Dresden, Alter Schlachthof – 29.März 2009

Juni 8th, 2009 | By Sarah

Nach einem gelungenen Konzert in Leipzig reisten wir Sonntag früh weiter nach Dresden.
Dieses Mal würde der W im Alten Schlachthof spielen, eine coole Location auf einem Industriegelände.
Da wir aus Leipzig gelernt hatten, pilgerten wir wieder dementsprechend früh zum Gelände und siehe da, ab 13:00Uhr hingen doch tatsächlich wieder einige Fans auf dem Areal rum.Allerdings herrschte Totenstille. Niemand sagte ein Wort zueinander und die meisten Fans standen alleine irgendwo an einer Wand angelehnt und erstarrten zur Salzsäule, wenn man sie mal näher betrachtete. Auch hatte diese Art von Fan-Spezie nicht einmal Verpflegung oder Pullover dabei. Es war wie auch schon in Leipzig sehr frisch. Zwar regnete es nicht und ab und an schien sogar die Sonne ,aber ohne Pullover sicherlich eine unangenehme Angelegenheit. Das sollte aber nicht das Problem von uns Mindfuck-Mädels sein. Bestens tourtauglich ausgerüstet mit Pullover, Getränken und Styroporunterlage machten wir es uns auf dem staubigen Betonboden gemütlich. Zwei von uns hatten die Aufgabe noch in der Stadt Essen bei Subway und Pizza Hut zu holen, während Wibbe und ich den Platz an der Halle reservierten.
Sofort kamen wir auch mit einem Security ins Gespräch der ganz allein die Aufsicht vor der Halle machen sollte. Und einmal auf hochtouren, hörte er auch gar nicht mehr auf zu erzählen. Wie scheiße doch Bushido sei und dass heute bestimmt einiges an „rechter“ Front erscheinen würde, denn dafür wäre Dresden ja bekannt. Und wo wir Mädels denn überhaupt herkommen würden. „FRANKFURT AM MAIN“ antworteten wir stolz und dem Security klappte natürlich die Kinnlade runter. „Wer so weit fährt ,der soll belohnt werden..ihr kommt auf jeden Fall als eine der Ersten in die Halle rein, dafür sorge ich schon.“ – Na wenn Dresden immer so nett zu seinen Gästen ist, dann komme ich gerne wieder… 😉

In Dresden begann auch die Geschichte der Flaschensammler: Will heißen, dass ich in Dresden den  ersten Mensch gesehen habe ,der auf der Weidner-Tour die Glas- und Pfandflaschen einsammelt um sich ein paar Euros dazu zu verdienen. Mir war nicht bewusst, dass doch so viele Menschen in Deutschland auf so eine Nebentätigkeit angewiesen sind. Die Tour hat mir in dieser Hinsicht wirklich die Augen geöffnet, wie arm Deutschland doch ist. Der Flaschensammler in Dresden war dem Security schon bekannt und dieser sprach schon die erste Verwarnung aus: „Hör auf dich den Bussen zu nähern, du kannst wiederkommen wenn der Einlass um 18:00Uhr vorbei ist!!“ . Der Flaschensammler grinste nur und sein Goldgebiss kam zum Vorschein. Doch auf die Verwarnung wollte er nicht so wirklich hören, denn er versuchte sich schon wieder dem Bandbus und dem Crewbus zu nähern ,die ebenfalls auf dem Gelände vor der Halle standen und nur durch ein weiss-rotes Absperrband geschützt waren. Der Security gab dem Mann eine Zigarette als Bestechung. Dieser war glücklich, wünschte uns allen einen schönen Tag und versprach erst nach dem Einlass wieder zu kommen um seine Flaschen einzusammeln.

Das Areal füllte sich mittags noch nicht wirklich mit Fans. Dirk Czuya, der Gitarrist der W-Band, kam mit seiner Gitarre raus und zupfte ein wenig herum. Auch für einen kurzen Plausch blieb Zeit. Skew Siskin kam irgendwann in voller Montur angereist und schlenderte über den Platz. Rupert Keplinger ,der andere Gitarrist der W-Band, verzog sich mit dem Taxi noch mal in die Dresdner Innenstadt und ich wartete vergebens auf mein Essen. Mittlerweile waren unsere zwei Mindfuck Mädels Janina und Meli schon über 3 Stunden weg und so langsam machten wir uns doch echt Sorgen. Wir konnten sie auch nicht anrufen, denn die Mädels hatten sämtliche Handys bei sich im Auto, wir waren regelrecht aufgeschmissen. „Wenn denen was passiert ist? Wer weiß, ob die einen Unfall mit dem Auto gebaut haben?“ Tausend solcher Gedanken gingen uns durch den Kopf. Das einzige was wir besaßen, waren unsere vier W-Tickets und 20 Euro. „Was ist ,wenn die bis zum Einlass nicht mehr kommen? Gehen wir trotzdem rein?“ – Diese wichtige Frage beschäftigte uns eine Ewigkeit und wir kamen zu dem Entschluss, dass wir übrig gebliebenen Zwei doch auf jeden Fall das Konzert anschauen würden, komme was wolle. Wenn den anderen was passiert wäre, könnten wir schließlich auch nichts mehr machen – wieso dann den W verpassen? Wir wunderten uns über unseren Egoismus, aber sahen auch keinen Grund aufzuspringen und die anderen Beiden in Dresden irgendwo zu suchen. Das größere Problem war einfach auch noch ,dass Wibbe und ich unsagbaren Hunger seit drei Stunden schoben. Ohne was im Magen würden wir mit Sicherheit das Konzert nicht überstehen, so viel war auch klar.

Gegen 17:00Uhr fing der Security an alleine die Absperrungen aufzubauen. Nachdem er ziemlich schnell merkte, dass er das alleine nicht wirklich hinkriegen würde, nahm er unsere Hilfe in Anspruch und Wibbe baute mit ihm die Gitter auf. „Jetzt werden die Fans also noch zum Aufbauen gebraucht..“

Dafür revanchierte sich der Security im Nu und machte nachdem der Aufbau der Gitter fertig war eine Ansage: „Hört mal alle her. An die erste Schleuse kommen die zwei hier aus Dresden, die waren nämlich schon seit 10:00uhr frühg hier. An die zweite Schleuse kommen unsere Mädels hier aus Frankfurt, ist das klar? Und an die dritte Schleuse kommen …kommt das Pärchen hier aus Dresden. Der Rest hat sich hinten anzustellen!“ Und oh Wunder, jeder der anwesenden Fans parierte und hielt sich an die Ansage des Security.

Auf einmal tauchten auch Janina und Meli wieder aus dem Nichts auf. Sie hatten Pizza und für mich ein Subway-Sandwich dabei. Angeblich hatten sie sich die ganze Zeit verfahren, was wir nur schwer glauben konnten., aber egal, dass Essen war da – wir waren wieder vereint, nun konnte es doch eigentlich losgehen.

Um 18:00Uhr begann der Einlass und wir Vier flutschten als Erstes durch die Securitykontrollen ins Innere des alten Schlachthofs. Dieses Mal gab es schon ein wenig mehr zu rennen. Man musste erst durch ein Foyer, in dem auch der Merchandisestand aufgebaut war. Dort befand sich auch die Raucherlounge, denn im eigentlichen Konzertsaal durfte nicht geraucht werden. Ich bin da ein absoluter Freund von, denn es gibt nichts furchtbares als den ekligen Rauch während eines Konzerts in die Augen zu bekommen oder noch schlimmer, in eine brennende Zigarette zu greifen, wenn man mit seinen Armen am abgehen ist. Alles schon passiert !

In der Halle steuerten wir wieder genau auf die Mitte der Bühne zu und hatten unseren Stammplatz vor Weidners Mikro sicher. Das wohl bekannte Warten begann also wieder. Ein Vogel wurde wegen Rauchend verwarnt und sollte auf Anweisung der Security doch bitte die Raucherlounge aufsuchen. Ich war froh, dass die Security in dieser Hinsicht in Dresden einen guten Job machte.

Die Zeit bis 20:00Uhr wollte einfach nicht vergehen und ich wunderte mich mehrmals, als ich eine Hand an meinem Hintern spürte. Bildete ich mir grade ein, dass mir jemand an den Hintern packen würde? Ich meine, wenn das einmal passiert, dann kann es sein,dass mein Hintermann einfach nur versehentlich dran gestoßen ist. Aber wenn sich das häuft und man richtig merkt, wie die Hand sich in deinen Hintern gräbt, dann ist es doch schon sehr auffällig. Ich blickte Wibbe an und ihre Augen verrieten mir ,dass auch sie unangenehme „Arsch-Grabscher“ hinter sich hatte. Wir drehten uns um und ich sah in die Gesichter zweier Bubies, die vielleicht mit ach und krach die 14 Jahre erreicht hatten. „Macht’s Spaß?“ fragte ich und sie sahen mich verdutzt an. „Noch nie einen Frauenpo in der Händen gehalten?“ fragten wir weiter und die zwei wurden langsam rot. „Das, das waren wir nicht.“stammelten sie und wir mussten unweigerlich die Augen verdrehen. Ja und dann wurde der eine, der Bubies ja auch noch frech. „Wie alt bist du?“ wollte er von mir wissen und ich musste grinsen. „22 Jahre.“ gab ich zurück und der kleine Kerl fing an zu lachen. „Wenn du 22 Jahre bist ,dann bin ich in Rente!“ und mir klappte die Kinnlade runter. „Wie alt bin ich denn deiner Meinung nach?“ fragte ich und als ich eine „16“ hörte, fing ich lauthals an zu lachen. Im Nachhinein fühlt man sich sicherlich geschmeichelt, aber dass ich mir dort von einem 14jährigen sagen muss, dass ich wie 16 Jahre aussehe, hat doch auf den ersten Moment geschockt. „Na warte..“ dachte ich mir und winkte Micha Mainx herbei, der grade im Graben sein Unwesen trieb. „Hier Micha, wie alt bin ich?“fragte ich ihn und er antwortete „22, oder?“ . „Ja, schau dir die zwei Kerlchen hinter mir an, die meinten doch tatsächlich ich sei grade mal 16.“ grinste ich und Micha begutachtete die zwei Fans hinter mir. Diese fingen auch gleich an zu tuscheln und wurden kreidebleich: „Wieso redet die mit dem Micha Mainx über uns? Ohje, die ist ja wirklich 22 Jahre, woher kennt die den überhaupt…“ – Danach hatte ich keine Hand mehr an meinem Hintern. 😉

Micha brachte uns noch zwei Flaschen Wasser ,damit wir das Konzert genießen konnten und Nina rockte mit ihren Skew Siskin Jungs pünktlich wieder um 20:00Uhr los.“Auweia..das wird ja ein Trauerspiel” schoss es mir durch den Kopf und ich schrieb mir im Kopf schon die Schlagzeile “Dresden – Öder gehts nicht!”
In der Halle änderte sich nicht viel. Es gab überhaupt keine Sprechchöre und auch Skew Siskin hatte ziemlich schwer zu kämpfen ,da die Meute einfach nicht wirklich in Fahrt kommen wollte. Für mich persönlich sehr schade ,da dies mein letztes Konzert auf der W-Tour mit Skew Siskin war und ich gerne noch mal eine strahlende Nina erlebt hätte.
Als der Umbau der Bühne jedoch begann, schien Dresden langsam aufzuwachen und die ersten Sprechchöre “Wir wolln den Weidner sehn”, “Stephan – Weidner” oder auch nur “Weidner Weidner” begannen. Positiv war, dass kein einziges Onkelzlied gesungen wurde, was ich sehr respektvoll gegenüber Stephan finde.

Ja und dann, ging es doch gegen 21:15Uhr auch schon wieder los. Krach, Boom, Bang – die W-Bande entert die Bühne und der W ist wieder eins mit seinem neuen Freund – dem Mikrophonständer. Und endlich war auch Dresden komplett aufgewacht und kam aus der Feierei nicht mehr heraus.
Von Lied zu Lied schaukelten sich Band und Publikum mehr in Ekstase. “Fühlt sich an, als wäre ich nie weg gewesen..” kam es vom W und sein Blick schweifte wieder intensiv durch die Menge. Er hat es sichtlich genossen wieder auf der Bühne zu stehen.
Die absoluten Knaller  gestern waren für mich “Gewinnen kann jeder”, “Heiss” und “Pass gut auf dich auf” und wohl nicht nur für mich ,denn auch Dirk und Rupert kamen öfters näher an den Bühnenrand um sich ein Bild von der tanzenden und feiernden Menge zu machen. 
Hätte die Band mehr Lieder gehabt, wäre sicherlich noch nicht nach “Too drunk to fuck” Schluss gewesen, denn dann hätte Stephan sich wahrscheinlich gerade erst warm gespielt, so begeistert wie er war.
Also entschied er sich noch, nach einem Bier und einer Zigarette wieder zu kommen und gab bereitwillig im Bühnengraben Autogramme und dies bestimmt eine gute halbe Stunde lang, so dass wirklich fast jeder auf seine Kosten kam, der dies auch wollte. So mussten auch wir in der ersten Reihe warten bis das Spektakel vorbei war, denn auf unseren Körpern lagerten sich bestimmt zig hunderte Fans, die alle noch ein Autogramm von Stephan haben wollten. Und dann stand Stephan auch schon grinsend wieder vor mir. „Na, Sarah auch hier.“ grinste er und ich konnte nur zurück grinsen. „Logisch, und es geht noch weiter..“ „Auf wie vielen Konzerten bist du denn jetzt noch?“ wollte er wissen, während er weiter fleissig den Fans neben mir Autogramme gab. „Haha, das willst du nicht wissen..“ gab ich zurück. „Doch, los erzähl..“ bohrte er weiter und als ich ihm sagte, dass meine persönliche W-Tour aus 19 Konzerten wohl bestehen würde, kippte auch der W kurz aus den Latschen. „Das ist ja krass..du bist ja echt besessen. Respekt!“ grinste er und drückte mich noch mal kurz an sich ,bevor er seine Autogrammrunde fortsetzen musste. „Ey, woher kennt der denn deinen Namen?“ fragten mich gleich ein paar Fans, die verdutzt das Gespräch belauscht hatten und ich lächelte nur.

Wir boxten uns aus der Menge raus und machten erst mal Halt beim Merchandisestand. Henning und J.C. standen draussen zwischen den Fans und gaben bereit willig den ein oder anderen Plausch über das Konzert. J.C. sprach mich auf einmal an, dass er mich jetzt schon so oft in der ersten Reihe gesehen hätte und er wollte wissen, wie viele Konzerte ich denn machen würde. Als ich ihm auch von meinen 19 geplanten Konzerten erzählte, kam nur ein „Holy shit! That’s fuckin‘ cool!“ – dies sollte der Beginn einer wunderbaren Konzertkommunikation zwischen uns beiden werden.

Ich bin gespannt, welche Stadt Dresden jetzt noch toppen wird -denn es wird verdammt schwer.
Es scheint ,als hätte die Tour jetzt richtig begonnen!

8 Responses to “Dresden, Alter Schlachthof – 29.März 2009”

  1. handballer83 sagt:

    Der Abschnitt über die „Po-Story“ ist top ^^

  2. sany sagt:

    du solltest ein buch daraus machen sarah…erstklassig!!!!

  3. Moni sagt:

    Die Idee mit dem Buch finde ich klasse…da will man mehr…mehr Sarah…mehr 🙂

  4. timmer sagt:

    wirklich großartig! Genau sowas will man als Fan lesen! Mein absoluter Favorit bis jetzt.

    Wird selbstverständlich auch noch verlinkt. 😉

  5. Freddy sagt:

    Geil, geht ja schon weiter!!!
    DANKE SARIIIII 🙂

  6. BoehserBorusse sagt:

    coole berichte. macht spass zu lesen!

  7. Wibbe sagt:

    Absolut top – man könnte meinen, wenn man den Bericht liest, das das Konzert erst gestern gewesen war.

    🙂

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