REVIEW: Friedemann – Uhr vs. Zeit

Mai 5th, 2014 | By Tobias

Es gibt Neues. Gänzlich neu sogar. Nicht nur, das mich das neue Album „Uhr vs. Zeit“ von Friedemann erreichte, sondern auch, dass wir das erste Mal über den Künstler berichten dürfen. Das liegt aber auch mit daran, dass es sich um das erste Solo-Album des Frontmanns der Hardcore/Punk-Band COR handelt.

Friedemann - Uhr vs. Zeit

Ich gehe zugegebenermaßen völlig unbelastet an das Projekt, des in Rügen ansässigen Friedemanns, heran. Er und seine Band COR sind mir zwar ein Begriff aber wirklich tief konnte ich mich bisher nicht in die Thematik herein arbeiten. Umso frischer und unbelasteter gehe ich aber an das Solo Projekt heran. Während bei COR die harten und schnellen Gitarrenriffs dominieren, zeigt sich Friedemann selbst mit Akustikgitarre, in höchst persönlicher und nachdenklicher Stimmung. Er reflektiert, legt seine Gefühle und Gedanken offen dar und erschafft somit ein wirklich ruhiges aber sehr tiefgehendes Album. Nichts für die Party unter Freunden, soviel steht fest. Abends, nachdenklich und ruhend auf der Couch, dabei die Gedanken etwas kreisen lassen – dafür scheint dieses Album aber wie geschaffen. Genau daran ist es dann auch an den ersten Tagen, an denen ich das Album vor mir liegen hatte, gescheitert. Ich war schlichtweg nicht in der Stimmung, um mir dieses Album in vollem Umfang zu Gemüte zu führen. Man braucht da schon eine gewisse Grundruhe, welche ich dann letztendlich doch noch erreichen konnte.

Der Prozess des sich selbst Hinterfragens und dem was in seiner Umwelt passiert ist in der Musikwelt sicher nichts Neues mehr, dennoch schafft Friedemann es, das ganze nicht abgedroschen oder gar unglaubwürdig wirken zu lassen. Er spricht sich so einiges von der Seele und das merkt man auch. Ein Prozess, der für viele nicht einfach ist aber beim Hören dann doch verleitet, sich selbst seine Gedanken über das Eine oder Andere zu machen. Wenn man es zulässt, verliert man sich regelrecht in der Musik und vergisst die Welt um sich herum. Das macht für mich ein gutes Album aus.

Bei aller Schwere des Albums sind die positiven Gefühle dennoch nicht zu kurz gekommen. „Süden“, „Daneben“ oder „Conny“ sind da perfekte Beispiele. Während sich dort sehr persönliche Erfahrungen mit Freundschaft, Liebe und Bekanntschaften wiederfinden, blickt Friedemann aber auch über den Tellerrand hinaus. Es finden sich Songs wie „Vogel“ oder auch „Sklaven“, in denen er kritisch die Geschehnisse dieser Welt und den Mensch an sich beleuchtet und das Ganze auf seine ganz eigene Art beschreibt.

Wer letztendlich die pure Unterhaltung sucht ist hier leider falsch. Das Album ist trotz seiner thematischen Vielfalt keines, was man einfach mal so, mit dem Fuß wippend, nebenbei hören kann. Alles in allem kann ich „Uhr vs. Zeit“ aber jedem empfehlen, der sich gern etwas tiefer in die Musik und vor allem in die Texte fallen lässt und dem es nicht nach endlosen Produktionsschleifen sowie aufgesetzter Nachdenklichkeit trachtet. Es ist ein raues, sehr ehrliches und vor allem persönliches Werk geworden, das man ruhig auch als solches betrachten sollte. Ich sage: „Sehr gelungen … weiter so!“

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„Uhr vs. Zeit“ 
Veröffentlichung: 16.05.2014
Bestellung: http://www.mainstreamrecords.de/

Tracklist:

01. Lied aus Stille
02. Vogel
03. Nichts können
04. Daneben
05. Nackenbrecher
06. Conny
07. Freiheit
08. Sklaven
09. Anders Gedacht
10. Dankeschön
11. Süden
12. Was
13. Zeit vs. Uhr

http://friedemann-ruegen.de/

 

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