Interview Böhse Onkelz (Pe) 2014

April 2nd, 2014 | By Sarah

Ursprünglich war das Interview mit Pe Schorowsky, Stephan Weidner und Gonzo Röhr angedacht.
Leider war Stephan dann doch zu busy und wir sind froh, euch zumindest Antworten von Pe präsentieren zu können.

1.) Ihr habt euch am 23.Oktober 2013 in Frankfurt getroffen. Was war der Ausschlag für dieses Treffen? Hatte man den Reunion-Gedanken schon konkret im Kopf und wollte ihn zur Sprache bringen? Oder kristallisierte sich dieser Entschluss erst aus eurer Aussprache an diesem Tag?

Pe: Nein, wir haben uns nicht getroffen um die Reunion zu beschliessen, sondern einfach um über 2-3 wichtige Dinge zu reden. Das ging nur zu viert.

2.) Wir persönlich empfanden es in den letzten Jahren nicht leicht die Onkelz-Flagge hoch zu halten. Erst die Unstimmigkeiten zwischen Stephan und Gonzo und letztendlich der mehr als tragische Unfall bei dem Kevin sicherlich für viele den Onkelz-Spirit gehörig kaputt gemacht hat. Wir hatten zuerst gemischte Gefühle als wir von eurem Comeback hörten. Auf der einen Seite ist uns die Erinnerung an ein für uns perfektes Vaya con Tioz sehr wichtig, dass einfach besonders und einzigartig bleiben soll – andererseits können wir euren Gedanken das Bild der Onkelz wieder zum Positiven darzustellen, absolut nachvollziehen, denn auch wir finden das man die Onkelz nicht an den Ereignissen messen sollte, die nach Band-Ende passierten. Trotzdem bleibt ein Kratzer am Onkelz-Spirit. Könnt ihr verstehen, dass sicherlich nicht wenige Fans der Sache noch sehr skeptisch gegenüber stehen und ihre zukünftige Haltung gegenüber den Onkelz durch eure Performance am Hockenheimring bewerten werden?

 Pe:  Ja, ist klar. Die Aussagen waren ja mehr als deutlich damals. Daraus sollte man die Lehre ziehen, dass nichts in Stein gemeißelt ist. Alles kann sich ändern. Da kannst Du noch so hart sein. Wenn man es schafft in 9 Jahren geistig reifer zu werden spricht das eigentlich für Normalität. Wobei bei den Onkelz Normalität ja nicht so ausgeprägt ist 🙂
Aber hätte Kevin den Unfall mit Fahrerflucht und Knast nicht gehabt, wäre er nicht clean geworden. Das war DER  entscheidende Knackpunkt, mit dem sich alles gewandelt hat.  Emotionen kommen und gehen.  Stephan hatte hart zu beissen mit seinen früher oft wiederholten Statements „nie mehr Onkelz“  Wer ihn kennt, weiss dass er viel Stolz besitzt. Er wusste aber auch das Stolz nicht das geeignete Tauschmittel ist, um diese geile, schlummernde Energie eines Onkelz-Konzertes und alles Weitere dafür links liegen zu lassen. 

3.)  Habt ihr nachts vor der Verkündung des Comebacks am Computer gesessen und die Reaktionen der Fans direkt verfolgt? Was ist euch dabei durch den Kopf gegangen? Sind die Emotionen hoch gekocht?

Pe: Das ging ja über mehrere Tage. Zu dem Zeitpunkt stand schon fest, wo wir spielen. Riesige Plakate wurden in drei Phasen deutschlandweit geklebt. „Nichts ist für die Ewigkeit“ bei dem unten klein „onkelz.de“ stand, danach „Wir ham noch lange nicht genug“, bei dem unten klein „onkelz.de/tickets stand und die dritte Phase, bei der ein rotes Banner, oder auch Störer genannt, über das letzte Plakat geklebt wurde. Darauf stand Hockenheim und das Datum. Die Leute rätselten über Tage und Wochen. Einige Spitzfindige hatten es herausbekommen und das Gerücht kursierte schnell im Netz ohne aber von uns bestätigt worden zu sein. Ein-zwei Plakatekleber hatten dann einen Tag zu früh das rote Banner aufgeklebt und somit frühgezündet. Wir liessen darauf hin schnell Fake-Banner im Netz kursieren, auf denen andere Informationen standen, wie z.B. „neue DVD in Blue Ray“  etc.  Somit ging das Rätseln weiter. Da es die meisten selbst verfolgt haben, muss ich nichts dazu sagen, wie spannend das alles war. Es gab viele, die dafür kein Verständnis aufbringen, aber die meisten waren aus dem Häuschen.

4.) Das erste Konzert war binnen 50 Minuten ausverkauft und auch die Zusatzshow war in weniger als einer Stunde komplett „sold out“. Jetzt mal Hand aufs Herz mit wie viel Ansturm hattet ihr denn insgeheim gerechnet?

Pe: Vorsichtig mit 70.000.  Kevin schätze es aber viel höher.

5.) Die Abwicklung des Vorverkaufs hat für viel Unmut im Fanlager gesorgt. Viele sind der Meinung, dass man den Ticketabverkauf deutlich besser hätte planen können. Serverprobleme, Warteschleifen und falsche Codes haben bei einigen dazu geführt, dass sie keine reellen Chancen auf die Tickets hatten. Natürlich ist klar, dass es nicht für jeden Tickets geben kann aber hätte man das nicht im Vorfeld besser steuern können? Wäre Ticketpersonalisierung für euch ein Thema gewesen?

 Pe: Eine reelle Chance hatte jeder. Nur hatten viele mehr Glück als andere. Wir rechneten nicht mit derart hoher Begeisterung. Hinterher ist man immer schlauer. Selbst personalisierte Tickets sind gegen eine geringe Gebühr übertragbar. Vielleicht sollte der Gesetzgeber hier etwas machen, sodass es keine Wiederverkäufer gibt.

6.)  Gonzo erwähnte im Metal Hammer das ihr sehr viel in eurem geschäftlichen Umfeld geändert und neu aufgestellt habt. Wie kam es z.B. dazu mit dem Frankfurter Konzertveranstalter Wizard Promotions zusammenzuarbeiten? In der Vergangenheit hattet ihr ja alles über interne Strukturen, wie z.B. Thomas Hess abgewickelt. Das verwundert jetzt auf den ersten Blick schon. Ebenso die neue Gründung der E.I.N.S. GmbH.

 Pe: Unsere alte Mannschaft in Gang zu bringen und in Vorlasse zu gehen etc wäre ein enormer Kraftakt gewesen.  So konnten wir alles in die Hände schon vorhandener Strukturen legen. Wizard hatte nach Abwägen die Nase vorn und das beste Konzept.

7.) Nach euren Aussagen soll im Jahr 2014 den Böhsen Onkelz wieder neues Leben eingehaucht werden. Wie können wir uns das vorstellen bzw. wie viel Neues wird diese Auferstehung beinhalten und wie wird das Aussehen? Oder konkret: Was unterscheidet die Onkelz 2005 von den Onkelz 2014?

Pe: 2005 war das Ende der Band schon besiegelt. 2014 ist die Wiedervereinigung ohne Absichten einen Riegel zu installieren. Wir stimmen uns gegenseitig ab: wann wie und wo und völlig demokratisch. Wir schätzen uns gegenseitig und wir schätzen unsere Einheit mit unseren Fans. Wir sind uns bewusst, was für ein Edelstein dieses Onkelz-Ding ist. Die Zusammenarbeit ist nicht mehr durch gegenseitige Spannungen behindert. Wir wissen nicht genau was kommt. Wir wissen, dass wir etwas Gutes daraus machen wollen, auch mit Berücksichtigung der Projekte der vier einzelnen Bandmitglieder.

8.) Ihr habt auf eurer Website verkündet, dass es gewiss keine zweite Bandbeerdigung am Hockenheimring geben wird. Das sät natürlich Hoffnung auf eine ganze Tournee im nächsten Jahr. Könntet ihr euch das vorstellen oder wollt ihr das Onkelz Live-Ding eher klein halten und z.B. lieber ein jährliches Onkelz-Festival realisieren?

 Pe: Es ist noch nichts konkret geplant. Eine kleine Tour in grossen Hallen oder Stadien ist denkbar. Wir wollen jetzt erst mal all unsere Konzentration auf Hockenheim lenken.

9.)   Warum gerade der 20.06.2014? Hat es was mit den Daten des „Vaya con Tioz“ damals zu tun? Einige munkeln es wäre Absicht das Onkelz-Comeback genau an dem Tag zu machen an dem das Alpen Flair Festival in Südtirol stattfindet, um ein Zeichen gegen eine ganz bestimmte Band zu setzen.

Pe: Das Datum hat rein technische Gründe. Die Grösse des Platzes und wann dieser bespielbar ist.

10.) Plant ihr die Konzerte am Hockenheimring mit Rahmenprogramm zu versehen? Gibt es schon Ideen für mögliche Supportbands? Wäre eine Möglichkeit Supportbands aus der alten Onkelz-Zeit wieder an Bord zu holen?

Pe: Es gibt zwei Vorbands, die noch nicht fest stehen aber keine aus alten Tagen.  Es ist ein Konzert bzw. zwei und kein Festival, deshalb wird sich ein Rahmenprogramm in Grenzen halten.

11.) Habt ihr euch insgeheim schon Gedanken zur Setlist gemacht? Neben denen, die schon viele Male die Onkelz erleben durften, wird es sicherlich auch eine nicht unbeachtliche Menge von Menschen geben die am Hockenheimring ihre Onkelz-Premiere feiern. Wie wollt ihr diesen Spagat meistern um möglichst viele Fans zufrieden zu stellen?

Pe: Wir müssen und wollen die Klassiker spielen, viele dieser Songs können wir nicht weglassen. Wir sind gerade dabei die Setliste auf einen Nenner zu bringen. Jeder schreibt seine eigene Wunschliste. Wir gleichen ab, nehmen die Deckungsgleichen. Über die anderen müssen wir uns dann einigen, abwägen was am besten passt.

12.) Wichtige Frage: Wird es zwei unterschiedliche Setlisten für die Abende geben? Und habt ihr schon mal über eine Setlisten-Abstimmung unter den Fans nachgedacht? Wir haben da schon was für euch in die Wege geleitet 😉

http://www.mindfuck-society.de/2014/01/31/was-wollt-ihr-hoeren-der-onkelz-setlist-poll/

Pe: Nein, die Setliste ist identisch am zweiten Tag. Es ist ein Zusatzkonzert. Wir suchen die Songs selbst aus, nach so langer Zeit ist es uns ein Bedürfnis.

13.) Wie sieht es mit unveröffentlichtem Material am Hockenheimring aus? Wir erinnern gerne an „Das ist Amerika“.

Pe: Das wird es nicht geben.

14.) Wie stehen die Chancen für einen Livemitschnitt vom Hockenheimring? Die Idee das Vaya Con Tioz noch mal als BluRay raus zu bringen, verfällt wahrscheinlich mit den Comeback-Konzerten?

 Pe: Es wird ein spektakuläres Konzert und wir nehmen es auf.

15.) Bei all dem Fokus auf das Onkelz-Comeback bleibt die Frage nicht aus, was mit euren Soloprojekten passiert. Im Metal Hammer habt ihr grünes Licht für den Fortbestand eurer Projekte gegeben. Das war jedoch vor der Entscheidung ein Zusatzkonzert auf Grund dieser krassen Nachfrage zu spielen. Die Onkelz scheinen größer als je zuvor – liegt der Fokus für 2015 nun erst mal auf BO?

Pe: Die Soloprojekte laufen parallel. Wer, wo was, wann, wie, wird sich herausstellen.

16.) Ab wann werdet ihr intensiv mit den gemeinschaftlichen Proben beginnen? Ist es für euch komisch wieder eure Onkelz-Songs auf dem Instrument zu spielen?

 Pe: Wir fangen im April an. Ich übe schon seit November. Meine Zellen haben zum Glück nicht all zu lange gebraucht, um sich wieder zu erinnern 🙂 Es macht mir Spaß.

17.) Ihr habt den BOSC mehr oder weniger in einer Nacht und Nebel Aktion letztes Jahr aufgelöst. Jetzt stellt sich natürlich die Frage ob mit den Onkelz auch der Supporters Club wieder zurück ins Leben findet?

 Pe: Das war kurz vor dem Zeitpunkt, als die Wiedervereinigung noch vor der Tür stand. Die Luft im BOSC war halbwegs draussen und er schipperte ziellos umher. Der Halt an der Band war gleich Null, weil es die nicht mehr gab. Verwaltungstechnisch hatte sich dort wohl einiges angehäuft, was bereinigt werden musste. So beschlossen wir einen sauberen Strich zu ziehen. In der alten Form ist erst mal nichts geplant, aber es gibt neue Ansätze im Netz, die noch zu jung sind, um sie zu erwähnen.

18.) Wir waren doch sehr erstaunt über den scharfen Beschuss gegen die Toten Hosen im Metal Hammer. Dass mit Frei.Wild und den Ärzten gewisse Diskrepanzen herrschen ist bekannt, aber dieser kleine Seitenhieb gegen die Hosen hatte uns doch schon gewundert, da seit Jahren alles in Ordnung schien. Im Netz sind wir immer wieder auf Fanäußerungen á la „Musste das jetzt wirklich sein?“ gestoßen.

Pe: Das war eine Einzelaussage. Jeder hat da seine eigene Meinung. Die darf man haben.

19.) Nach wie vor ist das Interesse bzw. der Bedarf an Onkelzstoff hoch. Wie sieht es aus mit der Realisierung des Onkelzfilms? Wird das irgendwann noch mal angegangen?

Pe: Die Idee schwebt noch im Raum. Konkrete Ansätze gibt es noch nicht.

20.) Sammy von den Broilers hatte sich aktuell in einem Interview sehr positiv über Stephan, bzw. die Onkelz geäußert: „Richtig, ich mag Stephan Weidner als Menschen, und glaub‘ mir, ich habe mich dagegen gewehrt ihn zu mögen. Man darf nicht vergessen, dass die BÖHSEN ONKELZ mit ‚Deutschland im Herbst‘ einen der wichtigsten Anti-Nazi-Songs überhaupt geschrieben haben. Außerdem hat die Band ein riesiges Potenzial, Jugendliche davon abzubringen rechts zu sein oder rechts zu werden. Was sollen Campino oder ich diesen Kids erzählen? Die bezeichnen uns doch mit diesem grauenhaften Wort ‚Gutmenschen‘. Wenn Stephan Weidner oder die BÖHSEN ONKELZ denen aber etwas sagen, dann hören sie zu, weil diese Band in den Köpfen dieser Leute ankommt. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mir immer gewünscht, dass sie sich wieder zusammen tun. Nicht, weil ich zu deren Musik abgehen will, sondern weil ich will, dass sie endlich dieses Vakuum schließen, dass durch die Auflösung der BÖHSEN ONKELZ entstand. In diesem Vakuum ist so viel Müll gewachsen; diese so-genannte ‚Deutschrock‘-Szene, die einfach niemand braucht“.

Pe: Gutes Statement.

Glaubt ihr das Bands aus dem Deutschrock-Genre, die nach dem Ende der Onkelz entstanden sind, fortan es schwieriger haben werden? Kann es sein dass z.B. für viele Fans Bands wie Frei.Wild uninteressanter werden?

 

Pe: Nur geringfügig schätze ich – unsere Musik war die ganze Zeit da und deren auch.

21.) Die letzten Worte sind wie immer euch. Was könnt und wollt ihr uns und euren Fans da draußen noch mitteilen?

Pe: Ich bin wie die meisten froh, dass es die Onkelz wieder gibt. Die Gegenargumente sind auch nachvollziehbar. Ich wünsche uns und Euch, dass Hockenheim unvergesslich geil wird und die Zukunft viel Gutes bringt. Danke für Eure unglaubliche Unterstützung, wir seh’n uns ! Pe

 

Leave a reply