Statement zur Antifa von Edmund Hartsch

Juli 21st, 2014 | By Sarah

Diesem Statement ging ein ellenlanger Beitrag im offiziellen Forum auf onkelz.de zuvor. Hier hatte sich ein bekennender Antifa-Anhänger über die Gleichstellung seiner Organisation mit den Neonazis im Liedes „Ohne mich“ ausgelassen.

Statement von Edmund Hartsch im Onkelz-Forum
(geschrieben am 04.12.2001)

„Ich gehe jetzt nur auf Deinen ersten Beitrag ein:

Zunächst einmal ein „Herzliches Willkommen“ im Onkelz Forum. Ich wundere mich allerdings, daß Ihr Euch erst jetzt zu Wort meldet. Die nächste Frage, die ich mir stelle ist die, ob Ihr Euch auf dieser Homepage schon ein wenig umgeschaut, oder nur kurz in dieses Forum gepostet habt, ohne einige von den Threads zu lesen. Desweiteren frage ich mich, ob Ihr Euch in Sachen Onkelz tatsächlich sachkundig gemacht habt. Wie auch immer, ich möchte nicht den Fehler machen, mich jetzt auf eine Diskussion mit Dir einzulassen, dafür fehlt mir die Zeit, sondern ich möchte nur kurz zu Deinem ersten Beitrag Stellung beziehen, bevor ich diesen Thread wieder Dir und den Onkelzfans überlasse. Ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit zu einer brieflichen Diskussion mit einem Ex-Onkelfan und jetzigen Marxisten hinreißen lassen. Mir raucht jetzt noch der Schädel und diesen Fehler werde ich nicht noch einmal machen.
Zu dem, was Du dort oben anführst, bezüglich der Arbeit der Antifa, kann ich Dir nur zustimmen, möchte diese Leistung und dieses Engagement in keinster Weise in Frage stellen. Nur hat das nichs mit den Onkelz zu tun. Jedenfalls nicht in dem Maße, wie Du es vielleicht annehmen magst.

„… dumm und intrigant, nicht besser als Faschisten…“ Ich kann mir gut vorstellen, daß Euch diese Zeilen übel aufstoßen, aber lieber Maurice, wer austeilt, muß auch einstecken können. Mir sind bis jetzt keine Onkelzkonzerte in den letzten 15 Jahren bekannt, bei denen die Antifa nicht im Vorfeld, gegen die Band vorgegangen ist, und daß unter Zuhilfenahme wirklich ganz und gar alberner und paranoider Propaganda. Also, sprich mir bitte nicht von Paranoia. Eure Flugblätter füllen bei uns ganze Aktenordner und die Polemik darin, nimmt oft groteske Züge an.

„… Ihr kämpft gegen mich, wie lächerlich…“ diese Aussage würde ich sofort blind unterschreiben, denn den Kampf, den Ihr gegen die Onkelz führt, könnt Ihr Euch sparen. Ich erhalte mittlerweile fast täglich Mails von Jugendlichen, die Gefahr liefen, in die rechte Szene abzurutschen und die mit Hilfe der Onkelz, den Weg heraus gefunden haben. Es geht hier auch nicht um hartgesottene Nazis, die in ihrer Einstellung so verbohrt, ängstlich und pseudomännlich, das dritte Reich mit allerlei dubiosem und okkultem Schnickschnack verehren und deren Brutalität absolut verabscheuungswürdig ist, sondern es geht um Jugendliche, deren diffuse Bekenntnisse nicht für eine Zuordnung in ein politisches Lager ausreichen. Die dürfen wir nicht einfach der rechten Szene überlassen und ihnen sagen, „Ihr seid Nazis, verpisst Euch“ oder „Ihr tragt Onkelzshirts, also seid Ihr Nazis“. Das ist armselig. Ich weiß, daß ich mit 17 auch noch kein politisches Bewußtsein hatte. Ich erinnere mich daran, daß meine Geschichtslehrerin, ein erschreckend kompetentes Wesen, doch menschlich so dröge, daß es staubte, wenn sie den Klassenraum betrat, mir auch nicht das nötige Wissen über das dritte Reich vermitteln konnte, und daß dieser Erkenntnisprozess viel später einsetzte. Für mich persönlich ist, und das werde ich nicht müde zu wiederholen, die rechtsradikale Argumentation, tot, überholt, inhaltslos, von Ängstlichkeit geprägt und somit abzulehnen. Ängstlich, weil sie sich scheut, sich mit fremden Inhalten auseinanderzusetzen. Das alles bringt uns als Menschen nicht weiter, ist alles bereits ausprobiert und für schlecht befunden worden. Prähistorisch, noch nicht einmal säugetier-, sonder eher schon dinosaurierartig und somit zum Aussterben bestimmt. Worauf ich hinaus will, ist, daß nur der Dialog weiterführt und nicht die Schuldzuweisung. Wir müssen reden, um zu überleben und um zu reden, müssen wir verstehen. Warum handeln Menschen, wie sie handeln, welchen Einflüssen sind sie ausgesetzt und was ist richtig und was ist falsch? Mich persönlich beeindruckt Gewalt nicht, mich beeindruckt nur der gute, alte, große und weise Intellekt. Menschen können hochintelligent und trotzdem Idioten sein. Links wie rechts. Intellekt ist eine Kombination aus Intelligenz und Verständnis. Intelligenz kommt aus dem Kopf aber Verständnis kommt aus dem Herzen. Ich schweife ab…

Wie kann es also sein, daß die Antifa eine Onkelzpodiumsdiksussion in der Zeche Karl organisiert, Götz Kühnemund (Rock Hard), Klaus Walter, (Anti-Onkelzjournalist, der mit dem großen Latinum) und einige Antifaleute einlädt, aber niemanden von den Onkelz oder deren Management? Wie kann es also sein, daß der Manager der Band auf eigene Faust dorthinfahren und darum bitten muß, zu dieser Diskussion zugelassen zu werden?
Was die Onkelz angeht, müßt Ihr von der Antifa einfach einmal einsehen, daß Ihr mit den gleichen Mitteln arbeitet, wie viele der Journalisten. Ihr bedient Euch gleichermaßen des Instrumentariums der Greuelpropaganda und der defizitären Berichterstattung. Ihr werft mit Behauptungen um Euch, ohne Euch wirklich zu informieren. Das ist es, was ich mit Gespräch oder Dialog meine. Du könntest ja als Zeichen Deines „Verstehenwollens“ einmal die Bio der Onkelz lesen, oder zu einem Konzert kommen. Wer aber, wie Ihr, so lange und so unqualifiziert gegen die Onkelz vorgeht, der bekommt konsequenterweise irgendwann einmal eine Ansage von der Band. Das ist nur recht und billig, denn wenn Ihr all die Aussagen der Band gegen rechts kennen würdet, dann würdet Ihr sehr schnell einsehen, daß Ihr Eure Energie verschwendet. Ich habe es bereits mehrmals gesagt und werde es nochmal sagen. Wir können dieses Spiel noch zehn Jahre weiterspielen, aber wir können auch ruhig damit aufhören. Natürlich besitzt der Name „Böhse Onkelz“ auch in der rechten Szene immer noch Symbolkraft, was sicherlich darauf zurückzuführen ist, daß sie dieser Szene angehörten, daß sie tatsächlich und wahrhaftig eine Kultband der Skinheadszene waren, daß sie den Ausstieg alleine und konsequent vollzogen haben, was sehr einfach nachzuweisen wäre, und daß die rechte Szene über keine Band verfügt, die auch nur annähernd die Professionalität der Onkelz erreicht. Folgerichtig, will diese Szene die Band nicht aufgeben. Ironischerweise gibt es aber über 100 Hasslieder gegen die Onkelz, zu gleichen Teilen aus der linken und der rechten Szene. Irgendetwas stimmt hier nicht. Die Onkelz haben nie ihre Vergangenheit geleugnet, sondern sie zum Inhalt der Diskussion gemacht. Entwicklung muß zugestanden werden und das scheint vielen Leuten nicht zu gefallen. Der Name „Böhse Onkelz“ wird nunmehr seit 15 Jahren für alle nur erdenklichen armseligen politischen Agitationen ausgeschlachtet. Wie schön für Euch alle, daß Ihr alle Eure political correctness an diesem einen Feindbild festmachen könnt. Aber fällt Euch nicht auf, daß Ihr so keinen Zentimeter weiterkommt? Schwarze Schafe gibt es auf beiden Seiten und Gewalt gibt es ebenfalls auf beiden Seiten. Ich weiß, daß man diese zwei Arten von Gewalt nicht immer vergleichen kann. Will ich auch gar nicht, aber Quex hat weiter oben ja ein paar bezeichnende Beispiele angeführt. Die Onkelz haben irgendwann für sich entschieden, bei keiner Seite mitzuspielen und DAS lieber Maurice ist legitim. Die Onkelz spielen nicht Euer Spiel und sie spielen auch nicht das Spiel der Glatzen, der Punks, der Hools, der Faschos, der Journalisten etc. etc. etc. Sie spielen hier ihr eigenes Spiel und das heißt immer noch „Ohne mich, ich bin dagegen“. Das mag infantil und naiv klingen, macht ihnen aber anscheinend großen Spaß. Ich hänge nun mittlerweile 15 Jahre mit der Band ab und weiß wovon ich rede, ich darf das sagen: Die Onkelz sind weder links noch rechts. Sie können nicht für jeden ihrer Fans den Kopf hinhalten, aber sie können den Fans helfen, für sich selbst zu denken und das ist ein hoher und wichtiger Anspruch. Und genau deshalb, darf die Band auch nicht ihren Namen ändern. Dieser belastete Name steht für Protest und Umdenken, dafür daß man seine Einstellung ändern kann, ohne die eigene Person zu verleugnen. Das muß verstanden werden und das ist das einzige, was zählt. Und abschließend möchte ich noch sagen, daß sich die Band in Ihrer Gesamtheit sehr wohl über die Unterschiede zwischen rechts und links im Klaren ist. Darüber denke bitte einmal nach…

Gruß
Ed“

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