat, die diese Konstellation nicht nur akzeptieren, sondern sich auch voll drauf einlassen wollen und können. Wir haben uns ja für die „Unplugged“-Rutsche eine ganz besondere Atmosphäre gewünscht: Ruhig, wenn es sich richtig anfühlt. Das hätte man ja ganz locker durch die falschen Zwischenrufe zur falschen Zeit kaputt machen können. Aber das kam nie vor. Die Leute haben die Konzerte genau so erlebt und mitgestaltet, wie wir uns das erhofft hatten.

Die neue Tour ist für September 2015 angesetzt und am Album schraubt ihr ja auch schon fleißig. Kannst du einen Ausblick geben, wohin die musikalische Reise geht?

DanielEs geht derzeit eher in Richtung Song, als in Richtung Geriffe. Also mehr „11 Zeugen“ als „Akustik Voodoo“. Gerade geht die Arbeit auch ein bisschen leichter von der Hand als für „Akustik Voodoo“. Die war ja eher eine anstrengende Platte, sowohl für mich in der Entstehung als auch für die Leute beim Hören. Das letzte Album war textlich und musikalisch sehr hart, sehr vertrackt. Auf der kommenden Platte wird es da auf alle Fälle wieder etwas „lockerer“ zugehen.

Gibt es Pläne bei diversen Festivals vorbeizuschauen, bevor im September deine eigene Tour beginnt?

Daniel: Bisher gibt es noch keine Pläne. Aber kann ja noch kommen. Wenn die richtigen Anfragen kommen, sind wir vielleicht dabei. Aber wir sind ja auch so schon ausgiebigst und bei jeder Mann in der Nähe unterwegs.

Seit Deinem letzten regulären Album „Akustik Voodoo“ bist Du in der Zwischenzeit Vater geworden. Hast Du schon mit dem Gedanken gespielt, Deinem Sohn vielleicht einen Song zu widmen?

DanielNein und ich glaube, das wird auch nicht passieren. Wenn ich ihm irgendwas zu sagen habe, dann werde ich das tun, wenn er es versteht und dann auch eher persönlich, anstatt ihm irgendwann mal eine Platte von früher zu reichen. Eher wird die Art und Weise, wie er mein neues Leben beeinflusst, Einzug ins Songwriting finden. Wenn dich der eigene Spatz anlächelt, dann sind das ja Gefühle und Erfahrungen, die wahnsinnig intensiv und einmalig sind. Da kannst du kaum vermeiden, dass sich das auf den Schreibprozess auswirkt.

Ist es nicht auch schwierig die väterlichen Pflichten und Freuden sowie das Leben als tourender Musiker unter einen Hut zu bekommen? Wie stemmst du diese Aufgabe?

DanielPflichten gab es neben der Musik – gerade bei uns als Zwei-Mann-Unternehmen – ja schon immer. Allerdings waren diese Pflichten eher flexibel, die neue Pflicht ist absolut bindend (lacht). Man muss schon schauen, dass man sich besser organisiert, dass man sich aber auch Freiräume schafft und in denen dann konzentriert arbeitet.

Kommen wir zu deinem geplanten Album: Plant ihr vor Release noch eine Vorab-Single auf den Markt zu bringen, um die Spannung noch etwas zu erhöhen?

DanielJa, klar. Wir haben es bisher ja immer so gehalten, dass wir den Leuten vorab mal einen musikalischen Hinweis geben, auf was sie sich freuen dürfen.

Die Tour wurde ja bereits auf den Titel „Auf die Plätze, fertig, los!“ getauft. Könnte sich hier ein Spoiler auf den möglichen Albumtitel verbergen?

DanielJa, das ist durchaus ein Spoiler. „Auf die Plätze, fertig, los“ ist der erste Song, der steht. Und die Nummer hat auch absolute Opener-Qualitäten. Ob die Platte dann am Ende wirklich so heißt, steht aber noch nicht fest.

Als Berufsmusiker ist man ja sehr mit seiner eigenen Arbeit beschäftigt aber welche anderen Künstler stehen bei dir privat momentan hoch im Kurs? Gibt es da möglicherweise auch Empfehlungen, aus nicht ganz so bekannten Kreisen, die du gerne mal aussprechen würdest?

DanielDa wir – anders als vielleicht andere Musiker – keine fixen Zeiten haben, in denen wir ein Album schreiben und dann aufnehmen, sondern eigentlich permanent an WIRTZ arbeiten, beschäftigt man sich vor allem mit den eigenen Sachen. Wenn ich aus dem Studio nach Hause komme, mache ich es wie der Koch, der den ganzen Tag in der Küche steht und sich dann abends wahrscheinlich eher mal was bei Lieferheld bestellt, anstatt nochmal die Pfanne in die Hand zu nehmen: Ich mache irgendwas an, was weit weg ist von meinen Sachen, angenehm im Hintergrund durchläuft und nicht stört. Jedoch nach teilweise 4-6 Stunden Schreierei und Geballer auf den Ohren kann Ruhe auch mal ganz schön sein.

Und wenn es einen Musiker/Band gäbe mit dem du unheimlich gerne mal zusammen arbeiten würdest, wer wäre das?

Daniel: Ich verspüre – zumindest im Moment – ehrlich gesagt nicht das Bedürfnis, jemanden für eine Zusammenarbeit zu akquirieren. Deshalb ist es müßig, da Namen zu nennen. Wenn sich mal was für ein spannendes Projekt ergeben sollte, sehen wir weiter.

Pegida, ein aktuell sehr brisantes Thema in Deutschland. Wie denkst du über die aktuelle Situation in Deutschland und denkst du, dass man als Künstler irgendwie in der Pflicht ist sich dazu zu äußern?

DanielGott bewahre uns davor, dass jeder Künstler die Pflicht hätte sich zu jedem Thema, gesellschaftlichen oder sonstwas, zu äußern. Da käme dann wohl auch viel Grütze bei raus.
Generell bin ich über alle Maßen froh, in einem Land zu leben in der jeder seine Meinung äußern darf. Dass dies zu Folge hat, dass auch Ansichten vertreten werden, die einem vielleicht nicht passen, liegt in der Natur der Sache. Das muss ausgehalten und nötigenfalls kontrovers diskutiert werden, was im Fall Pegida ja auch gerade passiert.
Es ist das Wesen der Demokratie, anderen das gleiche Recht einzuräumen, das man für sich in Anspruch nimmt, und das sollte sie uns wert sein.

Frankfurt scheint dich ziemlich stark in den Bann gezogen zu haben. Die erste DVD aufgenommen in der Batschkapp, jetzt stromlos im Gibson Club und wohnhaft bist du ja nun auch schon lange in der Mainmetropole. Woher kommt‘s? Was macht Frankfurt für dich aus und warum hast du die Stadt zu deiner neuen Heimat erklärt?

DanielIch hatte mich vor 9 Jahren schwer verliebt, das war der Ausschlag gebende Punkt, die Stadt zu wechseln. Hier habe ich meinen WIRTZ-Partner Matthias Hoffmann kennen gelernt, Ur-Frankfurter und hier mit Haut, Haus und Haaren verwurzelt. Den kannst du nicht mehr umsiedeln, deswegen haben wir unser Studio und unsere Firma natürlich auch hier aufgebaut und eingerichtet. Da war der Anker gelegt. Dazu hat Frankfurt natürlich auch extrem charmante Seiten, die man vor allem dann erkennt, wenn man hier lebt. Für mich ist Frankfurt eines der schönsten Dörfer, die es gibt in Deutschland. Mit einem leichten New York-Flair. Das Essen und die Hessen sind Bombe, das Wetter ist immer etwas schöner als im Rest und die Zentrale Lage ist echt ideal für einen der auch im Norden, Süden, Westen und Osten arbeitet.

Die DVD hätte ich allerdings gerne auch mal in Berlin oder Köln gemacht, aber dort haben es die Locations einfach nicht hergegeben. Der Gibson Club hat gesagt, dass wir das ganze Setup mit Kran und Kameras und und und dort unter kriegen, deswegen ist es wieder Frankfurt geworden.

Dein Bassist Christian spielt ja auch in der Band von Jan-Josef Liefers. Habt Ihr euch mal kennengelernt und hat „Prof. Börne“ schon mal auf einem Wirtz Konzert vorbeigeschaut?

DanielBisher leider in der Tat noch nicht. Ich denke, er kriegt zwar über Christian alles mit und scheint auch interessiert zu sein, aber er musste alle Einladungen, die es bisher gab, aus Zeitgründen leider ausschlagen. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn es mal klappt – muss aber gestehen, dass ich es umgekehrt auch noch nicht auf eines seiner Konzerte geschafft habe. Oder in den Tatort. Vielleicht muss ich mal den Anfang machen.

Viele alteingesessene Wirtz-Fans werden dich noch durch Sub7even kennen. Gibt es weiterhin Kontakt zu ehemaligen Bandkollegen oder sogar Ideen zu einer möglichen Zusammenarbeit mit Einzelnen?

DanielSeit sehr langer Zeit haben wir keinen Kontakt mehr gehabt, entsprechend gibt es auch keine Pläne.

Der Kontakt zu Stephan Weidner ist ja bekanntlich nicht mehr der engste. Wie kam es dazu und wie ist euer Verhältnis heute?

Daniel: Es macht halt jeder seins im Moment. Es gibt gar keinen Ärger, aber wir haben uns auch lange nicht gesehen.

Du warst damals immer mal ganz gerne zu einer Runde UnrealTournament zu begeistern. Ist das Zocken immer noch eine willkommene Freizeitbeschäftigung? Wie verbringst du sonst deine freie Zeit wenn du mal nicht gerade auf Tour oder im Studio bist?

DanielDas waren noch Zeiten. Mit Kind und Kegel ist das heute nicht mehr drin. Ich muss gestehen: Ich schaue morgens auf dem Klo die „Tagesschau in 100 Sekunden“, damit ich überhaupt mal sehe, was in der Welt los ist. (lacht) Der Rest der Zeit ist zwischen Familie und der Arbeit für WIRTZ so ausgelastet, dass ich abends erschöpft ins Bett falle. Keine Zeit mehr für Spielereien.

Zu jedem deiner Produkte, sei es CD oder DVD, gibt es eine limitierte Auflage mit von dir unterschriebenen Exemplaren. Du gibst dich immer wieder gerne zu Chats, wie aktuell auf Facebook hin oder hältst direkten Plausch mit deinen Fans. Wie wichtig ist dir diese Fannähe?

DanielEs gibt ja beruflich gesehen nicht viel Wichtigeres als die Menschen, die mit mir zusammen durch die Jahre ziehen. Entsprechend ist es natürlich Pflicht, da immer wieder Rede und Antwort zu stehen. Dass man sich kümmert. Die Leute da draußen sind der Garant dafür, dass ich das tun kann, was ich tue. Dass zu würdigen ist selbstverständlich. In letzter Zeit ist das – gerade auf Tour – leider etwas weniger geworden. Seitdem da mehr als 6 Leute vor der Bühne stehen, kann man halt leider nicht mehr mit jedem beim Bierchen quatschen, sonst ist die Tour nach der zweiten Show wegen Alkoholvergiftung beendet. Die Shows sind länger geworden, die Touren auch, da muss man sich schon ein bisschen zurück nehmen. Das tut mir sehr leid. Ich würde gerne weiter allen gerecht werden, aber das ist einfach nicht mehr zu schaffen. Aber ich hoffe und denke, dass die Leute dafür Verständnis haben. Ich gebe jedenfalls weiter mein Bestes, möglichst oft die Zeit für einen Plausch zu haben. Online oder offline. Es macht ja auch Spaß, weil die Leute in den allermeisten Fällen maximal nett und zurück haltend sind. Ich finde, wir haben ein sehr schönes, homogenes Verhältnis untereinander mit sehr viel Verständnis füreinander.


Tourdaten 2015:

01.09.15 – Dortmund – FZW

02.09.15 – Krefeld – KuFa

04.09.15 – Hannover – Capitol

05.09.15 – Bielefeld – Ringlokschuppen

06.09.15 – Hamburg – Docks

08.09.15 – Flensburg – Roxy

09.09.15 – Kiel – Pumpe

11.09.15 – Bremen – Aladin

12.09.15 – Osnabrück – Rosenhof

13.09.15 – Dresden – Alter Schlachthof

15.09.15 – Magdeburg – Factory

16.09.15 – Rostock – Mau Club

18.09.15 – Berlin – Huxleys

19.09.15 – München – Muffathalle

20.09.15 – Stuttgart – LKA

22.09.15 – Nürnberg – Hirsch

23.09.15 – Würzburg – Posthalle

25.09.15 – Augsburg – Kantine

26.09.15 – Ulm – Roxy

27.09.15 – Mannheim – Capitol

29.09.15 – Frankfurt am Main – Batschkapp

02.10.15 – Kaiserslautern – Kammgarn

03.10.15 – Karlsruhe – Tollhaus

04.10.15 – Köln – E-Werk

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