Statement von Matthias „Gonzo“ Röhr zum Ende der Onkelz

Juli 21st, 2014 | By Sarah

Statement von Matthias „Gonzo“ Röhr zum Ende der Onkelz

(veröffentlicht auf onkelz.de am 01.06.2004)

Liebe Leute,

immer wenn ich mir Eure Einträge im Gästebuch durchlese dann rührt es auch ganz kräftig in mir. Ihr sprecht mir aus der Seele. Soviel geht einem im Kopf herum, die Trennung der Band wird von allen Seiten beleuchtet, durchleuchtet, verworfen, neu abgetastet – es hört nie auf. Dauernd ergeben sich neue Aspekte, neue Perspektiven, man kann die Geschichte je nach Tageszeit oder Laune so oder so betrachten.
Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass das Leben seit unserem Entschluss auch für mich/uns alles andere als einfach ist.

Ein Beispiel:
Letzten Donnerstag beendete ich die Gitarrenaufnahmen zum „Adios“- Album, unserem letzten Studioalbum. Stephan und ich standen mit Michael, unserem Freund und Toningenieur, im Regieraum und hörten uns die zuletzt aufgenommene Nummer noch einmal an. Dann sagte Stephan, was mir auch die ganze Zeit im Kopf herumgeisterte: „Das waren deine letzten neuen Noten für die Onkelz.“

Schweigen.

Tausend Dinge, die im Kopf und im Bauch und in der Seele Karussell fahren. Puh, verdammt ja, es ist tatsächlich das letzte Album, das wir produzieren, zu dem ich gerade meinen Part beendet habe. Zwei Herzen schlagen in mir: Zum einen der Stolz auf die geleistete Arbeit, auf die wohl besten Songs seit langem – auf puren Rock ´n Roll. Auf den Spaß am Rocken, der sich komischerweise trotz unseres Abschieds einstellte und mich durch die ganze Produktion begleitet hat. Warum waren wir so locker, wie schon lange nicht mehr und so voll positiver Energie? Kam vielleicht so etwas wie ein „jetzt erst recht – und wir sind noch lange nicht tot“-Gefühl auf? Perplex. Zum anderen natürlich das Ende der Band, die Frage nach dem danach. Es geht mir wie Euch, pendeln zwischen Positivem und Negativem.

Dabei gibt es eigentlich keinen Grund lange traurig zu sein. Unser gemeinsamer Spirit kann nicht einfach verschwinden, sich in Luft auflösen, als wäre er nie da gewesen. Auch mit dem Ende der Band nicht. Klar, der Schock sitzt tief und arbeitet täglich weiter in uns, aber er setzt auch neue Ideen in die Welt. Ihr und wir denken über etwas, das schon fast zum alltäglichen Leben gehörte wieder neu nach – und plötzlich tauchen alte, längst im Alltag verloren geglaubte Ideale und Gefühle wieder auf. Aufbruch. Und genau dass ist der Spirit von dem ich hier spreche und der eigentlich niemals enden wird.

Einmal Onkel – immer Onkel. Es ist schön zu erleben, dass unsere Einstellung auch von so vielen anderen verstanden und geteilt wird. Dass es ein Leben neben den Mainstream und der Normalität gibt. Gerade auch in Deutschland. Dass sich nicht jeder von irgendwelchen Konsumstrategen und Superschlauen an der Nase herumführen lässt – und schon gar nicht der lauteste Chor der Welt!

Und wer weiß, vielleicht kommt ja in Zukunft auch noch das ein oder andere neue von einem der Bandmitglieder? Bestimmt.

In diesen Sinn kann die Tour eigentlich nur der absolute Wahnsinn werden. Unvorstellbar. Ein Meer von Gefühlen und Gefühlsausbrüchen. Mann, die Gänsehaut läuft mir jetzt schon den Rücken runter. Das werden Wochen im Ausnahmezustand für uns alle.

Und mit „Alle“ meine ich ca. 200.000 Onkelz!

See You All!
GONZO

Leave a reply