Review: Toxpack – Bastarde Von Morgen

September 2nd, 2014 | By Redaktion

von Jan M.

toxpackBald ist es also soweit! Der Release des neuen Toxpack Albums „Friss!“ steht kurz bevor (erscheint am 12.09.2014). Da lohnt sich doch zur Einstimmung nochmal ein Rückblick auf das Vorgängeralbum. „Bastarde Von Morgen“ erblickte im Spätsommer 2011 das Licht der Straßen, auf denen der „East Berlin Streetcore“ zuhause ist. Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der Band das vielversprechende musikalische Statement: „Ihr könnt es nicht ändern, uns gibt es immer noch und zehn Jahre sind uns längst noch nicht genug!“.

An den Reglern saß seinerzeit kein geringerer als Produzentenlegende Harris Johns, der bereits Musik für Punk- und Metalgrößen wie u.a. Slime, Einstürzende Neubauten, Helloween, Kreator, Sodom, Sepultura, Slipknot oder Grave Digger produzierte. Ein Who-is-Who, in das sich somit auch Toxpack einreihen konnte. Wie auf allen Alben seit seinem Einstieg in die Band 2002, zeichnete sich auch hier größtenteils Lead-Gitarrist Tommi Tox verantwortlich für Musik und Text. Und, was soll man sagen, mit dieser Scheibe ist der Band in der Tat ein großes Ding gelungen. Der Sound geht brutal nach vorne und auch die Texte haben so einiges zu sagen. Unverwechselbar vorgetragen von Sänger Schulle‘s gewaltigem Organ dröhnt hier druckvoll eine Energieschwall aus den Boxen, der seinesgleichen sucht.

Wer Musik zum Kuscheln sucht, ist bei „Bastarde von Morgen“ sowieso völlig an der falschen Adresse. Oder er sollte sich mit der Kuschelei lieber beeilen, denn das Akustikgitarren-Intro „Ludi Incipiant“, mit einer Länge von 1:17 Minuten bietet die einzigen ruhigen Klänge für die nächsten knapp 40 Minuten. Mich hat es ein wenig an das Onkelz Instrumental „Adios“ oder das Broilers Intro „Preludio Vanitas“ erinnert. Beides grandiose Stücke, die Emotionen transportieren. Danach kracht es aber direkt gewaltig mit dem Opener „Zehn“ in Toxpack Streetcore-Marnier los. Ein Song, in dem die Band ihr zehnjähriges Bestehen zelebriert und außerdem einen absoluten Ohrwurmrefrain liefert. Schon nach diesem Startschuss sollte dem Hörer klar sein: Toxpack sind zurück und kein bisschen leiser geworden.

Die Songs sind allesamt ein harter Rock `n Streetcore – Arschtritt und sind vor allem beim Anhören in würdiger Lautstärke einfach mitreißend. Man möchte mitsingen, mitgrölen, mittanzen. Besonders die Refrains der Songs „Zehn“, „Bastarde Von Morgen“, „Uhrwerk“ und „E.B.S.C.“ bekam ich zeitweise einfach nicht wieder aus dem Gehörgang. Und die anderen Songs haben keineswegs weniger Power und rocken ebenfalls gewaltig von Anfang bis Ende.

Auch die Texte sind alles andere als Einheitsbrei und haben thematisch einiges zu bieten. Großartig zum Wut ablassen, zur eigenen kleinen Rebellion, zum Feiern mit Freunden oder zum Schwelgen in Erinnerungen an wilde Zeiten. Eine fette Portion Straßenattitüde und Songs mit Message. Gerade mit Blick auf das aktuelle Weltgeschehen, das von schweren Krisen überschattet wird, könnte der Song „Das Problem sind wir selbst“ aktuell kaum passender sein. Am Ende eindrucksvoll unterstrichen von „abstürzenden“ Gitarren inklusive Explosion. Ebenfalls textlich großartig ist der Appell an die Individualität in „Wenn Sehnsucht stirbt“. Textlich hat sich hier Drummer Hinrich Schmidt überzeugend verwirklicht. Musikalisch äußerst energiegeladen, startet der Song direkt mit kraftvoll losbretternden Gitarren. Unbedingt laut anhören. Auch das Einsetzen der Basslinie groovt ungemein. Meine Lieblingsstelle im Song!

Wie bei Toxpack üblich, gibt es auch wieder zwei Gäste auf dem Album. In „Heute So, Morgen So“ ist Roi Pearce von der britischen Oi-Punkband „The Last Resort“ mit am Start. Ein Song über Mitläufer ohne klare Meinung, die sich stets nur am aktuellen Trend orientieren. Sehr gelungen sind die beiden dialogartigen Strophen von Schulle und Roi Pearce. In der ersten Strophe gibt Schulle textlich die „Fahne im Wind“ und bekommt dann von Roi in der zweiten, englischsprachigen Strophe den Gegenwind. Beim zweiten Gast handelt es sich um Paul Bearer, Sänger der New Yorker Hardcore-Band „Sheer Terror“. Er bekommt im Song „E.B.S.C.“ (East Berlin Street Core) seinen Einsatz. Eine Hymne von Toxpack an den quasi selbst kreierten Musikstil. Das Outro des Songs, von Paul Bearer‘s nach vielen Whiskys klingender Stimme gesprochen, ist an Coolness schwer zu überbieten.

Wer das Album bereits sein eigen nennt, wird wohl wissen wovon ich hier in meiner kleinen Laudatio rede. Wer es dagegen noch nicht kennt, sollte unbedingt mal reinhören. Bei Gefallen werdet Ihr definitiv auch nicht am Nachfolger „Friss!“ vorbeikommen, der für mich sogar noch eine Steigerung darstellt. Klare Kaufempfehlung für beide Alben! Und nicht vergessen: Volume bis zum Anschlag kommt am besten!

Tracklist:

01. Ludi Incipiant
02. Zehn
03. An All Die Dämonen
04. Bastarde Von Morgen
05. Das Problem Sind Wir Selbst
06. Wunden Der Zeit
07. Heute So, Morgen So (feat. Roi Pearce von The Last Resort)
08. Was Uns Verbindet
09. Wenn Sehnsucht Stirbt
10. Profilneurotiker
11. Uhrwerk
12. E.B.S.C. (feat. Paul Bearer von Sheer Terror)
13. Libertas

Label: Sunny Bastards
Release: 02.09.2011
Spieldauer: 43:28

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