American History X von Edmund Hartsch

Juli 21st, 2014 | By Sarah

„Warum ich AMERICAN HISTORY X für einen guten Film halte“

(von Edmund Hartsch, 15.10.2001) 

Ich hatte letzte Woche das Glück auf Premiere den Film American History X zu sehen und da die Filme auf Premiere immer gleich 5-8 mal pro Monat laufen, konnte ich ihn wenige Tage später gleich noch einmal anschauen. Das war aber nicht das erste mal, dass ich diesen Film sah. Mein Freund Axel hatte mich vor zwei Jahren schon einmal auf den Streifen aufmerksam gemacht und weil ich ihn, als er noch im Kino lief, wohl irgendwie verpasst haben musste, besorgte ich mir den Film auf Video. Ich war zwar beeindruckt gewesen, aber das war´s dann auch schon. Ich bin normalerweise jemand, der an jedem Hollywood Film etwas auszusetzen hat und immer finde ich etwas, das mir nicht passt, das übertrieben oder einfach nur dämlich wirkt. Mein anderer Freund Patrik, mit dem ich zusammen wohne, wenn ich in Deutschland bin, ist ebenfalls jemand, der jeden Film kritisch unter die Lupe nimmt. Zusammen analysieren wir meistens alles, was es zu analysieren gibt. Story, Regie und Spannungsaufbau, Darsteller, Nebendarsteller und deren Garderobe, Kamera, Schnitt und Licht, Bühnen- und Außenaufnahmen, etc… Beim wiederholten Anschauen von American History X ist mir dann aufgefallen, wie verdammt gut dieser Film eigentlich wirklich ist. Ich schreibe hier mal ein paar meiner Gedanken auf, nicht nur für diejenigen unter Euch, die ihn gesehen haben oder für diejenigen, die ihn nicht gesehen haben, sondern auch und gerade für diejenigen, die ihn gesehen, aber nicht verstanden haben.

Hier eine Zusammenfassung:

American History X

USA 1998, 115 Min. Regie: Tony Kaye

Ort der Handlung ist Venice-Beach, Kalifornien im Jahre 1998. Venice ist ein Vorort von L.A. direkt am Strand, der über die Jahre heruntergekommen ist und immer mehr mit der Metropole verschmilzt.

Die Story ist in zwei Teile geteilt. Der eine Teil beschreibt die Gegenwart, ist in Farbe gedreht und erzählt von den Ereignissen eines einzigen Tages, einer einzigen Nacht und des darauffolgenden Morgens.

Der andere Teil ist die Erzählung der Protagonisten Derek Vinyard und die seines jüngeren Bruders Danny. Die bewegenden Bilder sind in schwarz/weiß abgedreht und schildern die vorangegangenen Ereignisse, die zu diesem einen, speziellen Tag geführt haben. Es ist der Tag Dereks Entlassung aus dem Knast von Chino, in dem er drei Jahre wegen Totschlags von zwei Afro-Amerikanern gesessen hat. Der Film beginnt in schwarz/weiß und zeigt Auszüge aus der Mordszene. Der Betrachter erfährt, dass Derek und Danny Skinheads sind. Derek, brilliant dargestellt von Edward Norton, ist eine imposante, muskulöse Erscheinung mit Hakenkreuztattoo auf der Brust und einer Aura von höchster Wachsamkeit, von Entschlossenheit, Brutalität und Intelligenz. Sein jüngerer 16jähriger Bruder Danny, ebenso brilliant dargestellt von Edward Furlong, vergöttert seinen älteren Bruder. Derek ist in Venice, so etwas wie die Ikone der rechten Szene. Der Film springt zwischen der farbigen Gegenwart und der schwarz/weißen Vergangenheit hin und her und nach und nach entfaltet sich der Handlungsstrang. Danny hatte am Tag zuvor eine Arbeit für seinen Geschichtslehrer abzuliefern gehabt. Ich habe vergessen, wie die Aufgabe lautete, jedoch wurde klar, dass er mit seiner Interpretation von Hitlers „Mein Kampf“ bei seinem jüdischen Geschichtslehrer, nicht auf Gegenliebe stieß. Er wird zum Schuldirektor dem schwarzen Dr. Sweeny zitiert, der bereits Derek unterrichtet hatte und nun befürchtet, dass Danny in das gleiche Fahrwasser wie sein Bruder gerät. Sweeny gibt Danny eine neue Hausaufgabe. Er soll bis zum nächsten Morgen eine Arbeit über seinen älteren Bruder schreiben und diese Arbeit soll den Titel „American History X“ tragen. Danny nimmt den Auftrag gelassen an und läuft nach der Schule nach Hause, um seinen Bruder Derek zu empfangen, der an diesem Morgen aus dem Knast entlassen wurde. Man erfährt, dass es sich bei den Vinyards um eine mittelständische Familie mit Geldsorgen handelt. Die allein erziehende Doris (Beverly D`Angelo) ist die Mutter von vier Kindern, zwei Jungs und zwei Mädchen, raucht viel und hustet ständig. Über den Vater erfahren wir zunächst nichts. Es wird schnell klar, dass der aus dem Gefängnis entlassene Derek nicht mehr der gleiche Mann ist. Es scheint eine Verwandlung in ihm vorgegangen zu sein und während der Tag der Entlassung seinen Lauf nimmt, erzählt Danny die Geschichte seines älteren Bruders Derek. Wir sehen den Aufstieg des Skinheads Derek, der mit seiner Intelligenz, seiner eloquenten Rethorik und seinen Handlungen schnell zum Superstar der Szene avanciert. Er bringt die entscheidende Wendung in einem Basketballspiel gegen eine schwarze Gang, in dem es um die Revierrechte des Courts geht. Der Gewinner erhält das Recht auf ewig hier Basketball spielen zu dürfen, während der Verlierer für immer das Feld räumen muß. Der aufmerksame Beobachter erkennt hier bereits, dass einer der Schwarzen später eines der Opfer von Dereks Mordtat sein wird. Weiterhin übernimmt Derek die rethorische, iedealistische und auch tatsächliche Führung eines nächtlichen Überfalls von Skinheads auf einen von asiatischen Einwanderern geführten Supermarkt. Hier wird aber auch zum ersten Mal richtig deutlich, dass es da noch eine Führung im Hintergrund gibt. Der Neonazi und Hitlerverehrer Cameron Alexander, ein Mann in den fünzigern, mit Hasenscharte und Brille, bleibt im Hintergrund, zieht Derek Vinyard jedoch geschickt auf seine Seite, um ihn für seine Zwecke zu missbrauchen. Derek ist intelligent genug, um die Theorien von Alexander, auf eindrucksvolle Weise an seine Kameraden weiterzugeben. Er glaubt mit Leib und Seele an das, was er sagt und ist druchdrungen von Wut und Hass, sowie von dem Wunsch, nicht länger zuzuschauen, wie „America vor die Hunde geht“ und „endlich etwas dagegen zu unternehmen.“ Die Tatsache, dass er von Cameron Alexander benutzt wird, scheint ihm zunächst verborgen zu bleiben.

Die Geschichte springt zurück in die Gegenwart. Der sechzehnjährige Danny gerät mit einem gleichaltrigen schwarzen Schüler seiner Schule aneinander. Zuhause hört Derek von Danny, dass es am Abend eine eigens für ihn organisierte Willkommens-Party und ein Skinheadkonzert bei Cameron Alexander in dessen Scheune geben wir. Der aus dem Knast entlassene und gewandelte Derek will nicht, dass sein jüngerer Bruder dort hingeht. Wir erfahren, dass sich die gesamte rechte Szene während Dereks Abwesenheit vergrößert und verändert hat. Sie ist mittlerweile durch und durch organisiert, verfügt über bessere Möglichkeiten der Kommunikation und alle erwarten mit Spannung die Rückkehr des Führers und Idols Derek Vinyard. Der dicke Skinhead Seth Ryan ist an diesem Morgen auch bei den Vinyards und bemerkt die Veränderung von Derek, ist aber zu blöde, etwas daraus zu schließen. Bevor nun der Tag zuende geht und wir wissen, was auf der Party laufen wird, setzt sich Danny in sein Zimmer, das mit einer großen Hakenkreuzfahne und allerlei Nazi-Schnick-Schnack geschmückt ist, an seinen Computer und beginnt mit seinem Aufsatz „American History X“. Danny versinkt in seinen Gedanken und lässt noch einmal die Nacht der Mordtat Revue passieren.

Die Bilder sind schwarz/weiß und wir sehen den gesamten Ablauf der Tat, der in der Einstiegszene des Filmes nur angedeutet wurde. Danny erwacht mitten in der Nacht, während Derek im Nebenzimmer seine Freundin Stacy vögelt. Vor dem Haus hält ein Wagen, in dem drei Schwarze sitzen. Sie halten vor dem Haus. Einer bleibt im Wagen, einer stellt sich vor die Haustür und ein dritter bricht in Dereks Auto ein, dass, wie wir kurz darauf erfahren ein Geschenk des verstorbenen Vaters war. Danny, der die Szenerie aus dem Fenster im ersten Stock beobachtet, geht hinüber in das andere Zimmer, um seinen älteren Bruder zu alarmieren. Derek nimmt sich eine Pistole, zieht sich seine Doc´s an und läuft in Unterhose nach unten. Derek ist todernst und entschlossen. Den ersten Schwarzen an der Tür erschießt er sofort. Den zweiten, der sich am Auto zu schaffen macht, streckt er zunächst mit einem Streifschuß nieder und läuft sodann hinter dem losfahrenden Fluchtauto hinterher. Er ballert das komplette Magazin leer, aber der Fahrer kann entkommen. Danny ist mittlerweile herausgekommen und kniet auf dem Rasen vor dem Haus. Er kann nicht glauben, was er da sieht und man erkennt, dass er mit seinen sechzehn Jahren einfach zu jung ist, um die Entschlossenheit seines älteren Bruders vollends zu begreifen. Derek kommt indessen von der Straße zurück, schnappt sich den noch halb benommenen Schwarzen vor dem Haus und zerrt ihn auf die Straße. Unter wüsten Beschimpfungen legt er den Kopf des Schwarzen auf den Bordstein. Er zwingt sein Opfer dazu, die Zähne um die Bordsteinkante zu legen und als sein jüngerer Bruder Danny „Nein Derek, nicht“ ruft, tritt er zu. Sekunden später biegt die Polizei in die Straße ein und nimmt den grinsenden Derek in einer bewegenden Zeitlupenszene fest. Dies ist eine von zwei Schlüsselszenen des Filmes. Sie zeigt Derek auf dem Höhepunkt und auch gleichzeitig am Ende seiner Skinhead- und Gewaltkarriere.

Wiederum springt der Film in die Gegenwart zurück. Der „neue“Derek geht zu der angekündigten Party bei Cameron Alexander. Danny hat die Warnungen seines älteren Bruders in den Wind geschlagen und sitzt bereits bei Alexander im Hinterzimmer, um ihm über die Ereignisse in der Schule zu berichten. Darüber, dass seine Interpretationen von „Mein Kampf“ nicht gut angekommen sind und darüber, dass er sich nichts aus den Ermahnungen seines Schuldirektors Dr. Sweeny macht. Derek trifft seine alte Freundin Stacy wieder und die Dinge eskalieren. Nachdem er ihr sofort und ohne Umschweife erzählt hat, dass er nicht in diese Szene zurückkehren könne und dass er „fertig“ damit sei, macht er sich auf die Suche nach seinem Bruder. Dereks Freundin ist fassungslos. Sie war während Dereks Abwesenheit fester Bestandteil der Szene und ist nicht bereit, mit Derek auszusteigen. Sie fängt an Derek als „Nigger“ zu beschimpfen. Derek geht in das Hinterzimmer und stellt Cameron Alexander zur Rede. In kurzen knappen Worten kommt es zur Konfrontation an deren Ende Derek Alexander zusammenschlägt und nun weiß, dass er sich in höchster Gefahr befindet. Das Skinheadkonzert in der Scheune wird unterbrochen, als Derek seinen konsternierten Bruder Danny in Sicherheit bringen will. Die ehemaligen Freunde stellen sich nun gegen Derek und es gelingt ihm nur knapp zu entkommen. Auf dem Heimweg wird er von seinem Bruder Danny eingeholt der die Welt nicht mehr versteht und seinen älteren Bruder weinend zur Rede stellt. Während sie auf einer Treppe sitzen und reden, springt der Film wieder in die Vergangenheit und Derek erzählt in schwarz/weißen Bildern über seine Erlebnisse im Knast.

Dort im Staatsgefängnis von Chino, findet er sehr schnell heraus, dass er nur ein ganz kleines Licht unter vielen ist. Muskeln bedeuten hier alles und überall werden Gewichte gestemmt. Hier sind die Sträflinge in selbstorganisierte Gruppen eingeteilt. Schwarze, Chicanos und Weiße. Um nicht sofort unterzugehen, entblößt er seine Brust, zeigt seine Tattoos und hofft darauf, dass ihm jemand Schutz bietet. Sein Ruf scheint ihm auch hierher vorraus geeilt zu sein und er findet schnell Zuflucht bei einer Gruppe von weißen Neonazis. Während seiner täglichen Arbeit wird er einem schmächtigen Schwarzen zugeteilt, mit dem er die Gefängnis-Wäsche zu waschen und zu legen hat. Der Schwarze ist zwar klein und unscheinbar, besitzt aber eine höllisch große Klappe und zeigt Derek keinen Respekt. Derek sagt nichts, niemals und lässt die Sprüche seines Mithäftlings über sich ergehen. Die Dialoge die sich nun entfalten und besonders die Szene in der sich der Schwarze ein Laken über den Kopf wirft, um ein Klu Klux Clan Mitglied zu imitieren, gehören zu den lustigsten, die ich seit langer Zeit gesehen habe. So wie fast alle Rollen in diesem Film genial besetzt sind, so liefert auch dieser Schauspieler eine wahre Glanzleistung ab.

Derek bleibt gelassen und stumm. Allerdings nur bei der Arbeit. Auf dem Hof und während der Mittagspausen, fängt er allmählich an, seinen Leuten mit seinen Prädigten mächtig auf die Nerven zu gehen. Derek beobachtet, wie der Neonazi Mitch aus seiner Gruppe auf dem Hof mit Drogen dealt. Mitch kauft das Zeug bei einem Chicano und verdealt es an andere Weiße. Für den straighten Derek ist das Verrat an den eigenen Leuten und wie es seine Art ist macht er seinem Unmut Luft. Langsam aber sicher verscherzt er es sich mit seiner Gruppe, die ihm bis jetzt Schutz vor den anderen Häftlingen gewährt hat. Als er dann auch noch mit ein paar Schwarzen auf dem Gefängnishof Basektball spielt, folgt die Strafe auf dem Fuße. Während er unter der Dusche steht, verlassen alle Häftlinge das Bad, doch bevor er merkt, was gespielt wird, ist er von den Leuten aus seiner Gruppe umzingelt. Sie halten ihn fest und der größte und muskulöseste von ihnen vergewaltigt ihn und schlägt danach seinen Schädel gegen die Kacheln. In einer weiteren bewegenden Zeitlupenszene, in der Derek, blutend aus Kopf und After mit verdrehten Augen zusammenbricht, erkennen wir die zweite Schlüsselszene. Derek, der Siegertyp erfährt Gewalt, ist besiegt und gedemütigt.

Kurz zuvor war auch seine Mutter Doris im Knast gewesen, die ihn gegen seinen Willen besuchte und ihn darum bat auf seinen jüngeren Bruder Danny Einfluß zu nehmen, der sich bereits auf dem selben Weg befindet. Derek war nicht gesprächsbereit gewesen und Doris musste das Gefängnis weinend und unverrichteter Dinge verlassen.

Nun, nachdem er besiegt wurde erlebt Derek seine Katharsis. Er schickt nach Dr. Sweeny, seinem ehemaligen Highschool Direktor, der sofort zur Stelle ist und einen weinenden, geprügelten Derek auf dem Krankenbett vorfindet. Sweeny, ein intelligenter Mann mit zwei Doktortiteln, gelingt es, Derek auf eindrucksvolle Weise davon zu überzeugen, dass sein bisheriges Leben in einer Sackgasse steckt, dass die Wut, die Derek verspürt, ihm selbst nicht unbekannt sei und dass er sich am Ende habe eingestehen müssen, dass sie alles nur noch schlimmer gemacht habe. „Du musst die richtigen Fragen stellen“ sagt er zu Derek. „Hat sich durch das was Du tust, Dein Leben verbessert?“ Derek muß zugeben, dass ihn seine Wut und sein Hass nicht weitergebracht haben. Derek befindet sich nun in einer heiklen Lage. Er ist ohne Schutz und er hat noch sechs Monate abzusitzen. Jeden Tag rechnet er damit von den Schwarzen fertig gemacht zu werden. Er lässt sich die Haare wachsen, bleibt für sich alleine und ließt die Bücher, die Sweeny ihm schickt. Aber es passiert nichts. Die mächtigen und muskulösen Schwarzen, die ständig den Gefängnishof patroullieren, lassen ihn in Ruhe und er kann das Gefängnis ohne weitere Zwischenfälle verlassen.

Und wieder springt der Film in die Gegenwart. Derek und Danny kommen mitten in der Nacht nach Hause. Die Knastgeschichte hat den jungen Danny beeindruckt und er versteht nun warum sein Bruder sich verändert hat. Zusammen gehen sie in Dannys Zimmer und nehmen die Hakenkreuzfahne von der Wand. Danach macht sich Danny an seinen Aufsatz. Er hat noch einige Stunden bis es dämmert und vor dem Computer sitzend, versinkt er abermals in Gedanken daran, wie es eigentlich mit dem rechten Gedankengut, das seine Familie infiziert hat, angefangen hat.

Wir sehen die Familie Vinyard beim Frühstück. Derek und Danny haben lange Haare und Derek liest noch während des Frühstücks in seinen Schulbüchern. Wir erfahren, dass der Vater, der ebenfalls am Tisch sitzt ein Feuerwehrmann ist und dass Derek ein überdurchschnittlich intelligenter Schüler ist, der nur gute Noten mit nach Hause bringt und seinen schwarzen Schuldirektor Dr. Sweeny wegen dessen Bildung verehrt. Der Vater scheint damit ein Problem zu haben. Während der Rest der Familie betreten zu Boden schaut, erklärt der Vater, dass es nicht in Ordnung sei, dass die Schwarzen neuerdings in Amerika bevorzugt werden, bessere Jobs bekommen, während er schuften muß. Derek ist verwirrt. Kurze Zeit später wird der Vater beim Löschen eines Brandes von schwarzen Drogendealern umgebracht. Bei Derek kippt der Schalter um. In einer weiteren Szene, offensichtlich der Tag vor der Mordnacht, sehen wir Derek bereits als den beeindruckenden großen Skinhead, den er während der Hälfte des Filmes darstellt. Mutter Doris, die beiden Schwestern, Derek, dessen Freundin Stacy und Danny sitzen beim Mittagessen. Dannys jüdischer Geschichtslehrer, der ein Verhältnis mit der alleinstehenden Witwe Doris begonnen hat, ist ebenfalls zu Besuch. Es entwickelt sich eine hitzige Diskussion über die sozialen Misstände in Amerika, die Derek mit rassistischen Argumenten zu gewinnen versucht. Die Stimmung eskaliert und der Lehrer kann die gewaltgeladene Situation nicht mehr bremsen. In einer unschönen Szene, in der Derek sich das Hemd von der Brust reißt und sein Hakenkreuztattoo bloß stellt, wirft er den Lehrer unter wüsten antisemitischen Hasstiraden aus dem Haus. Danny und Dereks Freundin stehen bereits auf Dereks Seite, während der Rest der Familie, die Mutter Doris und Dannys ältere Schwester fassungos sind.

Zurück in der Gegenwart. Danny beendet seinen Aufsatz kurz vor dem Morgengrauen. Er hat die Geschichte bis hierher nachvollzogen und verstanden. Die Familie wird einen Neuanfang ohne den Vater machen müssen. Derek ist immer noch der starke große Bruder, aber er scheint jetzt voll und ganz hinter seiner Familie zu stehen. Der Hass ist von ihm gewichen und die Familie liebt ihn. Derek übernimmt die Vaterrolle, will ein neues Haus suchen, sich bei seinem Bewährungshelfer vorstellen und einen Job finden. Am Morgen bringt er seinen Bruder Danny zur Schule. Auf dem Weg dorthin treffen sie Sweeny und einen Polizisten. Sie erfahren, dass Cameron Alexander und der Skinhead Seth Elmer auf der Intensivstation liegen. Offensichtlich hat es einen Zwischenfall mit einer schwarzen Gang gegeben. Sweeny fordert von Derek, dass dieser mit seinen alten Freunden spricht und seine Erfahrungen weitergibt. Derek willigt ungern ein, aber verspricht zu helfen. Er macht an diesem Morgen, es ist der erste Tag nach seiner Entlassung und der Morgen nach der verpatzten Willkommensparty einen paranoiden Eindruck. Nach dem Frühstück in einem Straßencafe bringt er Danny zur Schule, fühlt aber das irgendetwas nicht stimmt. Er hatte bereits am Abend zuvor ein Auto vor dem Haus gesehen, in dem einige schwarze Gangmitglieder saßen. Danny, der sichtlich gut gelaunt ist, darüber dass sein Leben eine so unerwartet positive Wandlung genommen hat, darüber, dass er die Verwandlung seines Bruders nachvollziehen kann und darüber, dass er heute seinem Schuldirektor Dr. Sweeny den Aufsatz „American History X“ über seinen Bruder Derek abliefern wird, sucht vor dem Unterricht noch einmal die Schultoilette auf. Während er die Blätter mit dem Aufsatz über den Klos ablegt und sich an die Rinne stellt, kommt der schwarze Mitschüler in den Raum, mit dem er während er Erzählung des Filmes schon zum wiederholten Male aneinander geraten war. Danny dreht sich um und für einen kurzen Moment sehen sich die beiden in die Augen. Dann schießt ihm der Schwarze zweimal in die Brust. Danny fällt in einer Zeitlupenszene rückwärts in die Rinne und bleibt tot liegen. Derek hat die Schüsse gehört und läuft zurück in die Schule. Er stürzt in die Toilette und nimmt weinend seinen toten kleinen Bruder in den Arm. Der Tatort ist bereits von der Polizei abgeriegelt und Dr. Sweeny steht schweigend vor der Toilette. Der Film endet mit farbigen Schnittbildern in Zeitlupe, in denen wir die Brüder als kleine Jungs am Strand spielend wiedererkennen.

Eward Norton erhielt für die Darstellung des Derek Vinyard eine Oscar-Nominierung und zweifelsohne ist er der tragende Charakter in diesem Film. Was ich aber noch weitaus beeindruckender finde ist die Leistung des sechzehnjährigen Edward Furlong, der als Danny Vinyard wirklich absolut professionelles Kino abliefert. Ebenso sind die Rollen der Freundin Stacy und die des kleinen schwarzen Mithäflings glänzend besetzt. Leider sind mir die Namen dieser Darsteller entfallen. Was dieses Regiedebüt von Tom Kaye so sensationell gut macht, ist zunächst die Erzählform aus Sicht der beiden Brüder und natürlich die abwechselnde Technik der farbigen Gegenwart und der schwarz/weißen Vergangenheit. Die Bilder sind zu jeder Zeit bewegend und mitreißend, ohne dass sie überladen wirken. Zeitlupe, wo Zeitlupe hingehört. Dazu eine wunderbare Kameraführung, die den Betrachter wirklich vergessen lässt, dass es ein Film ist. Man ist zu jeder Zeit ein Teilnehmer der Szene und wird förmlich von den Bildern eingesogen. Nicht zu letzt ist es aber die Aussage, die ich wichtig finde und die mich letztendlich veranlasst hat, darüber zu schreiben. „Hat sich durch das, was Du tust, Dein Leben verbessert?“

Wir kennen alle die Historie der Onkelz, auch wenn sie mit diesem Film überhaupt nichts zu tun hat. Wir kennen die Problematik und die nicht endenwollenden Diskussionen, die Presse, die künstlich am Leben gehaltenen Vorwürfe. Wir kennen aber auch die Ignoranz der Lehrer, die den Onkelzfans verbietet Onkelzshirts zu tragen, das Defizit an Information und die Probleme, die entstehen, wenn man sich zu den Onkelz bekennt und ebenfalls die Gewalt der rechten Idioten. Die Onkelz engagieren sich in einem Maße, wie es keine andere Band tut, gegen Gewalt, gegen Hass und gegen Dummheit. Ihre Katharsis, die bei ihnen bereits in den achtzigern stattgefunden hat, will und will einfach nicht anerkannt werden. Nach über 16 Jahren höre ich immer noch die gleiche Leier. Das nervt. Ich weiß aber auch, dass es unter den Onkelzfans noch einige Schlafmützen gibt, die es immer noch nicht begriffen haben. Auch wenn es sich bei diesen Leuten um eine Minderheit handelt, so muß ihnen klar gemacht werden, dass der Hass, die Wut und die Gewalt, sie keinen Zentimeter weiter bringen, denn durch das, was sie tun, hat sich ihr Leben nicht verbessert. Das bedeutet, dass sie genauso gut damit aufhören können. Man kann die Welt nicht verändern, sondern nur sich selbst. Das ist die Erkenntnis, die die Onkelz schon lange hatten, bevor dieser Film gedreht wurde, aber diese Botschaft ist nach wie vor aktuell und wichtig und muß immer wieder und von uns allen an alle weitergegeben werden, muß immer wiederholt werden. Hass begrenzt und wie Danny Vinyard am Ende des Filmes vollkommen folgerichtig sagt: „Das Leben ist zu kurz, um immer nur zu hassen, um immer nur wütend zu sein. “Allen, die das noch nicht begriffen haben, aber auch allen, die diesen Film noch nicht gesehen haben, kann ich nur raten, in die Videothek zu gehen und sich diesen Film zu besorgen.

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