Interview mit Stephan Weidner (01/2007)

Januar 16th, 2007 | By Sarah

credits: www.der-w.de

Ende 2006 erklärte sich Stephan Weidner erneut bereit für ein exklusives GUSD-Interview. Für die Spontanen und regelmäßigen News-Leser auf www.gusd.de ergab sich die Möglichkeit Fragen an Stephan zu stellen. Die ein oder andere Frage von euch, haben wir in das Interview eingebaut und natürlich sollte auch der typische GUSD-Flair nicht verloren gehen…

Buenas Stephan, wir hoffen bei dir ist alles klar soweit und schreckst jetzt nicht zurück. Wir hatten massig Feedback von Fans bez. des Interviews und hoffen, dass wir ne gute Mischung gefunden haben 😉

Es gab Andeutungen, dass du Ende diesen Jahres ins Studio gehen wolltest bez. deiner Soloplatte. Kam es schon dazu und gibt es darüber was zu erzählen?

Stephan: Noch gibt es nicht viel Neues zu Berichten. Die Arbeit an VCT hat sich endlos in die Länge gezogen und mich davon abgehalten weiter an neuem Material zu frickeln. Ich wollte einen sauberen Übergang und habe deshalb alles andere erstmal hinten angestellt. Ich war zum Schluss ziemlich abgenervt und musste erstmal 2 Wochen Fasten gehen…meinen Körper und meinen Geist reinigen. Ich bin jetzt wieder voll motiviert am Start und mache ab nächster Woche ernst.

Hast du dir schon Gedanken über die Verteilung der Gastmusiker für deinen Soloauftritt gemacht? Planst du vielleicht wieder mit Rupert Keplinger an der Gitarre und Christos live an den Drums? Wirst du denn definitiv am Bass bleiben? Pe lernt ja mittlerweile auch fleißig Gitarre.

Stephan: Ich plane erstmal mit Rupert einen Widereinstieg zu finden und mit ihm das Vorhandene Material zu überarbeiten, ansonsten ist es ist aber noch zu früh über Personalien zu reden. Ich weiß nur, dass ich tierisch Lust verspüre im Studio wieder richtig zu rocken, und das mit so vielen Musikern und Einfluss wie möglich. Auf der einen Seite weiß ich sehr genau was ich will, freue mich aber auch auf die neuen Dinge die passieren können wenn andere meine Songs spielen. Letztendlich muss die Chemie stimmen. Mit wem ich was mache wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Ich glaube, es ist knapp ein Jahr her, dass du schriebst du seist nicht glücklich gewesen in den letzten Monaten und du viel zu verarbeiten hattest. Sicherlich wird sich das in deinen Texten wieder spiegeln, wird es somit auf ein nachdenkliches fast melancholisches Werk hinauslaufen? Kannst du die gleiche Energie solo vermitteln wie zu Onkelzzeiten oder hat sich darin etwas geändert?

Stephan: Grundsätzlich hat sich daran nichts geändert. Die Texte sind sehr persönlich und gehen teilweise sehr tief. Dementsprechend wird auch die Musik ausfallen. Parallelen zu den Onkelz wird es sicher geben, aber nicht vordergründig. Melancholisch ja, aber sicher nicht weinerisch und rocken wird das ganze trotzdem. Wer weiß was noch alles passiert und welche Songs es schließlich aufs Album packen. Ich tue ich mich deshalb schwer wirklich konkretes zu äußern, dazu ist es beileibe noch zu früh.

Wie wirken deine Lieder auf dich, wenn du sie dir selbst anhörst? Gibt es einen Unterschied zwischen dem ersten Mal und nach Jahre langem hören?

Stephan: Meinst Du Onkelz Songs oder mein Solo Material? In beiden Fällen verhält es sich aber ähnlich. Es gibt Songs die sich nicht abnutzen und die ich immer wieder gerne höre, andere wiederum rotieren nur noch selten in meinem Player.

Es wurde gezwitschert, dass du dir vorstellen könntest im Cocoonclub ein Konzert zu geben? Findest du das Venue angemessen für deine Musik?

Stephan: Für einen „normalen“ W Gig ist das Cocoon sicher nicht die richtige Location, für einen speziellen Event kann ich mir schon vorstellen dort Spaß zu haben.

Deine erste eigene Homepage ist ja mittlerweile über ein halbes Jahr online. Bist du mit dem Verlauf zufrieden?
Insbesondere nach der Schließung des Onkelz-Forums hat dein Forum ja einen enormen Zuwachs bekommen, was vielleicht auch nicht nur positiv zu bewerten ist. Wie siehst du das?

Stephan: Das Onkelz Forum ist ja wieder Online und das ist gut so. Mit dem Verlauf in meinem Forum bin ich nur teilweise zufrieden. Das liegt aber auch an mir. Ich müsste mich mehr um die Inhalte kümmern und von Fall zu Fall drastischer eingreifen. Ohne jammern zu wollen, aber dafür fehlt mir die Zeit. Um das Niveau höher zu halten, müsste ich aber mehr davon investieren. Eventuell könnten mir auch mehr und fähige Moderatoren helfen. Ich denke ich wäre langfristig gut beraten in dieser Richtung aktiv zu werden und mit coolen Usern enger zusammen zu arbeiten. Hat jemand Bock auf den Job?

Du hattest vor einigen Wochen erwähnt Musik auf deine Page zu stellen. Was wird uns da genau erwarten? Werden es Tracks sein, die es auch auf ein erstes Album schaffen könnten oder dienen sie ausschließlich für die Nutzung auf der Homepage?

 

Stephan: Ich stelle mir da eher Remixe vor. Abgespeckte, chilligere Versionen von Tracks die es auch auf meinem Album zu hören geben könnte.

Hat sich schon was wegen deinen W-Shirts ergeben? Steckst du schon in Planung? Hast du das Design entworfen oder war das Aufgabe der Gestalten?

Stephan: Ich wollte keine halben Sachen machen und Shirts an den Start bringen die es lohnt zu kaufen. Shirts, die Qualitativ zu 100% meinen Ansprüchen genügen. Schnitte, Stoffe, Farben und Drucke die sich von der Masse abheben, und die vor allem Ideologisch meine Philosophie transportieren können ohne platt zu wirken. Ich musste da sehr viel experimentieren und das brauchte Zeit. Die meisten Ideen stammen von mir und wurden von den Gestalten und Freunden Grafisch umgesetzt. Die Styles, Farben und Schnitte gehen auf meine Kappe. Ich hoffe spätestens zum Sommer hin am Start zu sein.

Gibt es zurzeit deutsche Bands, die dich ansprechen? Welchen Musiker hältst du noch für glaubwürdig in seiner Rolle?

Stephan: Komischerweise höre ich nicht viele Deutschsprachige Sachen und wenn, meistens so schräges Zeug wie Mediengruppe Telekommander, also eher aus dem elektrischen Lager. Anfänglich konnte ich, zumindest textlich, deutschem Rap etwas abgewinnen, das hat sich aber komplett erledigt. Das was mir an Gitarren-lastigeren Kram zu Ohren kommt (Madsen, Tomte und Konsorten), fällt meistens wegen dem weinerlichen Studenten Gesang durch, und die gute, härter Rockende Fraktion singt meistens Englisch (Smoke Blow, Junkhead, Sub7even). Vielleicht kenne ich auch zuwenig. Über Glaubwürdigkeit will ich mich nicht äußern, ich kenn die Leute ja schließlich nicht persönlich.

Lang ist es her; aber was wäre passiert wenn du nicht Musiker geworden wärest? Könntest du dir heute vorstellen in der örtlichen Sparkasse hinterm Schalter zu arbeiten? Hättest du im Vergleich zu deiner jetzigen Laufbahn andere Prioritäten in deinem Leben?

Stephan: Yo no se! Hinterm Bankschalter wäre ich sicher nicht gelandet. Wahrscheinlich wäre ich verarmt aber glücklich auf irgendeiner Insel surfend zu finden gewesen.

Wie schauts mit deiner Ehrlichkeit aus; in deinen Texten bist du sehr direkt und nimmst kein Blatt vor den Mund. Wie ist im Alltag, versuchst du stets zu den Menschen ehrlich zu sein, was durchaus auch mal verletzend sein kann oder greifst du auf die ein oder andere Notlüge auch mal zurück?

Stephan: Darüber zu Urteilen wie ehrlich ich bin überlasse ich anderen. Ich kann schon verletzend sein, arbeite aber daran es so selten wie nötig zu sein.

2006 hast du viel durchmachen müssen; Kevins Rückfall, der Tod von Marcus Löffel, viele Anfeindungen aus dem Onkelzlager speziell gegen dich, etc. Woher schöpfst du die Kraft wieder aufzustehen? Wie motivierst du dich? Lebst du nach einem Motto oder bist du einfach von Natur aus ein zäher Kerl, der weiß, wie hart das Leben einfach ist?

Stephan: Die ständige Arbeit an der Seele ist das Wesentliche. Spirituelle Arbeit. Jeder der an seiner Seele arbeitet kann jeden Augenblick einen neuen Anfang machen.

Du bist viel unterwegs und dennoch scheinst du viel Zeit zum Lesen zu haben. Wie kommst du auf Bücher wie Culture Jamming oder The Cocka Hola Company? Empfehlungen von Freunden oder suchst du gezielt danach?

Stephan: Wer sucht der findet.

Buy nothing day; was hast du an diesem Tag für dich gemacht?

Stephan: Nichts gekauft natürlich, sonst nichts.

Wie kam es dazu, dass du dich mit dem Diskordianismus befasst hast? Ich staune über die Zeit, die du dir nimmst um neue Dinge an dich ranzulassen. Wie schaut es mit anderen Religionen aus; wirst du 2007 beim Dalai Lama Besuch in Hamburg anwesend sein?

Stephan: Ich mag das anarchische, wirre, absurde, den Spaß und die totale Verweigerung der Diskordianer. Und das alles auf dermaßen hohem intellektuellem Niveau. Sich selbst nicht ernst nehmend und trotzdem ernst sein. Die totale Verwirrung eben. Der Dalai Lama Besuch interessiert mich weniger.

Du fährst ja einen 66er Ford Mustang. Woher rührt deine Liebe für diese Autos und wann hast du dir diese schnieke Göttin eigentlich zugelegt? Von Pe weiß ich, dass er sich einen Shelby zulegen wollte, wie sieht es bei dir aus? Besitzt du noch mehr?

Stephan: Es gab schon als Kind für mich kein anderes Auto. Ich hab zwei davon, einen Convertible und einen Fastback. Beide Bj. 66. Den ersten hab ich mir vor 18 Jahren gekauft.

Was denkst du darüber, wenn Fans sich Schriftzüge wie „Böhse Onkelz“ oder Onkelz auf tibetisch tätowieren lassen?

Stephan: Onkelz Tattoos generell find ich super. Drückt es doch die enge Verbundenheit zwischen Fans und Band aus. Mein Tattoo Nachstechen zu lassen finde ich leicht Fantasielos.

Jetzt mal unter uns Fashionfreaks; Wenn man dich optisch all die Jahre vor Augen hat, lässt sich nicht verleugnen, dass du einen krassen Wandel durch gemacht hast. Mitte der 90er noch in typisch schwarzer Rockerkluft und heute fast schon als Paradiesvogel in Ed Hardy, Dsquared, PunkRoyal etc. Wie bist du drauf gekommen? Oder hatten da mal wieder die Frauen ihre Hände im Spiel?

Stephan: Ich fange langsam an den Spaß an Mode zu verlieren. So wichtig ist das Thema nicht. Die meisten Leute kaufen Labels und sehen verkleidet aus. Einen persönlichen Stil finde ich schon wichtig, der muss aber nicht teuer sein und sollte die eigene Persönlichkeit unterstützen, mehr aber auch nicht. Ich arbeite hart daran mein Konsumverhalten zu überprüfen und zu ändern.

Thema Fußball: Wie läufts mit dem NAS FC ? Konntet ihr eure Niederlage im Hinspiel gegen Darmstadt schon wieder ausbügeln oder macht ihr gezwungenermaßen Winterpause auf Grund der Angeschlagenheit des Teams?

Stephan: Bestimmt irgendwann. Die Niederlage in Darmstadt muss definitiv noch korrigiert werden. Wir sind schlechte Verlierer.

Der Teaser zur VCT-DVD ist ja nun online und hat nicht nur in mir eine Gänsehaut ausgelöst. Wie ging es dir über die Monate an den Arbeiten zur DVD? Hast du es vermisst 2006 keine Tour zu spielen?

Stephan: Zwischenzeitlich dürfte jeder wissen wie kräfteraubend die Arbeit an VCT gewesen ist. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Die DVD löst bei mir immer noch die unterschiedlichsten Emotionen aus. Das Ding war einfach zu intensiv und groß. Vermissen tue ich noch nichts.

Ich bedanke mich schon mal im Namen von GUSD bei dir fürs Zeit nehmen und das du uns nicht vergisst und immer mal wieder reinschaust. Freut mich immer sehr. Die letzten Worte sind wie immer dir:

Stephan: Flüchtet aus dem Land des Gewohnten! Grüsse an Euch alle Stephan

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