Der W live in Würzburg: Rock’n’Roll vs. Morphium

April 28th, 2013 | By Sarah

“Haste nicht Bock über den Gig was zu schreiben?”

Die Bitte kann ich Stephan nicht abschlagen, also lasse ich für euch das Konzert in Würzburg Revue passieren.
Nachdem ihr die letzten Konzerte so euphorisch im Blog, bei Facebook, Twitter oder im Forum abgefeiert habt, bin ich ziemlich neugierig was mich in der alten Posthalle in Würzburg erwartet.

Das Wetter ist schon mal nicht auf unserer Seite, als ich gegen 18:30 Uhr zum Einlass komme. Um die 200 W-Dianer harren bereits bei fiesem Regenwetter vor den Schleusen aus und wollen eigentlich nur eines: Endlich rein in die warme Stube! Vor die Bühne, an den Bierstand oder zum Merchandise – egal – Hauptsache rein. Und das gilt auch für mich!

Eigentlich bin ich ein “Erste-Reihe-Steher” der ersten Stunde, denn ich bin der Meinung, dass man nirgendwo sonst in der Halle das Konzert so intensiv wahrnimmt wie dort. Einige werden jetzt sicherlich denken: “Ja klar, lass die Alte reden. Plattgedrückt am Gitter ist bestimmt sehr intensiv..” aber für mich gibt es nichts Magischeres als das Geschehen mit direktem Blick auf die Musiker und die Bühne aufzunehmen. Wie sagt Stephan immer so schön? Für ihn gibt es nichts Schöneres als unsere Emotionen direkt in unseren Gesichtern zu sehen. Ja, verdammt mir geht es genauso – nur umgekehrt. Heute breche ich jedoch diese von mir selbstauferlegte Regel und entscheide mich für die “Überall-mal-stehen-und-glotzen”-Variante.

Den ersten Test dafür liefern mir sechs bärtige Männer aus Norwegen. Dunderbeist sind seit Köln als Support-Act mit an Bord. W-Drummer JC ist vollends begeistert von den Nordmännern und ich muss ihm beipflichten. Die Jungs wissen die Menge zu begeistern und lassen die Heavy-Metal-Spiele beginnen: Dutzende Köpfe bangen im Takt, verstärkt wird dies mit dem obligatorischen Metal-Gruß in der Luft. Das gefällt nicht nur den Norwegern sondern auch den Würzburgern. Diese honorieren das Set mit anständigem Applaus.

Jetzt wird es jedoch Zeit für DER W.
Hat Dr.Rock unseren Dauerpatienten für eine fette Rock’n’Roll-Sause wiederhergestellt? Die Frage muss nicht beantwortet werden, denn sofort beim Opener “Operation Transformation” ist klar, wer hier heute Abend
die Halle regiert. Stephan ist zurück! Das Adrenalin wirkt und verdrängt die Schmerzen. Ich kann in den hinteren Reihen nicht mehr an mich halten und suche mir einen neuen Platz. Näher ran heißt die Devise. Mehr Emotionen aufnehmen!

“Kampf den Kopien” ist fürs erste aus der Setliste geflogen und macht den Weg frei für “Lektion in Wermut”. Schon auf Platte ist das Lied einer meiner persönlichen Favoriten, doch live knallt der Song doppelt.
Das Lied entwickelt sich zur straighten Up-Tempo-Nummer und ich kann beim besten Willen keinen angeschlagenen Stephan auf der Bühne erkennen. Die drei gebrochenen Rippen können den Adrenalin-Kick nicht stoppen.

Ein weiteres Highlight ist die neu auferlegte Choreographie zu “Mordballaden”. Stephan teilt die Halle kurzerhand in zwei Hälften auf. Während die eine Seite den epischen Background-Part von JC übernimmt, stimmt die andere Hälfte mit Stephan die Refrain-Zeilen an. Die Posthalle wird für einen kurzen Moment zum Stadion und ein Hauch Gänsehaut liegt in der Luft. Stephan erzählt, dass dies die erste alkoholfreie Tour für ihn ist und bekommt prompt ein paar Mitleidsbekundungen aus dem Publikum. Schuld daran ist Dr.Rock, der ordentlich Morphium dosiert. Der Stimmung tut es keinen Abbruch, es wird weitergefeiert in der alten Posthalle.

Beendet wird der Rock’n’Roll Abend mit “Regen” und zum ersten Mal höre ich keine verstärkten “Onkelz” oder “Mexico”-Rufe im Publikum. Irgendwie schön und hoffentlich hält dies noch auf den nächsten
Konzerten an. Die Band verabschiedet sich von den feierwütigen Würzburgern und die Crew beginnt sofort mit dem Abbau. Schließlich steht als nächstes das Heimspiel in Neu-Isenburg an.

Ich verabschiede mich von der Band und mache mich ebenfalls auf die Reise durch die Nacht.
Danke Würzburg für den schönen Abend, das war wirklich klasse!

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