Interview Der W, Stuttgart 2013

Mai 9th, 2013 | By Redaktion

Wir trafen Stephan und Dirk im Rahmen ihrer „W III“ Tour im Mai 2013 im LKA Longhorn in Stuttgart zum Interview. Geplant hatten wir ursprünglich ein Video-Interview, leider hat uns aber die enorme Lautstärke im Cateringbereich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Ton der Aufnahme war sehr bescheiden, was wir sehr bedauern. Jetzt haben wir uns noch einmal die Mühe gemacht und das Interview für unser Archiv in Schrift festgehalten.

credits: Mindfuck Society

credits: Mindfuck Society

Die erste Frage natürlich vorweg: Wie geht es dir Stephan nach deinem Unfall?

Stephan: Also mir geht es eigentlich wieder ganz gut…bin so aus dem Gröbsten raus und hab jetzt so richtig Spaß wieder auf den Konzerten. Also ich nehm immer noch meine Medizin usw., bin also immer noch schön vollgestopft mit Medikamenten aber bau auch da langsam so ein bisschen ab, weil ein Traum wäre natürlich so am Ende der Tour frei von Opiaten zu sein. Nicht das ich danach noch zur Entziehungskur muss. (lacht)
Das ist also momentan so Stand der Dinge, mir geht es eigentlich ganz gut.

 Ist es realistisch, dass du das Abschlusskonzert ohne Morphiumpflaster bestreitest?

Stephan: Ich sag mal, ich will es nicht riskieren, ne? Aber ich tu‘ die schon kleiner schneiden und hab jetzt schon die halbe Dosis und wie gesagt, ich hoffe das ich dann zum letzten Konzert endlich mal richtiges Bier trinken kann.

Man hörte, dass die W-Band auch von kleineren Wehwehchen geplagt ist? Henning ging es wohl nicht so gut?

Dirk: (nickt) Ja, der hatte Brech-Durchfall. Wenn ihrs genau wissen wollt. (lacht)

Aber bei dir ist alles gut?

Dirk: Ja, ich hab total Glück gehabt dieses Mal. Ich bin aber auch ein bisschen solider unterwegs, als auf den letzten Touren. Also jetzt nicht engelsgleich aber mach‘ immer noch so ein bisschen Sport und meine Gesangsübungen. Diesmal ist da also nichts mit Stimmbandentzündung. Ich hab echt jetzt mal mehr auf mich aufgepasst.

Ihr lasst es generell ja jetzt ein bisschen ruhiger angehen..

Stephan: Naja, ich sag mal, das größte Partytier ist ja jetzt sozusagen draußen, der ja immer normalerweise zuletzt ins Bett geht und am meisten säuft und der die anderen wahrscheinlich so ein Stück weit auch animiert..und der ist jetzt nicht da. Dementsprechend, denke ich mal, sind die Jungs jetzt auch ein bisschen früher im Bett und das tut uns allen auch mal ganz gut.

Dirk: Ja.

Stephan: Ich hab mir das auch alles viel schlimmer vorgestellt. Ich dachte erst, ohne Alkohol das geht irgendwie gar nicht, aber es geht doch ganz gut, ja. Und man kriegt es auch zurück in Form von die Stimme ist nicht weg, es gab keine großen stimmlichen Probleme..

Dirk: ..gar keine..

Stephan: ..keine bösen Krankheiten, außer den Rippen jetzt. Also dementsprechend läuft es eigentlich gut und die Stimmung ist gut.

Und hast du dir schon ne neue Sportart überlegt, die du jetzt in Angriff nimmst? Weil Joggen und Fahrrad fahren ist jetzt definitiv Geschichte!

Stephan: Wieso joggen? Wieso darf ich nicht mehr joggen?

Dein Knie?

Stephan: Jaaaa gut, man darf ja jetzt nicht päpstlicher sein als der Papst. Ich war ja joggen, bevor ich dann auf die glorreiche Idee kam wieder das Fahrrad zu holen. DAS Fahrrad zu holen…und das war ja dem Umstand geschuldet, das ich eben Probleme hatte mit dem Laufen wahrscheinlich auch durch die Knie und Fehlstellungen, keine Ahnung. Aber du, ich bin jetzt mittlerweile 50 Jahre da kommen halt diese kleinen Zipperlein und da muss ich durch. Scheissegal, irgendwann fällt er auseinander aber bis dahin seh‘ ich geil aus! (lacht)

Ich hab‘ von vielen Fans gehört, dass die Setlist dieses Jahr ziemlich gut ankommt. In wieweit hat euch denn da die Setlisten-Abstimmung im Vorfeld beeinflusst?

Dirk: Man macht das schon ein Stück weit, aber es ist auch viel Duplizierung und man achtet auch drauf, das eine gewisse Dramatik und Flow entstehen in der Setliste…und wir achten drauf, dass wir nicht zu viele Gitarrenwechsel haben, die wir bei anderen Touren zum Teil hatten, das es eben schön flüssig bleibt.

Stephan: Ja, es gibt ja mehrere Faktoren die da die Setliste bestimmen. Das ist zum einen wie Dirk gerade sagte, das Tuning ist entscheidend, dass wir eben nicht so häufig Gitarrenwechsel machen müssen, Songs gebundener spielen können, nicht so viele Pausen machen müssen und dann eben lieber an den richtigen Stellen mal längere Ansprachen vom Stapel lassen und somit geht es auch flüssiger Hand in Hand. Dann natürlich gucken wir auch auf unsere Faves, was uns jetzt am besten steht und wir wollten auch ein paar Gassenhauer wie „Gewinnen kann jeder“,  wir wollten so ein bisschen aus der Spaßecke raus, weil wir dachten: „Hey, wir wollen die Songs hören, die uns wirklich am besten stehen.“. Zuallerletzt gucken wir dann aber auch noch mal auf das Ranking und dann stellen wir fest, dass eigentlich doch ganz, ganz viele Songs an vorderster Stelle lagen, die auch für uns so die Favoriten waren. Okay und dann gibt es auch aus der unteren Region so zwei, drei Songs die wir dabei haben, da nehmen wir dann eben keine Rücksicht drauf. Wir wollen ja auch diese Songs etablieren, die jetzt nicht in erster Linie Party geeignet sind, wie jetzt z.B. „Mordballaden“ oder „Vergiss mein doch“, die uns halt irgendwie wichtig sind und die nehmen wir dann einfach trotz schlechtem Abschneiden im Internet-Voting, in die Setlist. Das letzte Album ist uns natürlich auch wichtig und da wollen wir lieber den ein oder anderen Song mehr haben und dann fällt eben ein anderer raus.

Dirk: Wenn wir Spaß haben auf der Bühne, dann haben alle anderen ja auch Spaß und ich denke, dass zeigt sich auch.

„Kampf den Kopien“ war erst in der Setlist drin, ist mittlerweile wieder rausgeflogen..gibt es dafür einen Grund? Ist das Thema zu heikel..

Dirk: Nein, das Thema nicht..das war einfach auch nur vom musikalischen, dramatischen ..haben wir da halt geguckt und dachten, da entsteht immer so eine kleine Lücke an der Stelle. Wir haben dann halt ausprobiert „Lektion in Wermut“ zu nehmen und gemerkt, dass läuft ein bisschen runder und hat sich halt jetzt so etabliert. Wir würden trotzdem auch „Kampf den Kopien“ spielen, aber es muss halt alles irgendwie reinpassen. Es kommt eben immer auf den Song an, auch wenn Leute einen Lieblingssong haben, wenn der halt nicht reinpasst in die Setliste, dann bringt es einfach nichts.  Das zerreisst ja die ganze Dramatik.

Stephan: Also wir haben natürlich, dadurch das wir jetzt eh schon ein paar Stimmungshits rausgeschmissen haben, gemerkt das in diesem Teil mit ..„Mordballaden“..ne, nicht „Mordballaden“..was kam vor „Kampf den Kopien“ ?

Dirk: „Herz voll Stolz“

Stephan: „Herz voll Stolz„! Richtig! „Herz voll Stolz“ und dann kam „Kampf den Kopien“ und da gab es dann so ne Lücke auf einmal, so stimmungsmäßig. Da wir ja eh auf ein paar Stimmungshits verzichtet haben, war mir das zu viel an der Stelle und dann haben wir versucht, wir Dirk sagte, „Lektion in Wermut“ mit reinzupacken und das hat besser gemacht. Wir müssen dann auch immer Rücksicht nehmen auf die Tunings, wenn wir einen komplett anderen Song reingenommen hätten, dann hätten wir auch wieder einen Gitarrenwechsel gehabt. Jetzt ist das Gesamtbild unheimlich rund und deswegen tue ich mich jetzt auch schwer, „Kampf den Kopien“ wieder mit reinzunehmen. Dann war es natürlich auch so, durch meinen Unfall haben wir auch ein-zwei Songs rausgeworfen…beispielsweise..ach, am besten sage ich es gar nicht, dann vermisst sie auch keiner..das ist das richtige Konzept (grinst).
Also wir haben die Setlist dann doch noch mal gekürzt, weil es zu Anfang einfach wahnsinnig schwer war für mich mit den Schmerzen die komplette Show durchzuziehen.

Dirk: Vielleicht können wir es ja sagen, „Lektion in Wermut“ war einer davon..

Stephan: Ja, „Lektion in Wermut“ war einer davon…

Dirk: ..der hat ja auch einfach wehgetan beim Singen, weil der muss mit Druck gesungen werden und..

Stephan: ..der ist ziemlich hoch auch und das hat richtig wehgetan. „Schlag mich“ war einer, den wir rausgeschmissen haben. Ja, aber trotzdem haben wir jetzt die Gewissheit das Viele am Abend glücklich nach Hause gehen, zumindest erweckt das so den Eindruck und dementsprechend sind wir total zufrieden mit der Auswahl.

JC hat ja erzählt, dass ihr eigentlich vor deinem Unfall geplant hattet, zwei Setlisten zu konzipieren als Bonus für die Die-Hard-Fans, damit diese mal andere Songs im Wechsel hören. Stimmt das?

Stephan: Jein..also nicht zwei Setlisten aber es war schon auch geplant, wir haben extra mehr eingeprobt um variieren zu können. Aber es hat sich jetzt so schön eingespielt, es geht gut von der Hand und wir haben tatsächlich wahnsinnig viel Spaß mit der Setliste, dass ich mich einfach total schwer tun würde irgendwas daran zu ändern und andere Songs zu bringen. Es läuft einfach tierisch gut durch und ich denke, das ist die Hauptsache und die Leute die oft kommen, die erleben ja sowieso jeden Tag was anderes (grinst). Ich vergesse immer irgendeine neue Textzeile oder es passiert etwas Unvorhersehbares. Es ist ja kein Konzert wie das andere, zu der immer gleichen Setlist. Es bleibt ja doch immer spannend, ne?

Klar, das auf jeden Fall. Gibt es denn einen Song von der neuen Platte (W III) der euch live besonders Spaß macht?

Dirk: Die machen alle besonders Spaß. Ehrlich gesagt. (grinst)
Ich hab letztens auch schon mal so eine ähnliche Frage gestellt bekommen und für mich ist der Song an sich eigentlich ziemlich egal. Mir geht es nur darum, richtig einzutauchen und fühlen, was der Song hat, den man gerade spielt. Wenn man das schafft, das wirklich zu empfinden, dann ist das tierisch. Das ist das Ziel und dann ist es egal, welcher Song das ist. Wenn du es wirklich fühlst, wenn du auch merkst es kommt bei den Leuten auch so an..deswegen macht man das aber auch.

Stephan: Genau, das Wichtigste ist einfach tatsächlich in deiner Setliste, in dem Song, diesen Moment zu stecken. Wenn du den hast, dann springt auch der Funke über. Es gibt eben zwei, drei Shows.. Göttingen war jetzt z.B. so eine Geschichte, Dirk ging es da ähnlich wie mir..es war ne tolle Show, die Leute waren gut drauf aber man merkt selbst als Musiker, dass man irgendwie auf Standards zurückgreift. „Ok, das kam jetzt im Laufe der Zeit gut an..dann wiederholt man sich so“ und nicht weil man 1000%ig drin ist. Man liefert dann eben so Standards ab, die funktionieren halt irgendwie. Aber die Shows, wo du dann wirklich drin bist, wo du in dem Moment wirklich drin bist, das sind dann die Konzerte, wo du dann abends da sitzt, wie gestern Nürnberg beispielsweise, und sagst: „GEIL!“. Da ist es dann auch egal ob da 700 Leute stehen oder 3.000. Das ist dann einfach so..das ist auch das was als Mucker wirklich am meisten Spaß macht.

Stichwort: „Ein Lied für meinen Sohn“. Was ist da die Tour los mit dir? Wir haben da so kleine Helferlein im Publikum, die immer fleissig mitzählen und wir kommen da auf 6-7 Konzerte, wo es einfach nicht geflutscht ist..beeinflusst dich der Song so emotional? Warum immer die eine Stelle?

Stephan: (lacht) Es ist ja nicht nur der Song..ok da war es jetzt wirklich gravierend und nicht zu erklären.
Ok, es gibt natürlich Erklärungsversuche..jedes Konzert ist ja schon auch anders und da ich zu der Kategorie Musiker gehöre, die unheimlich intensiv mit dem Publikum arbeiten..also sprich, auch Blickkontakt suche und versuche sich da auch was rauszuholen aus den Leuten. Da kann es gut sein, dass es da immer so Phasen gibt in denen ich tatsächlich immer so abgelenkt bin und die Konzentration verliere. Wäre jetzt für mich die einzige Erklärung im Moment. Ich könnte natürlich auch dastehen und sagen: „Ok ich konzentriere mich jetzt ganz genau auf das was ich da tue“, aber ich glaube, das wäre unheimlich langweilig. Für mich zumindest. Ganz ehrlich, ich gehe dieses Risiko einfach ein und habe nicht die Ambitionen das perfekte Konzert hinzulegen, sondern lieber in DEM Moment zu sein, da ist es mir tatsächlich wichtiger mit den Leuten zu interagieren, zu spielen und auch in deren Gesichtern zu lesen und dabei was für mich rauszuziehen. Das geht natürlich auf Kosten der Konzentration, dann entstehen solche Dinge und wieso es immer so gravierend gerade bei dem Song passiert, kann ich dir ehrlich gesagt nicht sagen. Es ist wahrscheinlich schon im Hinterkopf so eine kleine Blockade, ich komme mir ja selber manchmal schon ein bisschen dämlich vor. Auf der anderen Seite hadere ich auch nicht damit. Wie gesagt, ich habe mich auch bei Kevin entschuldigt..früher habe ich ihm immer heftigste Vorwürfe gemacht, das er sich Texte nicht merken kann und irgendwann habe ich ihn angerufen: „Hier Kevin, sorry ich weiß jetzt genau was da los ist..mir geht es auch die ganze Zeit so.“ Das ist wahrscheinlich einfach schon Teil einer Weidner-Show, das irgendwo ein Hänger ist. That’s the way it is..scheiss drauf!

Was hältst du von den netten Gesten mit den Zetteln vorne in den ersten Reihen?

Stephan: Super süß! Ich meine, einmal hat mich dieser Zettel an der falschen Stelle natürlich…dann singst du aber liest gleichzeitig noch irgendetwas, da musst du ja rauskommen, ne? Das ist wie gesagt, auch schon so ein bisschen meine Erklärung. Wenn ich was mitbekomme, was mich in diesem Moment vielleicht die Konzentration verlieren lässt. Wäre eine Möglichkeit. Kann aber auch einfach pure Doofheit sein.

Mal sehen wie es heute klappt..

Stephan: (grinst) jaa..

Kommen wir zu den Vorbands. „Dunderbeist“ – wie kam die Zusammenarbeit zustande? Wer hat das entschieden?

Stephan:  Na letztendlich entscheide ich, mit wem ich auf Tour gehe. Wir sammeln erst mal die Möglichkeiten und Vorschläge und Bands, die an uns heran getragen werden und dann wird irgendwie gesiebt.  Dann passt es manchmal terminlich nicht, dann war es auf dieser Tour so das keine der Bands, mit denen wir vor hatten auf Tour zu gehen, die ganze Tour über zu spielen. So haben wir uns letztendlich entschieden, dass so zu stückeln und aufzuteilen. Ich finde es auch ganz okay, grade die Leute die eben viele Shows besuchen, die müssen ja ihren Spaß haben, ständig andere Vorbands zu bekommen. Ich finde es gut.
Ich finde auch beide Bands gut. Wobei ich „Dunderbeist“ jetzt musikalischer noch ein wenig spannender finde, als Toxpack. Aber das sind supernette Jungs, mega sympathisch und ich fand es toll das sie dabei waren.

Habt ihr was von den Rock’n’Roll Overdose Vorbands in Frankfurt mitbekommen?

Dirk: (schüttelt mit dem Kopf) Wenn ich selbst spielen muss, dann gucke ich mir ganz selten andere Bands an. Ich bin dann einfach in meinem eigenen Film und muss mich irgendwie fokussieren.  Manchmal ist es so, wie jetzt hier zum Beispiel, dass man einen Balkon hat und ganz easy mal auf die Bühne schauen kann. Aber normalerweise steht man dann an der Seite und da ist eh ein Scheiss-Sound. Es ist nicht so, als würden mich die Bands nicht interessieren, aber ich muss mich sehr auf mich konzentrieren.

Sind neben dem Summer Breeze weitere Festival-Auftritte für dieses Jahr geplant?

Stephan: Leider nicht. Es gab noch ein paar andere Angebote, aber das waren eher so B- und C-Festivals und viel Deutsch-Rock-Kram und so. Da haben wir uns nicht so motiviert gefühlt zuzusagen. Summer Breeze, freuen wir uns sehr drauf, vielleicht können wir noch ein, zwei ausgefallenen Shows nachholen..wäre ein Gedanke, aber das ist im Moment alles noch nicht spruchreif.

Gibt es eine Option für eine mögliche Wintertour?

Dirk: Keine Ahnung. Also, wir spielen natürlich immer gerne, aber das muss ja auch alles irgendwie passen.

Stephan: Wir betreiben ja das was wir tun mit einer Menge Aufwand und dementsprechend braucht das Vorbereitung, kostet wahnsinnig viel Geld. Ich weiß, es gibt Leute die uns oft sehen wollen. Ich denke, für mich persönlich, dass ich mal eine Auszeit bräuchte. Da warten noch zwei, drei andere Aufgaben auf mich, die ich zu bewältigen habe und nach denen, wird es mir glaube ich, mal ganz gut tun kurz Luft zu holen.
Klar, spiele ich total gerne und es läuft eigentlich. Wenn ich mir die ganze Tour so vorstelle, es läuft unheimlich harmonisch zwischen uns, der Crew. Die Leute sind wahnsinnig gut drauf. Es macht echt einen Heidenspaß auch jetzt wo ich beginne, dass alles auch genießen zu können, ne? Klar, kann ich mir das vorstellen zu spielen, das ist auch toll für uns zusammen abzumucken. Aber es ist auch so, dass ich auch einfach mal, auch gegen meinen immer unruhigen Geist ankämpfen muss, und mal sagen muss: „Ey, mach mal ne kurze Pause. Atme mal richtig durch.“ Ich will auch mit den Jungs bald ein neues Album machen, so schnell wie es geht. Naja nicht so schnell wie es geht, aber..wir haben Bock halt. Aber mal durch schnaufen wäre glaube ich, schon ganz geil.

Das wäre die nächste Frage gewesen: Neues Album kommt dann dementsprechend..

Stephan: ..es kommt, aber wir haben jetzt noch nichts. Mal davon abgesehen, dass ich immer Textideen sammele, haben wir jetzt noch über gar nichts nachgedacht. Wie gesagt, alles zu seiner Zeit. Neues Album haben wir Bock drauf definitiv, da brauch sich keiner Sorgen zu machen. Aber wann das sein wird, das kann jetzt noch keiner sagen.

Kommen wir zu deinem Lieblingsthema, du ahnst es vielleicht..

Stephan: Nee?

Was ist mit „Komm schon“ ?

Stephan: Ach, mein Lieblingsthema! (lacht)

Gibt es irgendetwas neues zu erzählen zu diesem Projekt?

Stephan: Also, ich müsste im Prinzip nur mal meinen Arsch hochbekommen und es mangelt mir tatsächlich an für einer, für mich ganz wichtigen Komponente, denn der Song der steht ja soweit, oder der Text oder auch die Kooperationen..da gibt es ne Menge interessanter Zusagen, aber auch sicherlich mehrere Personen, die ich gerne dabei hätte, die wir erst mal im Detail abklopfen müssen ob das funktioniert.. Termine bestimmen müssen, usw. Aber es fehlt eine ganz entscheidende Geschichte die zu diesem Projekt dazugehört und das ist dieses Manifest, was ich gerne doch noch mal, wie soll ich sagen..was ich damit bewirken möchte oder das was es sein kann, dies gilt eben noch in Worte zu fassen und diese Worte sind nicht einfach zu finden, sie müssen leicht verständlich sein, sie müssen kurz sein und sie müssen trotzdem jeder Kritik standhalten. Es soll einfach ein Projekt sein, was von Herzen kommen soll und keinen kommerziellen Hintergrund haben darf. Es ist nicht so einfach, tatsächlich hapert es daran und darauf fehlte mir wahrscheinlich in der Vergangenheit die Muße dazu, mich darum zu kümmern. Wenn ich es schaffe jetzt nach der Tour und nach zwei, drei anderen Dingen, die jetzt noch anstehen, mal nach einer kurzen Ruhephase mich damit zu befassen, dann glaube ich, kriege ich das auch hin. Ja und dann wird es sicherlich eine spannende Geschichte. Alle, mit denen ich bisher dazu gesprochen habe, sagen dazu „Wow! Wahnsinn! Setz das Ding um, mach das!“, und ja wie gesagt, ich will auch keine leeren Versprechungen machen, es wird irgendwann kommen. Ich hoffe, dass ich mir nicht ewig lange Zeit lassen muss.

Du sagst, zwei, drei andere Dinge..sind das Projekte, die die Band betreffen oder..

Stephan: Da darf ich jetzt noch nicht drüber reden.

Gut.. du wirst diesen Monat 50…

Stephan: Hach, stimmt ja..

..macht ihr euch beide Gedanken über das Älter werden oder ist es euch egal? Mich beschäftigt das z.B. schon.. Wie ist es mit euch? Wird man entspannter?

Dirk: Ja schon. Ich weiß noch, wie es war als ich 30 wurde. Damals (lacht). Da wurde alles gut. Tatsächlich ist es ja so, wenn man älter wird, ich bin jetzt 38..eigentlich noch recht jung..

Stephan: Ja noch jung..

Dirk: Ne aber, ich hab zwei Kinder, die groß werden und man wird schon entspannter. Ich für mich jedenfalls. Viel mehr als ich in meinen 20ern war. Ja man merkt aber auch die körperlichen Defizite die dann kommen, man ist nicht mehr so belastbar und so. Man muss sich halt ein bisschen umstellen, aber man kann sich ja auch ein bisschen verändern und dann macht das auch Spaß.

Stephan: Ja, ich denke auch wenn man ..ich finde das Älter werden auch eher, wie soll ich sagen, empfinde das als etwas Schönes. Man darf halt nicht versuchen, all zu sehr in der Jugend hängen zu bleiben. Jede Phase des Lebens hat eine total schöne Komponente und ich kann mir das Altern total gut vorstellen, mir macht das eigentlich eher Spaß. Ich fühle mich, ja man reift ja und weiß mehr und kann gewisse Dinge mit mehr Gelassenheit angehen. Trotzdem mag ich auch diesen ganzen jungen Wahnsinn und als ich 30 war, also bitte, da hat mich ja gar nichts gehalten. Da war ich ja total vom Wahnsinn besessen. Schöne Zeit, aber die ist auch vorbei und ich bin froh, dass ich sie auch ausgiebig genossen habe aber ich vermisse sie jetzt auch nicht. Ich ersetze sie halt durch andere Dinge und deswegen macht mir das Alter auch nichts aus. Wichtig für mich ist, dass ich die körperliche Fitness irgendwie beibehalte, mir ständig neue Herausforderungen setze, die müssen jetzt aber nicht sportlich sein (grinst). Wie gesagt, Älter werden macht eigentlich Laune, finde ich. Weil ich einfach auch ruhiger werde und gelassener und entspannter bin.

Ihr habt vor ca. zwei Monaten ein Video online gestellt in dem ihr beide beim Tätowierer wart..und ihr habt beide zum Teil gleiche Zeichensymbole auf euren Fingern..

Stephan: Wir sind tourschwul!

Tourschwul, ah ja. Wir sind ein wenig neugierig, was die Zeichen zu bedeuten haben..

Stephan: Naja, ich meine, ein umgedrehtes Kreuz..mein Sohn hat mich drauf gebracht. Für mich bedeutet das einfach, das Gute und das Böse. Es gibt Himmel und Hölle und all die Dinge, die auch in dir stecken und nicht Orte sind an die man geht und sich daran zu erinnern, dass Dinge eben in einem selbst drin sind, die man selbst steuern kann, das selbst in die eine oder andere Richtung bewegen, man kann das Gute gewinnen lassen oder das Böse, aber sie existieren zu gleichen Teilen in einem selbst. Das bedeutet für mich dieses Symbol.

Und der Anker?

Stephan: Der Anker ist Hoffnung und Zuversicht und die Zuversicht ist für mich doppelt wichtig, grade auch in Phasen, wo es einem vielleicht nicht ganz so gut geht. Das man die aber eben halt auch annimmt und nicht verzweifelt, nicht sich zu sehr grämt, sondern das als eine Herausforderung ansieht und auch mal als eine Phase der Demut irgendwie reflektiert. Wo man auch einfach mal „Danke“ sagen muss, für all das was so passiert ist und nicht dann gerade sagt „wie scheiße, dass das jetzt grade nicht da ist..“.. es tut auch einfach mal ganz gut, ein bisschen wieder runter zu kommen. Es schrumpft sich alles ein bisschen kleiner und das ist total gesund. Man sieht im Prinzip, dass man gar nicht viel braucht um glücklich zu sein. Aber trotzdem warten da draußen noch ganz viele spannende Dinge auf einen, du darfst also nie irgendwie das Positive verlieren. Was willst du noch wissen?

Wir zeigen auf das nächste Symbol.

Stephan :Das andere ist geheim! Das geht niemanden was an…

Und das auf dem kleinen Finger?

Stephan: Ewigkeit.

Ok! So kommen wir zu eurer Top 3 der Tour. Welche Städte waren besonders gut?

Dirk: Hannover war halt die erste Show die stattgefunden hat. Hamburg war gut und gestern, Nürnberg war glaube ich, das Highlight. Obwohl der Laden ja eigentlich total fertig ist..und man hat gar nicht den Platz die ganze Lichtanlage aufzubauen, aber die Atmosphäre war einfach richtig toll.

Stephan: Hannover ist mir halt sehr gut in Erinnerung geblieben, Köln war auch sehr,sehr schön.  Frankfurt war ne klasse Show, fand ich.

Frankfurt hat glaube ich niemand erwartet, dass es so gut wird.

Stephan: Ne, da habe ich..da haben wir  eh immer die Konzerte, wo ich so wenig Erwartungen hatte..Frankfurt war ja auf Grund des letztens Konzertes eher „ach komm..“, das winken wir dann wieder irgendwie so durch, war nun aber überraschend gut gewesen. Tolle Show. Nürnberg gestern war auch der Hammer. Das waren halt so die Highlights.

Die letzten Worte sind wie immer euch. Möchtet ihr noch irgendwas loswerden?

Dirk: Ich will meine Oma grüßen (lacht).

Stephan: Vielleicht darf ich einfach mal so anmerken, dass ich finde, dass wir ein total tolles Publikum haben. Also wir haben jetzt zwar über drei, vier Städte gesprochen, wo es ganz besonders toll gewesen war, aber auch alle anderen Konzerte waren schön. Ich habe das Gefühl gehabt, die Leute sind alle sehr happy nach Hause gegangen. Ich hoffe, die erzählen es ihren Leuten, die daheim geblieben sind und bringen sie das nächste Mal mit. Sonst ist eigentlich alles gut. Man kann echt nur Danke sagen. Wir haben jetzt auch wirklich unsere Fangemeinde vor uns stehen, ich hoffe, dass die Begeisterung eben mit nach Hause genommen wird und eben an Freunde und Freundinnen und Familie weitergegeben wird und das wir das nächste Mal eben den ein oder anderen mehr hier sehen.

Leave a reply