Der W in Berlin – Ein Resümee

Dezember 22nd, 2011 | By Sarah

Eigentlich wollte ich ja alle W-Konzerte im Dezember besuchen, doch irgendwie war bei mir persönlich die Luft raus und ich habe meine Prioritäten anders gesetzt. Schön spießig die Uni auf #1, alles andere danach und „hey, was soll ich sagen?“ So weh hat es gar nicht getan.

Allerdings war klar, dass Mindfuck auf jeden Fall in Berlin am Start sein musste. In der Hauptstadt kann man einfach am besten feiern und wieso das nicht gleich mit zwei Weidner-Konzerten verknüpfen? Das erfreute auch den W persönlich, als wir beide kurz im November via Skype darüber quatschten, wo man sich denn mal wieder sehen würde, schließlich war unser letztes Treffen beim finalen Tourabschluss der Autournomie I in Göttingen gewesen. „Berlin? Alles klar, dann meld dich, ja?!“ waren Weidners Worte und diese Aufforderung nahm ich also gerne in Anspruch.

The Scarlets

Foto by Edmund Hartsch

Zusammen mit dem Mindfuck Vice-Präsidenten Tobi reiste ich einen Tag vorher an um das Berliner Nachtleben auszukosten. Da es wirklich noch Menschen gibt, die noch nie in Berlin waren, zeigte ich Tobi kurz die wichtigsten Touri-Punkte in der Hauptstadt, bevor wir uns zum abendlichen Tapas essen mit Katta, ansässige Berlinerin und ebenfalls Mindfuck Member, sowie Flo von der W-Crew verabredeten. Mit einer guten abendlichen Grundlage feierten wir danach in einem Berliner Club weiter und kontaktierten Nick und Alex von The Scarlets, die nach ihrem Konzertbesuch bei den Beatsteaks noch bei uns vorbei schauten. Nach etlichen Beer-Buckets und Schnäpsen verhandelten wir noch einen Interview-Termin mit den Scarlets für den nächsten Tag. Ein bisschen Business muss immer sein. 😉 (Dies wird auch in den nächsten Tagen online gehen)

Am nächsten Tag kamen Tobi und ich gegen 15:00 Uhr am Astra Club an und ein Haufen Die-Hard-Fans kampierten schon seit den Morgenstunden vor dem Einlass. Tiefer Respekt meinerseits, aber ich glaube, es wäre erst nötig gewesen gegen Mittag dort aufzuschlagen, um sich einen Erste-Reihe-Platz zu sichern. Mir wäre das eindeutig zu kalt gewesen. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu „Mimimi“ geworden.

Da ich die Crew, die W-Band und natürlich Stephan seit April nicht mehr gesehen hatte, wollte ich natürlich so vielen wie möglich noch vor der Show Hallo sagen. Für mich persönlich war es auch schön Edmund Hartsch wieder einmal zu sehen, der sich nach dem Vaya con tioz ja sehr rar gemacht hatte. Dies gibt der jetzigen W-Tour einen besonderen Charme im Tourtagebuch, denn das hat Ed einfach drauf.

Dirk Czuya

Foto by Edmund Hartsch

Pünktlich zum Soundcheck waren Tobi und ich im Astra und begutachteten die W-Band auf der Bühne. Ewig hatte ich die Vier nicht mehr gesehen und ich konnte mir ein seeliges Grinsen nicht verkneifen. Stephan nickte mir von der Bühne kurz zu, bevor die Band „In stürmischer See“ anstimmte und mich eine leichte Gänsehaut überkam. Dieser Song ist einfach das Non-Plus-Ultra für mich und ich freute mich schon auf die Live-Performance am Abend. Der Soundcheck verlief ohne große Probleme und Stephan gesellte sich nach getaner Arbeit noch kurz zu mir .Ein freudiges Hallo auf beiden Seiten und ein Schnack über die Gegenwart und Zukunft, bevor der W die ebenfalls angereisten Scarlets begrüßte. Diesen ging der Arsch ziemlich auf Grundeis, als sie vor ihrem großen Idol standen. Nick, der Bassist, erzählte mir am Vorabend schon von seiner großen Sympathie für Stephan und was es doch für eine Ehre für die Scarlets sei, den W in Berlin zu supporten. Dieses Funkeln in Nicks Augen sprach mehr als 1000 Worte – da ist jemand wirklich totally addicted!

Ich verbrachte die Zeit bis zum Einlass mit viel Smalltalk mit der Crew. Dieses Mal ist ja alles ein bisschen kleiner, somit ist auch weniger Manpower am Start. Von den Frühjahrsbacklinern ist auf der Winter-Tour nur Marco Ramazzotto-Joppe am Start, der sich um Stephan und Henning kümmert. Den Part von Peter Falke (Gitarren-Backliner Autournomie I) hat auf Part II Sebo übernommen. Sebo war auch schon auf der Motörhead-Tour als Backliner von Dirk am Start und ein durchaus sympathischer Zeitgenosse. Die Drum-Backline betreut dieses Mal Thomas, da Rossi Rossberg anderweitig auf Tour ist. Auch ist Gerd Gruss dieses Mal am FOH nicht dabei. Diese Aufgabe übernimmt Lars Heinecke, der schon auf der ersten Tour als eierlegende Wollmilchsau fungierte, wie er sich selbst gerne bezeichnet. Ebenfalls dabei, wie schon bei Autournomie I: André Ballweg, Flo Bachmeier, Urs Schretzmeyer und natürlich Micha Mainx, ohne den bekanntlich ja gar nichts geht. Den aufmerksamen Konzertbesuchern wird aufgefallen sein, dass Thomas Hess dieses Mal nicht die Leitung on the road hat, sondern Stefan Kempe – dieser wurde ja schon durch Edmund Hartsch im W-Blog vorgestellt. Ein sehr netter Haufen der sich in der W-Crew zusammen gerottet hat und ich freue mich immer sehr, die Jungs zu sehen.

Da die Berlin-Konzerte neben dem Heimspiel in Neu-Isenburg meine einzigen Winter-Weidner-Konzerte sind, wollte ich diese auf jeden Fall in der ersten Reihe genießen. Es ist einfach immer noch der geilste Platz auf Konzerten. Nirgendwo anders spürte ich bisher so eine Intensivität und Energie. Und nirgendwo macht das Rocken so viel Spaß, wie vorne an den Barricades. So lange die Knochen diese Prozedur noch mit machen, wird man mich da auch nicht so schnell wegkriegen.

Doch berichte ich doch endlich von der Show. Die Scarlets haben mir besonders gut gefallen. Ich stehe einfach auf diese straighte Art von Rockmusik mit Punk-Einflüssen. Da darf auch gerne etwas Glamour-Attitüde dabei sein, bei mir hat die Band jedenfalls einen dicken Stein im Brett. Nelli Scarlet trägt zurecht den Namen „Bombshell“ und hat wahrscheinlich nicht nur die Männerherzen im Astra verzaubert. Die Aufregung hat man der Band allerdings angesehen, machte sie aber nur noch sympathischer. Es spielt ja auch nicht jeder vor seinem großen Idol, da kann man das durchaus tolerieren.

Nach den Australiern enterten Eschenbach die Bühne. Riitchy und Co. performten ein paar neue Songs von ihrem kommenden Album und die zwei neuen Live-Musiker integrierten sich meines Erachtens gut ins Gesamtbild. Routiniert zog die Band ihr Set durch und bekamen dafür Applaus vom Berliner Publikum.

der w

Foto by Edmund Hartsch

Doch eigentlich waren wir ja wegen dem W da und der kam auch endlich gegen 21:45 Uhr auf die Bühne. So lange hatte ich keine W-Show mehr aus der ersten Reihe gesehen und mich überkamen bekannte Gefühle: Freude und Begeisterung. Stephan schafft es immer wieder einen derartig mitzureissen, dass man einfach eine schöne Zeit erlebt und das rechne ich ihm über all die Jahre sehr hoch an. Der neue Opener „Leinen los“ kickte mich sofort und ich sehe den Song jetzt schon in meinen W-Favoriten in Zukunft. Generell finde ich die Winter-Setlist sehr gut gelungen. Mit „Ihr habt Recht“ und „Gedanken können lernen“ sind zwei echte Kracher im Set und „In stürmischer See“ setzt dem Ganzen sowieso die Krone auf. Herzschlag pur und so viel Emotion, mehr geht für mich eigentlich nicht. Ich hatte Spaß und der Rest der Halle auch. Wir rockten vorne in Mindfuck-Manier ab und das gefiel auch dem W. Lange hatte ich es nicht mehr erlebt, dass Stephan nach der Show zum Abklatschen durch den Graben lief, aber in Berlin zelebrierte er wieder dieses vertraute Ritual. Auf Autournomie I wehrte er sich noch dagegen, umso mehr freute es mich, dass er über seinen Schatten gesprungen war und honorierte es mit einem zustimmenden Grinsen meinerseits.  „War klasse!“ sagte ich, als er kurz vor mir stand und Stephan strahlte zurück. Hatte er mich also doch noch mal catchen können.

Nach der Show schauten wir noch kurz im Backstage vorbei und ich quatschte noch eine Zeit lang mit Dirk und JC über die Show. Die Scarlets vertrösteten wir auf morgen mit dem Interview, was kein Problem war. Eine super liebe und flexible Band. Auch der W war gut drauf und wir feixten wie immer ein bisschen zu zweit rum, bevor der Mob entschied noch einen Berliner Club aufzusuchen um dort noch ein bisschen weiter zu feiern. Da ich leider noch einen Geschäftstermin am nächsten Morgen hatte, musste ich mich leider fast nüchtern um 2:00 Uhr schon von der Party verabschieden. Aber was solls, manchmal muss das eben sein.

Über das zweite Konzert in Berlin kann ich leider nicht so viel Worte verlieren. Vor der Show machten Tobias und ich unser Interview mit Nelly, Nick und Alex von den Scarlets, was sehr entspannt ablief. Die Australier hatten eine Menge zu erzählen, aber das bekommt ihr die nächsten Tage hier nachgeliefert, das abtippen nimmt einfach zu viel Zeit in Anspruch. Sehr redselig diese Aussies. 😉

Das Konzert jedoch, war für mich nach dem zweiten Song gelaufen, nachdem ich von hinten eine Faust in den Nacken bekam. Knock out auf der ganzen Linie, meine Stimmung im Keller – Begeisterung für das Konzert kam leider nicht mehr auf ,was auch den W nach der Show wunderte. „Und ich hab mich schon gefragt, wieso du heute keinen Spaß hattest?“ waren Stephans Worte, als ich ihm von der Aktion erzählte. Dafür gab es eine tröstende Umarmung und ein Bier zur Aufmunterung.

Dann musste es schnell gehen, Stephans Freundin feierte schließlich in ihren Geburtstag rein und wir stießen alle noch mit Sekt, Bier, Wasser oder was es auch immer zu greifen gab an. Da es der letzte Abend für die Scarlets war, herrschte noch ein reger Durchlauf im Backstage. Crew, Bands und Freunde hielten Smalltalk, philosophierten über Berlin und die vergangenen Konzerte. Alex von den Scarlets gab mir noch eine CD, bevor mich die Aufbruchsstimmung überkam. So begann das allgemeine Verabschieden, kurz ein Drücker da, ein Küsschen dort und ein Handschlag hier – Berlin war vorbei und ich musste meine Heimreise zurück nach Frankfurt am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe antreten. Ach wie, wunderbar…

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