Interview mit Stephan Weidner (11/2008)

November 12th, 2008 | By Sarah

credit: Anja Epkes

Zuletzt stirbt die Hoffnung und das hat sich auch in unserem Interview mit Stephan Weidner bewährt. Lange mussten wir warten, da Stephan vollends in Album Produktion und Tourplanung steckte. Nun ist es aber vollendet, dass erste Interview für die Mindfuck Society mit Stephan Weidner aka. Der W.

Du gehst im Frühjahr 2009 auf deine erste Solo-Tour. Nach der positiven Resonanz fast schon die Pflichtkür, oder? Auch der Vorverkauf läuft super,die ersten Konzerte sind innerhalb von vier Wochen ausverkauft und der Ansturm auf die Tickets nimmt kein Ende. Die Album Chartplatzierung sprach ja auch eine eindeutige Sprache. Hast du insgeheim damit gerechnet?

Der W: Um ehrlich zu sein habe mit gar nichts gerechnet. Ich wollte keine Erwartungen haben und habe es auch tatsächlich geschafft, die Dinge auf mich zukommen zu lassen.
Mit einer derart hohen Chartplatzierung hat sicher keiner aus meinem Umfeld gerechnet. Gleiches gilt für die Ticketverkäufe: Dass die Tour fünf Monate vor ihrem Start fast komplett ausverkauft ist, ist sensationell. Und jetzt erlaube ich mir, mich zu freuen.

17 Songs hast du bis jetzt unter Der W veröffentlicht. Kannst du dir vorstellen alle dieser Tracks live zu performen? Ist das technisch überhaupt möglich? Gibt es Lieder wie „Ein Lied für meinen Sohn“ oder „Zwischen Traum und Paralyse“ die dir einfach zu persönlich für eine Live Darbietung sind?

Der W: Klar kann ich mir vorstellen alle Songs live zu bringen. Wie wir die Songs umsetzen werden, müssen die Proben zeigen. Zu persönlich ist mir keines der Lieder.

Können wir noch mit dem ein oder anderen Zusatzsong für die Tour rechnen? Hast du dir darüber noch mal Gedanken gemacht? Kannst du dir vorstellen die Nordend Antistar Songs ebenso auf der Tour zu spielen, oder benötigst du dafür Daniel Wirtz?

Der W: Die eine oder andere Überraschung möchte ich schon einbauen. Das schließt auch NAS -Songs nicht aus. Mehr kann ich zu dem Thema aber noch nicht sagen.
Eines weiß ich aber genau: Onkelz-Lieder wird es nicht zu hören geben. Das verbieten mir schon Anstand und Respekt den anderen gegenüber.

Till hat angedeutet, dass es wohl keine deutsprachige Vorband sein wird, die dich auf Tour supporten wird. Der Großteil der Fans rechnet mit Pro Pain oder Skew Siskin, da beide auch auf deinem Album mitwirkten. Auch in einem Interview mit Pro Pain hieß es, dass die Jungs durchaus auf mehreren Konzerten auf deiner Tour dabei sein werden. Kannst du Licht ins Dunkel bringen? Oder wird die Einlage von Pro Pain nur auf ausgewählten Konzerten sein, wie auch damals die Heimspiele für Junkhead in der Festhalle oder Sub7even in Dortmund?

Der W: Es zeichnet sich ab, dass mich mehrere Bands supporten. Leider ist es aufgrund des straffen Zeitplans und der technischen Gegebenheiten vieler Locations nicht möglich, mit zwei Vorgruppen auf Tour zu gehen. Das war ursprünglich mein Plan. Es wartet aber noch ne fette Überraschung auf euch.
Wie die Bands heißen, die mit mir touren werden, geben wir in Kürze bekannt.

Kannst du schon was zur Bandbesetzung auf Tour sagen? Ich gehe davon aus, dass Rupert Keplinger konstant die Gitarre übernehmen wird, da Jacob Binzer sich wahrscheinlich schwer so lange von D.A.D. trennen kann.
Wird JC von Pro Pain oder Peter Zettl an den Drums agieren?
Und natürlich die spannendste Frage: Wer wird Bass spielen? Keine Chance, dass du Bass spielst und singst?

Der W: Ich möchte noch nicht zuviel verraten. In meinem Kopf steht die Band aber. Ende November wird es eine erste gemeinsame Session mit den Musikern geben, die zur Zeit meine erste Wahl sind. Stimmt die Chemie und wir grooven zusammen, gebe ich die Besetzung bekannt. Ich kann es jedenfalls kaum abwarten und zähle die Tage.
Fest steht, dass es einen zweiten Gitarristen und einen Bassisten geben wird. Das Material ist stellenweise zu komplex, um von mir auf der Bühne ordentlich gesungen und gleichzeitig gespielt zu werden. Ich könnte mir aber vorstellen, live einen zweiten, höher gestimmen Bass oder eine Bariton-Gitarre zu spielen, um einzelne Parts anzufetten. Ohne Axt komme ich mir irgendwie nackt vor. Wohin soll ich denn bitte mit meinen Händen? Wir werden sehen.
W und Pro-Pain? Ich weiss nicht. Obwohl die Jungs menschlich super gepasst hätten, habe ich mich dagegen entschieden. Einer der Gründe war, dass keiner von ihnen deutsch spricht. Ich brauchte aber dringend deutsch singende Mitmusiker wegen der vielen mehrstimmigen Vocal Parts.

Seit knapp 10 Jahren gehst du mit deinen Soloplänen schwanger, nach dem Ende der Onkelz hattest du wahrscheinlich das erste Mal Zeit dich intensiv mit diesem Gedanken auseinander zu setzen und die Arbeit aufzunehmen.  Du textest meist in Irland, spiegelt das Umfeld dort oben sich in deinen Texten wieder? Irland wirkt ja sehr melancholisch, back to basic und friedlich, wenn man Guiness und Pub-Besuche aus seinem Gehirn verbannt. Man könnte sich vorstellen, dass Texte, die dort entstehen, vielleicht nicht so positiv scheinen, als wären sie am Strand auf Ibiza verfasst worden?

Der W: Das ist nur zum Teil richtig. Ich texte fast ständig, oder sagen wir besser, ich sammele Ideen und schreibe mir penibel alles auf, was durch mein Hirn spukt. Und das unabhängig von dem Ort, an dem ich mich befinde.
All diese Fragmente, unfertigen Reime und Worte könnten potenziell inspirierend sein. Ich schreibe jede noch so schwachsinnige Idee auf, aus Angst davor, etwas zu vergessen, was mir in der Endphase des Textens ein leeres Blatt ersparen könnte. Die letzten Wochen/Monate verbringe ich dann aber tatsächlich am liebsten mit mir allein in Irland. Ich bin in dieser Phase nur schwer zugänglich für die alltäglichen Anforderungen und Banalitäten. Ich nerve mein Umfeld und es nervt mich.

„Schneller, Höher, Weidner“ ist auf Platz 2 in die Charts eingestiegen. Noch mal alles Gute und großen Respekt dafür von uns. Ich war selbst sehr positiv geflasht davon, hatte auch nicht damit gerechnet, da du ja immer sehr die Onkelzfans gespalten hast. Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du die Trendcharts und letztendlich die Media Control Charts schwarz auf weiß gelesen hast? So ganz egal kanns dir doch auch nicht gewesen sein, oder? Gabs ein spontanes Gefühl?

Der W: Wenn es eins gab, kann ich mich nicht daran erinnern. Kann also nicht so emotional ausgefallen sein. Wichtiger als die Chartplatzierung ist mir, dass die, die sich das Album zugelegt haben, zufrieden sind. Ich glaube, das ist mir in den meisten Fällen gelungen.

Thema: Des Weidners neue Kleider: Mit W-Couture bist du unter die Mode-Designer gegangen. Es erscheint, dass es dir wichtig war, mit diesen Klamotten gewisse Botschaften auszudrücken.
Das Feedback auf deine Kollektion war wie zu erwarten sehr gemischt. Ich kann mich noch gut an die Preisdiskussionen in den Foren erinnern. Zum einen haben die Preise viele Fans verschreckt, vermuteten, dass du nun „Kommerz“ machst, andere konnten sich mit den Messages oder Farben nicht identifizieren und wiederum andere haben wahrscheinlich ihren ganzen Monatslohn in die Bekleidung gesteckt. Weitere Shirts sollen ja geplant sein, wenn das erste Kontingent erschöpft ist, wie sieht zurzeit das Feedback zur W-Couture aus?  Waren deine Absatzgedanken, die du ja sicherlich im Vorfeld hattest, realistisch? Könntest du dir noch weitere Artikel in der Kollektion vorstellen? Was ist z.B. mit einer Mütze?

Der W: Hätte besser laufen können. Auf meiner Prioritätenliste stand w-couture aber auch nie an vorderster Stelle. Eventuell ändere ich das irgendwann, noch ist es ein kostspieliges Hobby.
Ich bleibe aber am Ball und hoffe, in den nächsten Wochen neues präsentieren zu können. Und ja, es wird zukünftig Kappen geben.

Kommen wir wieder zu deinen Zukunftsplänen:
Was ist aus dem Angebot geworden Filmmusik zu schreiben? Auch erwähntest du mal vor zwei Jahren, dass du Lust hättest mit Eddy Hartsch eine Art Reisetagebuch über eure Philosophien Unterwegs zu schreiben.  Was ist aus beiden Sachen geworden? Besteht noch Interesse oder hast du beide Gedanken verworfen?

Der W: Beides liegt bis auf weiteres auf Eis.  Grüsse an Euch und Danke für Euren Support.
Stephan

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