Broilers live: Zitadelle, Berlin 26.07.2014

Juli 27th, 2014 | By Redaktion

Broilers live: Zitadelle, Berlin 26.07.2014

credits: Kevin Supper

credits: Kevin Supper

von Jan M.

Als bekanntgegeben wurde, dass die Broilers auf ihrer umfangreichen Noir Tour erstmalig in ihrer Karriere ein eigenes Open-Air spielen würden, war die Reise vom Ruhrgebiet in die Hauptstadt für mich gleich gebucht. Wer die Broilers in den vergangen Jahren schon auf Festivals erlebt hat, wird festgestellt haben: Broilers, Kaltgetränke, Sonne und blauer Himmel, das passt einfach zu gut und verbreitet Sommer-Feeling und gute Laune. Die Vorfreude auf den Sommer war also umso größer, als die Tickets mitten im Winter geordert wurden. Anzumerken wäre noch, dass Berlin einige Monate später zum zweiten Open Air Konzert in der Broilers Laufbahn „degradiert“ wurde, da dem Noir-Tourplan für den Tag vor Berlin noch ein Open Air in Dresden hinzugefügt wurde. Aber den Dresdnern sei es gegönnt und für mich war die in Berlin gewählte Location alleine schon absoluter Selbstläufer: Die wunderschöne Zitadelle Spandau im gleichnamigen Stadtteil. Diese war mir bereits aus Sightseeing-Perspektive durch ein Rittermahl und eine Führung durch die Katakomben bekannt, aber auch schon als Konzertlocation, als dort 2009 der Wacken-Ableger „Wacken Rocks Berlin“ mit Der W, Volbeat, D-A-D und Heaven Shall Burn gastierte.

Kommen wir aber zum eigentlichen Konzerttag, an dem das Wetter glücklicherweise beste sommerliche Open Air Bedingungen lieferte und die Sonne durchgängig pflichtbewusst auf die Zitadelle schien. Der Innenhof der Festung war dementsprechend bestens mit „feinen, feinen Menschen“ gefüllt. Da Sammy wenige Tage vorher in einem Radio Interview die Show als fast komplett ausverkauft ankündigte, und die Kapazität der Zitadelle auf 10.000 Leute beziffert wird, lässt sich daraus eine ordentliche Hausnummer bzgl. der Zuschauerzahl ableiten.

Als erste Supportband hatten die Broilers, wie bereits auf einigen vorherigen Noir-Konzerten, „Feine Sahne Fischfilet“ mit am Start. Diese waren somit vielen Fans bereits bekannt und sorgten mit ihrem Punkrock, inkl. Einsatz von zwei Trompeten, und ihren diversen Ansagen gegen Rechts für großen Zuspruch vom Publikum. Die zweite Supportband waren „Bombshell Rocks“ aus Schweden, die die Fans ebenfalls ordentlich anheizten und gut angenommen wurden.

Gegen 21 Uhr kam dann der Moment, auf den alle gewartet hatten. „If The Kids Are United“ von Sham 69 erklang als Intro und links und rechts von der Bühne stieg schwarz- und rotgefärbter Nebel auf. Die Vorfreude des Publikums machte sich durch lautstarke Chorbegleitung bei dem, in „Zurück zum Beton“-mündenden, „Preludio Vanitas“- Intro eindrucksvoll bemerkbar. Als Sammys Stimme einsetzte, Bierbecher in die Luft flogen und die komplette Zitadelle tanzte, war schon zu erwarten: dieser Abend wird groß. Die nächsten vier Lieder („Zurück in Schwarz“, „In 80 Tagen um die Welt“, „Grau, grau, grau“ und „Tanzt Du noch einmal mit mir“) wurden, ohne dem Publikum eine Pause zu gönnen, in einem durchgespielt, bevor es die erste Verschnaufpause und die Begrüßung gab. Sammy war offensichtlich bester Laune und erklärte jenes Wochenende zu einem seiner Lieblingswochenenden. Wie er erklärte, hatte die Band an den beiden vorhergehenden Tagen bereits das zu „Santa Muerte“-Zeiten verloste Wohnzimmerkonzert vor 50 Leuten sowie das Open Air in Dresden gespielt und beides war laut Sammy ein voller Erfolg.

Direkt weiter ging es mit der ersten „Noir“ – Singleauskopplung „Ist da Jemand?“ und es fiel auf, dass die anfangs von vielen eher skeptisch betrachteten Songs von „Noir“, inzwischen ähnlich bis genauso abgefeiert werden wie die Klassiker.

Ein besonderes Highlight gab es im späteren Verlauf des Abends bei der aktuellen Single „Ich will hier nicht sein“, als die Protagonisten aus dem Video zum Song, welches in deutschen Flüchtlingslagern gedreht wurde, auf die Bühne gebeten wurden. Schöne Geste, wichtiger Song!

Beim „Held in unserer Mitte“ suchte sich Sammy einen jungen Mann aus dem Publikum, der auf den Schultern seines Kumpels saß und erkor diesen zum Namensgeber des Songs. Dies wurde dann nach Sammys Aufforderung mit einem riesigen Circle Pit um den „Helden in unserer Mitte“ herum zelebriert.

Die Gelegenheit einer Open Air Kulisse wurde von vielen Fans genutzt, um reichlich Bengalos abzufackeln. Auch Sammy ließ es sich bei „Nur nach vorne gehen“ nicht nehmen, die Bühne damit in rotes Licht zu tauchen.

Lustig war es im Zwischenteil vom Slime-Cover „Zusammen“ als direkt vor der Bühne ein kleiner Junge auf den Schultern seines Vaters saß und Sammy ihm versicherte, dass sich in seinem Glas nur „Gurkenlimonade“ befände. Wer die Broilers näher verfolgt weiß, das sich hinter ihrem Warm up – Drink Gin Tonic mit Schlangengurke verbirgt… Anschließend forderte Sammy den kleinen Nachwuchsfan auf, sich die Ohren zuzuhalten, weil er jetzt unbedingt ein Schimpfwort benutzen müsse, worauf dann das übliche „Reissen wir die verf… Drecksbude jetzt ab, oder was?“ folgte.

Den Abschluss bildete nach etwa zwei Stunden wie immer das Broilers-Debut „Blume“ begleitet vom einzigen Regenschauer des Abends – zum Glück nur bestehend aus Konfetti – und dem Outro von „Journey“ – „Don’t stop believin‘“. So ging ein großartiger Abend zu Ende, den die Meisten mit einem glückseligen Grinsen im Gesicht verlassen haben dürften.

Zur Setlist (unten angefügt) bleibt zu sagen, dass diese zwar kaum Überraschungen bot, aber das bei der hohen Dichte von Hits und Stimmungskrachern bei den Broilers absolut ok war. Die Songauswahl war eine sichere Bank, die vom Publikum auch als solche dankbar angenommen und abgefeiert wurde. Einzig „Alles was ich tat“ kann als Überraschung gesehen werden, da der Song auf der „Noir“ Tour bislang komplett fehlte, während er noch auf der „Santa Muerte“ Tour fest in der Setlist integriert war.

Für mich war es von 2007 bis heute mittlerweile das vierzehnte Broilers Konzert und ich würde es für mich persönlich ganz klar unter den Top 3 ansiedeln. Grandiose Stimmung, gutgelaunte Band, tolle Akustik, gut gewählte Setlist, perfektes Wetter und eine großartige Location. Es bleibt abzuwarten, ob Bochum und Düsseldorf das dieses Jahr noch toppen können.

Für alle die noch kein Konzert der Broilers auf der laufenden „Noir“ – Tour gesehen haben und die mit deren Musik etwas anfangen können, ist zu sagen: Lasst Euch das nicht entgehen! Ihr verpasst eine großartige Live Band, die einfach unheimlich Spaß macht.

 

Setlist Berlin, Zitadelle am 26.07.2014:

Preludio Vanitas
Zurück zum Beton
Zurück in schwarz
In 80 Tagen um die Welt
Grau, grau, grau
Tanzt du noch einmal mit mir?
Ist da jemand?
Harter Weg (Go!)
Wo es hingeht
Ruby light & dark
Alles, was ich tat
Paul, der Hooligan
Die Letzten (an der Bar)
Ich will hier nicht sein
In ein paar Jahren …
LoFi
Wie weit wir gehen
Ich brenn‘
(Ich bin) Bei dir
Nur die Nacht weiß
Held in unserer Mitte
Nur nach vorne gehen

Heute schon gelebt
33 rpm
Meine Sache

Singe, seufze & saufe
Zusammen (Cover Slime)
Cigarettes & Whiskey (Cover The Sons of the Pioneers)
Blume
Outro (Don’t stop believin‘ – Journey)

 

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