Abschied vom W in Neu-Isenburg

Dezember 27th, 2011 | By Sarah

Heimspiel von Stephan bedeutet auch für mich Heimspiel. Es wäre ein Unding nicht zum Konzert nach Neu-Isenburg zu gehen, wenn man doch nur 30 Minuten davon weg wohnt. Ausserdem habe ich jedes verdammte Mal die Hoffnung, dass das Frankfurter Konzertpublikum aus seiner Schockstarre aufwacht und endlich mal mit dem Abrocken beginnt. Das ist nämlich leider typisch für Frankfurt. Die besten Feiermenschen sind wir irgendwie nicht. Dies zieht sich durch Clubs bis hin in die Konzerthallen und es ist einfach tragisch. Sicherlich gibt es auch Ausnahmen, aber bleiben wir doch mal bei der auffallenden Mehrheit an Besuchern. Wobei meine These noch ist, dass die Stimmungsmachenden Zuschauer auf Frankfurt-Konzerten meist gar nicht aus Frankfurt kommen, sondern eine weite Anreise hinter sich haben… 😉

Aber genug über den steifen Frankfurter hergezogen, kommen wir wieder zum Weidner, der ja auch aus der Mainmetropole stammt. Wenn er Zuhause lädt, dann kommen alle. Nicht nur Fans sondern auch massig Freunde und Familie, so sollte es natürlich auch in Neu-Isenburg sein. Aber der Reihe nach…

Ich erreiche gegen 15:00 Uhr die Hugenottenhalle, die ich schon von anderen Konzerten kenne. Gonzo habe ich mir dort 2008 angeguckt oder im Oktober erst die liebenswerten Broilers. Da hat es sogar ordentlich gescheppert für Frankfurter Verhältnisse….aaah, ich schweife schon wieder ab…

Eschenbach macht gerade Soundcheck und der halbe Vorplatz der Halle bekommt es lautstark mit. Schalldicht ist hier nichts und die Leute bleiben interessiert stehen. „Wer spielt denn da heute Abend?“ hört man immer wieder, bevor die Menschen doch im Nahe liegenden Einkaufszentrum verschwinden. Der Soundcheck scheint vorüber, denn Micha Mainx kommt aus der Halle und wir verfallen in einen längeren Plausch. Auch Micha überlegt kurz noch mal nach Hause zu fahren, bleibt dann aber doch hier, da sich Frau und Kind zur Show angemeldet haben. Lieber zeigt er seinem kleinen Sohn das Mischpult und die große Bühne.

Ich vertreibe mir die Zeit im Einkaufszentrum und erwische Eschenbach dinierend bei „Nordsee“. Da will ich nicht stören und stoße dafür auf Wiebke, die mit mir auf Autonomie I gefilmt hat. Sie ist extra aus München angereist. Große Wiedersehensfreude ist da vorprogrammiert. Während Wiebke noch mal die Eschenbach-Buben im Bandbus besucht, treffe ich Tobi und Kevin von Mindfuck. Auch hier ein kurzer Plausch über die vergangenen Konzerte, bevor ich mit Tobi noch bei „Best Worscht in Town“ verkehre, um mein großes Hungerloch zu stopfen. Nichts ist schlimmer als ein knurrender Magen in der ersten Reihe und diese hatte ich heute definitiv angepeilt. Sollte Neu-Isenburg doch mein letztes W-Konzert für lange werden.

by Jürgen Köhler

Mit ein bisschen Hexerei und dank einer guten Fee waren Tobi und ich schon etwas früher in der Halle und nutzten die Möglichkeit, noch ein wenig mit der Crew zu quatschen. Ich erwähnte es ja schon im Berlin-Bericht, dass die Jungs mir wirklich sehr ans Herz gewachsen sind. Auch sie würde ich wohl eine lange Zeit nicht mehr sehen, also jede kostbare Minute an Smalltalk und Nettigkeiten ausnutzen. Da Thomas Hess diesen Abend die Tourabrechnung machte, übernahm er auch kurzerhand das Kommando über die lokalen Securities von IH und verlegte den Einlass auf eine halbe Stunde früher. Sehr zu Freude der draussen wartenden Fans. Es ist einfach zu kalt draussen, Stephan sollte sich das wirklich mal für die nächste Tourplanung zu Herzen nehmen. Ich will nicht wissen, wie viele Fans nach den Konzerten mit Erkältung, Grippe oder Lungenentzündung im Bett lagen.

Die erste Reihe ist heute relativ anonym. Ausser David und Micha aus dem Mindfuck-Sektor, Kevin und Tobi kenne ich dieses Mal niemanden. Was aber auffällt, ist das sehr junge Publikum in Neu-Isenburg. Jedenfalls in den ersten Reihen. Viele Mädels mit Handtaschen stehen vorne und ich bin mir fast sicher ,dass es eines ihrer ersten Konzerte ist. Handtaschen sind doch so unpraktisch vorne!

Eschenbach kommen relativ gut beim hessischen Publikum an. Man merkt allerdings, dass Riitchy enorm mit seiner Stimme zu kämpfen hat.  Jedoch so eine richtige Konzertstimmung kommt irgendwie noch nicht auf. Ich hoffe immer noch, dass es beim Hauptact besser wird. Blöderweise hatte ich mir nichts mehr zu trinken geholt und bereue schon meine scharfe Currywurst von „Best Worscht in Town“, bevor das Konzert vom W überhaupt angefangen hat. Ich habe Durst! Und was für einen!

Doch da muss ich durch. Es wird dunkel und in wenigen Sekunden wird es los gehen. Der W wird ein letztes Mal für mich rocken. Ich bin sehr gespannt, freue mich und bin melancholisch zu gleich. Die Band betritt die Bühne und Neu-Isenburg honoriert das mit Jubel. Nicht total euphorisch, schon noch ausbaufähig – aber so sind sie ja die Frankfurter. „Leinen los“ ist gänzlich unbekannt im Publikum, nur die Die-Hard-Fraktion, die schon mehrere Konzerte besucht hat, kann mittlerweile den Text mitsingen oder zumindest mit brummen. Ich finde den Song stark, irgendwie erinnert er mich an „Du kannst es“, weil er für mich auch eine positive Botschaft ausstrahlt und leicht daher kommt. Vielleicht etwas zu leicht für einen Opener, aber definitiv besser als „Was ist denn hier nicht los“.

Leider kommt das Publikum auch nach dem zweiten Song nicht wirklich aus dem Quark. Es herrscht überhaupt kein Druck in den ersten Reihen, die jungen Mädchen gucken lieber stumm den W an und zeigen ansonsten keine Regung. Sie scheinen zu sehr in Stephans Bann gezogen zu sein. Ja, und die Jungs? Widmen sich mehr den neuen Medien und zücken Smartphone oder Videokamera und filmen das Konzert. So wirklich Rock’n’Roll gibt es vorne nicht. Je weiter das Konzert voran schreitet und sich nichts an der Situation vorne ändert, desto gereizter werde ich. „Mann, wo bleibt der Druck?“ frage ich mich immer wieder und vermisse eigentlich auch die starken Fangesänge, die man sonst von W-Konzerten kennt. Neu-Isenburg lässt es ruhig angehen. Action passiert das erste Mal, als eine alte Frankfurter Freundin von Stephan durch den Graben rennt und der Band ihre Brüste zeigt. Jawoll! Danke Frankfurt, auf die üblichen Verdächtigen kann man sich also Stimmungsmäßig doch noch verlassen. 😉

by Edmund Hartsch

Ein paar Lieder später, meint eine zweite Frau einen großen Auftritt haben zu müssen und schafft es irgendwie auf die Bühne. Der W ist etwas irritiert. Er kennt die Frau nicht, die sich ihm langsam und irgendwie verschüchtert nähert. So wirklich weiß sie wohl auch nicht,was sie da macht. Als sie neben Stephan steht, sagt sie: „Nur einmal küssen…nur einen Kuss..“ und drückt sich an den W.  Dieser lächelt professionell, bevor der weibliche Mega-Fan sich wieder von dannen macht. Wirklich komisch!

Ich freue mich dafür besonders, als Stephan die Ansage zu meinem Lieblingslied „Du kannst es“ macht. Den Song hatte ich sehr auf Autournomie I vermisst, umso toller ist es, dass es der Track dieses Mal in die Setlist geschafft hat. Ich glaube, es gibt einfach keinen positiveren W-Song. Einfach so verdammt schön.

Sportlich bin ich heute besonders gut drauf und kann zwei Mal eine Wasserflasche von Stephan und JC fangen. Endlich was zu trinken! Doch auch das kann das Konzert für mich nicht in die Championsleague befördern. „Der W,zwo, drei“ kommt wieder nett durch Stephans Animation und es wird noch mal prickelnd, als der W kurz vor Schluss seine obligatorische Dankesrede anstimmt. Die Crew wird gelobt, die Fans und dieses Mal schickt er auch einen Gruß an seine Mutter, die anwesend ist. Ebenfalls auf dem Konzert ist die Mutter von Andreas „Trimmi“ Trimborn. Kurz kommt Gänsehaut auf. Möchte man sich einfach vorstellen, wie stolz eine Mutter auf ihren Sohn ist, der mit seiner Arbeit Millionen Menschen glücklich macht. 🙂

Nach der Show schauen Tobi und ich noch im Backstage vorbei. Ich will mich von der Band und Crew verabschieden, halte aber noch kurz einen Plausch mit dem Rockland Radio Team, die zu Gast sind oder mit der wunderbaren Eva Zocher, die Fotos vom Konzert geschossen hat. Stephan fragt mich, wie mir das Konzert gefallen hat und ich erzähle ihm von meinen Empfindungen. „Aber du hattest sichtlich mehr Spaß als in Berlin.“ grinst er und dem muss ich natürlich zustimmen. Kurz erzähle ich Anwesenden noch mal meine persönliche Berlin-Knock-Out-Geschichte, zu der alle nur mit dem Kopf schütteln können. Einfach uncool!

Es ist kurz nach Mitternacht und für mich ist es Zeit zu gehen.Ich drücke Dirk und JC an mich, verabschiede mich von Henning. Die Band wird mir wirklich fehlen. Drei verdammt coole Typen, keinen möchte ich mehr missen. Dann stehe ich vor Stephan. Er hat sein Weinglas in der Hand und er ist bereit zum feiern. „Wie du gehst schon?“ fragt er und ich nicke.“Ja…es wird Zeit…“ – Ich drücke Stephan zum Abschied und bedanke mich noch mal für die Konzerte, bevor ich mich raus in die Nacht mache…

One Response to “Abschied vom W in Neu-Isenburg”

  1. Dominic sagt:

    Schöner Bericht.

    Stimmt schon, Stimmung war leider nicht so toll, das bin ich von Saarbrücken (Komme aus dem Saarland) anders gewohnt 😉

    Ich habe ab Leinen los jedenfalls alles gegeben und hatte megaviel Spaß, wer da kein Bock drauf hat ist selber Schuld!

Leave a reply