D-A-D Substage, Karlsruhe – 24.09.2009

September 24th, 2009 | By Sarah

2009 ist wohl das Jahr für D-A-D, zumindest was ihre Konzerte in Deutschland betrifft.
Im Frühjahr tourten die vier Dänen im Vorprogramm von „Der W“ durch die deutschen Konzerthallen und erspielten sich eine Menge neuer Fans. So ist es also nicht verwunderlich, dass der deutsche Labelpartner 3R Entertainment direkt mit einer eigenen kleinen Deutschland-Tour für D-A-D nachlegte.

Im vergangenen Jahr erschien ihr neustes Album „Monster Philosophy“ und in Skandinavien sind die Dänen längst Superstars. Jährlich sind sie einer der Headliner des legendären Roskilde Festivals in Kopenhagen und spielen vor über 50.000 begeisterter Rock-Fans. Diese Welle an Begeisterung schwappte nun auch Mitte September nach Deutschland rüber. Statt großen Hallen nun Clubtour-Atmosphäre mit maximal 800er Kapazität – das sollte doch ein intimes Konzert versprechen. Vorband für die vier Dänen waren die jungen Briten „Heavens Basement“, die mit ihrer Art von Rock einen würdigen Support machten.

Doch kommen wir endlich zur Show von den legendären „Disneyland after Dark“ :

Nach dem pompösen Intro, wie es sich eben für große Bands gehört, startet D-A-D mit „True Believer“. Sänger und Frontman Jesper Binzer zieht sofort die Massen in seinen Bann. Wie ein Dura-Zell-Männchen  hüpft er auf und ab, vergewaltigt seine Stimmbänder mit den schrillsten Tönen und wirkt dennoch immer professionell und hochkonzentriert. Mit den Worten „Das ist mein Bruder!!“ kündigt er stolz das erste Gitarren-Solo seines Bruders Jacob an, der wahrhaftig eine Koryphäe am Gitarrenhimmel ist. Ich muss ehrlich sagen, ich habe noch keinen Gitarristen erlebt, der live so dermaßen mich beeindruckt hat mit seinem Können, wie Jacob Binzer. Dieser verzieht kaum eine Miene beim Gitarre spielen und es wirkt fast, als würde er es rund um die Uhr machen. Binzer spielt mit einer Hingabe die Gitarre, dass man seine Blicke nicht von ihm oder seiner Gitarre lassen kann. Basser Stig, stets auffällig durch seine extravaganten Bühnenoutfits, hat es dies Mal schwer. Er bekommt meine Aufmerksamkeit nicht so sehr, wie die Binzer Brüder. Doch auch er dürfte nicht fehlen, in diesem Quartett. Es gibt bestimmt niemanden, der so gut in einer Latexhose mit der Aufschrift „Nasty“ auf dem Allerwertesten ausschaut wie Stig Pedersen.  D-A-D macht nach dem Opener keine Verschnaufspause. Es geht sofort weiter mit den Songs „Beautiful together“ und „Jihad“.

Jesper Binzer hat artig deutsch gelernt und bringt das Publikum mit netten Sprüchen zum Lachen. Es ist diese Natürlichkeit die Binzer so sympathisch macht. Wahrscheinlich würde man sich von ihm jeden Mist andrehen lassen, wenn er mit seinem dänischen Akzent versucht die deutsche Grammatik zu beherrschen. Das Live-Set der Band ist gut gemischt. Alte Die-Hard D-A-D Fans freuen sich über Hymnen wie „Rim of hell“ und die jüngeren neugewonnen Hörer erkennen in „Everything glows“ oder dem schon genannten „Beautiful together“ ihre neue Lieblings-Band wieder. Ein Highlight der Show ist die Ansage zum Hit „Reconstructdead“. Jesper Binzer beginnt zu erzählen, wie er sich doch über die Stadt schlau gemacht hat, in der sie gerade spielen. Am Beispiel von Karlsruhe erzählt er, dass vor hunderten Jahren noch keine Menschen in Karlsruhe gelebt hätten, sondern nur „Birds“. Irgendwann habe der König von Karlsruhe sich gestört von den Vögeln gefühlt. „Karlsruhe – Keine Ruhe!“ betont Jesper Binzer und berichtet weiter, dass der König von Karlsruhe alle Vögel getötet hätte, damit endlich Ruhe in Karlsruhe wäre. Ein Vogel jedoch, flog bis nach Kopenhagen und flüsterte Jesper Binzer etwas ins Ohr. Dieser Vogel hieße Karl und Binzer erzählt dem Publikum, was der Vogel ihm ins Ohr zwitscherte. Ein schrilles „Beep, Beep, Beep“ kommt aus Binzers Kehle und jeder D-A-D Fan weiß sofort, wie dieses „Beep, Beep, Beep“ gemeint ist. Die Gitarre zu „Reconstructdead ertönt und das Publikum steigt mit dem legendären „Beep, Beep, Beep“ mit ein. Jesper Binzer tobt über die Bühne, rockt mit der Gitarre und Bassist Stig Pedersen überrascht mit einem Bass ,der aussieht wie eine Rakete.

Die Band komplett macht Drummer Laust Sonne,  der seit 1999 mit dabei ist. Während des Liedes „Chainsaw“ von der aktuellen Platte, bittet Jesper Binzer einen Moment um Ruhe. Er erzählt, dass Dänemark ein wunderbares Talent hätte und zeigt stolz auf Laust Sonne, der dies mit einem Drumsolo unterstreicht. Doch das ist noch nicht alles. Binzer versucht gespielt die tobende Masse zu beruhigen und sagt, dass er im Internet wieder auf ein „deutsches Trinkin’-Lied“ gestoßen wäre, dass er mit dem Publikum doch bitte singen will. Zart haucht er ins Mikro „Komm schon Laust, wir wissen du schaffst es!“ und die Fans brüllen es im Chor zurück. Von Mal zu Mal wird Jesper lauter und der Lobesgesang auf Laust Sonne nimmt kein Ende. Je lauter die Fans schreien, desto mehr verausgabt sich Jesper Binzer und Laust Sonne gibt alles an den Drums. Es ist kein Wunder, dass die Lieder live von D-A-D locker mal sieben Minuten dauern. Es wird kreativ gespielt. Jacob Binzer überrascht mit diversen Gitarren-Solos, die  einen minutenlang in ihren Bann ziehen.

Doch die Dänen können auch ruhige Töne anschlagen. Ein weiteres Highlight ist der alte Song „Grow or Pay“ den Jesper wieder mit einem netten Spruch ankündigt. „Mein Bruder hat eine alte Gitarre mitgebracht!“ „Was bedeutet das?“ „Alte Gitarre – Alte Musik – yeeaaaaaah!“ und das Gitarren-Intro von Jacob bereitet nicht nur mir eine Gänsehaut. Jacob Binzer mit Zylinder und einer alten Gretsch-Gitarre im Scheinwerferlicht auf der Bühne. In so Momenten könnte gerne einmal die Welt kurz still stehen.

Nach „Monster Philosophy“ macht die Band einen kurzen Break und verschwindet von der Bühne. Eine Pause, mit der die Fans nicht umgehen können. Lautstark wird nach D-A-D verlangt und Jesper und Jacob Binzer kommen nach ein paar Minuten zurück auf die Bühne. Kommentarlos beginnen sie „Money always takes the place of life“  akustisch zu spielen und der ganze Saal bekommt wieder eine Gänsehaut. Nach und Nach kommen auch wieder Laust und Stig auf die Bühne und die Band geht über in die wohl schönste D-A-D Ballade „Laugh and half“. Gerade die alten D-A-D Fans kommen auf ihre Kosten und singen den Refrain aus voller Kehle mit. Ich staune nur und versinke in Gedanken, als ich Jesper und Jacob bei diesem Lied beobachte. So viel Gefühl transportieren sie und wieder einmal ist der Moment da, an dem man die Welt anhalten will.

Nach dieser tollen Ballade ist  der Moment für Stig gekommen. Er hat die Leadstimme beim kommenden Song „Riding with Sue“ auch ein Lied aus älteren D-A-D Tagen. Fast schon schauspielerisch besingt Stig in diesem Titel eine Liebesbeziehung, die durch den Selbstmord der Frau auf einem Berg endet. Natürlich alles ummantelt in typischem D-A-D Humor. Mit „Sleeping my day away“ spielen sie den bekanntesten D-A-D Song und spätestens jetzt gibt es kein Halten mehr vor der Bühne. Die Köpfe werden geschüttelt, es wird geklatscht, gerockt und gesungen. Das Lied wird auf 11 Minuten herausgezögert durch Jacob Binzers minutenlanges Gitarrensolo. Dieser Mann ist so cool, dass er sogar mit einer vollen Bierflasche auf dem Kopf regungslos dieses Solo spielen kann.

In Karlsruhe lässt sich die Band noch dazu verleiten „Something good“ zu spielen, bevor mit „It’s after dark“ wirklich das letzte Lied des Abends angespielt wird. „It’s after dark now and disneyland is closed..“ – doch das nur für dieses Jahr.  Ich hoffe , dass D-A-D nächstes Jahr wieder in Deutschland zu Gast sein wird, sonst muss ich wirklich überlegen, ob ich nicht nach Dänemark zu einem ihrer wunderbaren Konzerte fahre.

Sarah Rademacher

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